Landgericht München II Tausende Dateien mit Kinderpornographie

Ein pädophiler 40-jähriger Tölzer muss sich wegen Besitzes kinderpornographischer Dateien vor dem Münchner Landgericht verantworten - und provoziert einen Eklat.

Von Andreas Salch

Was die Polizei bei Karl-Heinz F. fand, als sie dessen Wohnung in Bad Tölz am 1. Dezember vergangenen Jahres durchsuchte, war schockierend. Die Ermittler stellten bei dem gelernten Feingeräte-Elektriker nicht weniger als 41 CD-ROMs mit knapp 33 000 kinderpornografischen Video- und Bilddateien sicher. Dazu noch einige Hefte, ebenfalls mit kinderpornografischem Inhalt. Die Opfer sind Mädchen und Jungen, überwiegend zwischen einem und zehn Jahre alt. Aber es wurden auch Dateien gefunden, auf denen der Missbrauch an Säuglingen gezeigt wird.

Seit Dienstag muss sich Karl-Heinz F. vor dem Landgericht München II verantworten. Allerdings nicht nur wegen des Besitzes von Kinderpornografie, sondern auch wegen versuchten Betrugs. Denn er bewarb sich um eine Stelle als Kinderpfleger im Montessori-Kindergarten von Feldafing und legte dazu ein von ihm gefälschtes Diplom als Erzieher vor. In Wirklichkeit hatte er nie in seinem Leben als Erzieher gearbeitet. Vermutlich ist der 40-Jährige psychisch so schwer krank, dass er gar nicht für die Tat, für die er sich nun vor einem Strafgericht verantworten muss, zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Erst Ende März dieses Jahres wurde Karl-Heinz F. festgenommen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Dort singe er im Kirchenchor der Anstalt und habe sich einer christlichen Selbsthilfegruppe angeschlossen, berichtete er bei seiner Vernehmung durch das Gericht.

Ob er nicht auch daran gedacht habe, eine Sexualtherapie zu besuchen, will der Vorsitzende, Richter Thomas Bott, wissen. "Nein", erwiderte Karl-Heinz F.. Bis zu dieser Antwort hatten die Richter den Tölzer schon ausführlich zu seiner Kindheit vernommen. Vieles davon klang wirr. Doch als Richter Bott den Versuch unternahm, den Angeklagten zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft zu befragen, kam es zum Eklat.

Denn Karl-Heinz F. hat die Angewohnheit, fast alle Antworten, die er gibt, mit einem Zusatz, der so ähnlich klingt wie "Hey Mann", abzuschließen. Für kurze Zeit nahm Richter Bott das hin. Er ermahnte den Tölzer und forderte ihn auf, dies zu unterlassen. Doch der machte weiter, worauf dem Vorsitzenden endgültig der Kragen platzte. Er schlug auf den Tisch, sprang auf und schrie Karl-Heinz F. an. Die Verhandlung wurde unterbrochen.

Zuvor hatte sich Karl-Heinz F., der bis zu seiner Festnahme von Hartz IV lebte, zu seinen Motiven eingelassen. Kinderpornografie sei für ihn "Kunst" und Gegenstand soziologischer Forschung, behauptete er. Bei der Vernehmung durch die Kriminalpolizei hörte sich dies noch anders an. Da hatte er noch eingeräumt, dass er Kinderpornografie zur "Triebabfuhr" brauche.

Ist Karl-Heinz F. ein Simulant? Es gebe Hinweise dafür, meinte ein psychiatrischer Sachverständiger nach Ende der Verhandlungsunterbrechung. Der Angeklagte zeige eine Tendenz zur "Dissimulation", so der Sachverständige. Demnach könnte es sein, dass der Tölzer den Anschein erwecken will, als sei er gesund. Das Gericht unterbrach die Verhandlung erneut. Der Sachverständige befragte Karl-Heinz F. ein weiteres Mal.

In dem Gespräch, so der Psychiater, habe F. berichtet, dass er seit fünf Jahren eine "göttliche Stimme" höre. Und bei der Floskel, die so klinge wie "Hey Mann", meine der Angeklagte "Hermann", sagte der Psychiater. Dabei handle es sich um eine fiktive Person, die er auf sich projiziere, habe ihm der Angeklagte versichert. Der Prozess dauert an.