Lebendige Tradition Beschwingt durchs Gelände

Tanz, Gesang und Kaspressknödel: Am Tag der Volksmusik lassen sich Hunderte von Besuchern durch das Freilichtmuseum Glentleiten treiben.

Von Sabine Näher

Musikanten von nah und fern finden sich auf der Glentleiten ein, um in alten Stuben und unter freiem Himmel gemeinsam zu musizieren.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Glentleiten ist immer einen Ausflug wert, aber an Thementagen zieht sie das Publikum in Scharen an. So bilden sich am Muttertag schier endlose Schlangen vor der Kasse, denn zum "Volksmusiktag" werden etliche der Museumshäuser von verschiedenen Ensembles bespielt, damit aus ihrem musealen Schlaf erweckt und mit buntem Leben erfüllt. Wie das auf dem oberbayerischen Land nach wie vor der Brauch ist, eröffnet eine Heilige Messe im Jackl-Stadl den Tag mit geistlichen Volksliedern. Am Mittag wendet man sich dort dann den weltlichen Freuden zu: Die Miesbacher Musikanten mit Klarinetten, Ziach, Gitarre und Kontrabass spielen zum Tanz auf.

Ein Vortänzer-Paar führt kurz in die Figuren ein; dann dürfen alle, die mögen und sich trauen, das Tanzbein schwingen. Die meisten Paare sind in Tracht erschienen und wirken überaus vertraut mit den Gepflogenheiten. Ebenso souverän wie anmutig wirbeln sie vorüber und bieten den Zuschauern ein schönes Bild. Eine barfüßige Tänzerin, deren Partner feste Wanderschuhe trägt, offenbart großes Vertrauen in dessen Tanzkunst. Wer danach Stärkung braucht, findet gleich gegenüber einen Stand, der herrliche Kuchen, frisch ausgebackene Auszogene, aber auch Rollbraten und Kaspressknödel im Angebot hat.

Hernach kann man das Gelände durchwandern und sich von allerlei Klängen in die Häuser hineinlocken lassen. Das Ensemble Ois' Sait'n aus Ebersberg (zwei Gitarren, Zither, Hackbrett und Kontrabass) sitzt in der hellen, lichten Stube des Michl-Hauses; beim "Zehentmaier" mit seinen kleinen Butzenscheiben dagegen musizieren der Schwanthalerhöher Dreigsang aus München und die Dreiklang-Musik aus Feuchtwangen (sehr fetzig mit zwei Hackbrettern, Harfe, Gitarre und Steririscher Harmonika) bei spärlicher Beleuchtung in drangvoller Enge, dicht umlagert von den Besuchern. Beim "Hoderer" haben sich das Contra Ensemble aus München und das Gerner Saitentrio aus Zorneding zum Musizieren eingefunden; einträchtig versammelt vor dem Herrgottswinkel in der guten Stube, in der es appetitanregend nach Geräuchertem riecht.

Denn nicht nur die Musikanten sind heute am Werk, auch etliche Handwerksvorführungen werden geboten. Im Backhäusl etwa schiebt der Bäcker immer neue Brote in den Ofen, die reißenden Absatz finden. In einer kleinen Werkstatt demonstriert ein Seiler, wie aus dünnen Fäden ein reißfester Strick hergestellt wird. Und wie immer auf der Glentleiten bietet das ständige Auf und Ab der Wege herrliche Ausblicke, am schönsten natürlich ist der auf den türkisfarben glitzernden Kochelsee. Das herrliche Wetter bietet zum Glück auch Gelegenheit, ein paar Freiluft-Darbietungen genießen zu können. Bei der historischen Kegelbahn etwa spielt die Grafrather Geigenmusik (zwei Geigen, Akkordeon, Kontrabass) schwungvoll auf; gleich nebenan im "Samerhäusl" bedient Karl Müller aus München seine Drehleier und lässt die Zuhörer mit diesen archaisch anmutenden Klängen auf eine Zeitreise gehen. Beim "Schiebl" bietet der Giadersdorfer Dreiklang aus Amerang (zwei Sängerinnen und ein Sänger, dazu Gitarre und Zither) einen sanften, lieblichen Gesang voll anrührender Schlichtheit im Wechsel mit Moni Wärl aus Seehausen, die ihrer Harfe kraftvolle Klänge entlockt. Und zwischen den stimmungsvollen Darbietungen am authentischen Ort lässt es sich in strahlender Sonne bei jubilierendem Vogelgezwitscher durch die aufblühende Natur lustwandeln.

Einige Paare sind in Tracht erschienen und bewegen sich formvollendet über den Tanzboden. Andere tanzen barfuß.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Auch die Almen hätten noch weitere Musikanten aufzubieten, doch der plötzlich aufkommende Wind und die ersten dunklen Wolken lassen an Aufbruch denken. Auf dem Weg zum Ausgang ist schon weithin eine letzte Freiluft-Musi zu vernehmen: Beim "Fischerweber" toben sich die Grünwalder Stub'nmusi und die Hailafinger Hausmusi aus Straßlach aus. "Wir können uns nicht beklagen: Bis jetzt hat's doch super gehalten", meint eine junge Mutter, die mit dem Kinderwagen nun aber vorsichtshalber doch dem Ausgang zustrebt.

Noch ein letzter Blick in die neue Gastwirtschaft: Dort musiziert der Spielkreis 1880. So anheimelnd wie in den Museumshäusern ist die Atmosphäre nicht. Die riesige Terrasse bietet aber einen prachtvollen Blick auf den See. Am Himmel wird es immer dunkler. Dennoch drängen immer noch neue Besucher hinein ins Gelände.