Landgericht München Lange Lüge

Sie wollte ihren Freund an sich binden - da kam ihr die "Idee" mit der Vergewaltigung: Eine Geretsriederin muss sich vor Gericht verantworten, weil sie monatelang die Ermittler mit einer vermeintlichen Straftat in die Irre geführt hat.

Von Andreas Salch

Monatelang haben vier Beamte der Geretsrieder Polizei und der Kriminalpolizei Weilheim im vergangenen Jahr nach einem Vergewaltiger gefahndet, den sie nie hätten finden können - weil Franziska W. (Name von der Redaktion geändert) sich ihn ausgedacht hatte. Zunächst hatte die 21-Jährige ihrem Freund erzählt, sie sei auf dem Nachhauseweg von der Disco von einem Mann angegriffen worden.

Eine 21-Jährige gab an, auf dem Heimweg von der Disco vergewaltigt worden zu sein. Doch das war eine Lüge, mit der sie ihren Freund an sich binden wollte.

(Foto: ddp)

Der Unbekannte habe sie im Bereich Bunsenweg/Jeschkenstraße zu Boden gerissen und missbraucht. Raue Hände habe der Mann gehabt und ein blau-graues Hemd getragen. Das war alles, was Franziska W. von dem mutmaßlichen Täter berichten konnte.

Die 21-Jährige log ihren Freund nur deshalb an, weil er sie gefragt hatte, warum sie sich so komisch verhält. Als ihr Partner daraufhin Franziska W.s Mutter von der angeblichen Vergewaltigung erzählte, wandte diese sich an die Polizei. Franziska W. wurde vorgeladen, um auszusagen. Spätestens jetzt hätte sie sagen können, dass sie sich alles nur ausgedacht hatte.

Doch sie blieb drei Monate lang während dreier Vernehmungen bei ihrer Version. Dann stand für die Ermittler fest, dass sie in die Irre geführt worden waren. Franziska W. wurde vor dem Amtsgericht Wolfratshausen angeklagt - wegen Vortäuschens einer Straftat. Die 21-Jährige fand einen milden Richter. Er verwarnte sie lediglich und drohte ihr eine Geldstrafe in Höhe von 800 Euro an, falls sie innerhalb einer Bewährungszeit von eineinhalb Jahren erneut straffällig werden sollte.

Doch damit war der Fall für Fanziska W. noch nicht erledigt. Das Urteil werde der Tat in keiner Weise gerecht, befand die Staatsanwaltschaft und legte Berufung vor dem Landgericht München II ein, mit dem Ziel, dass die 21-Jährige zu einer weit höheren Strafe verurteilt wird.

Deshalb musste die Geretsriederin nun wieder auf der Anklagebank Platz nehmen. Ja, es sei alles erfunden, gestand sie und fügte hinzu, sie habe sich die Vergewaltigung nur ausgedacht, weil sie ihren Freund habe an sich binden wollen. Da sei ihr eben diese "Idee" mit der Vergewaltigung gekommen.

Auf die Frage von Richter Oliver Ottmann, warum sie denn nicht spätestens bei der Polizei die "Reißleine gezogen" und gestanden habe, dass die Tat erfunden sei, antwortete Franziska W.: "Ich konnte nicht mehr raus, ich hatte das Gefühl ich würde mein Gesicht verlieren." Im Alter von zehn Jahren sei sie tatsächlich einmal vergewaltigt worden, sagte die 21-Jährige, weshalb sie jetzt eine Therapie machen wolle. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erhöhte das Gericht die Strafe auf 1350 Euro. Franziska W. darf sie in Raten abbezahlen.