Konzertkritik Vitale Traurigkeit

Sul ist auf Portugiesisch der Süden, Fado ein Musikstil - dieses Trio pflegt ihn großartig: Henrique Rebouças, Daniela Bauer und Luís Maria Hölzl.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Trio "Fado Sul" verbreitet in Münsing portugiesisches Flair

Von Sabine Näher, Münsing

"Herzlich willkommen hier in Lissabon", begrüßt der Hausherr im Münsinger "Freiraum" am Donnerstagabend das Publikum. "Zumindest die Temperaturen passen." Mag sein, dass die hochsommerliche Schwüle den Zugang zu südländischer Musik tatsächlich erleichtert, jedenfalls nahm die Darbietung des Trios Fado Sul sofort gefangen. Eine ganz besondere Farbe, eine vitale Traurigkeit oder eine von einem grauen Schleier überschattete Farbigkeit, brachte die erste Nummer "É noite na Mouraria" und bestätigte damit die Vorstellung, die man als eher Unkundiger von dieser Musik so hat.

Sängerin Daniela Bauer, trotz schwarzer Augen und ebensolcher Haare offensichtlich keine Südländerin und portugiesische Muttersprachlerin, hat sich so sehr in diese fremde Welt eingefühlt, dass sie ihre Vertrautheit damit auf den Zuhörer übertragen kann. Mit Luís Maria Hölzl und Henrique Rebouças hat sie zwei versierte Gitarristen an ihrer Seite, die Stimmungen zu zaubern vermögen.

"Fado" bedeute auf Portugiesisch Schicksal. Der Fado ist ein in den Zwanzigerjahren in Portugal aufgekommenes, traurig gestimmtes Volkslied, erklärt das Konversationslexikon. Doch wie passt das auf die Nummer "Maria Lisboa"? Die Gitarren malen lustig hüpfende Begleitfiguren; die Sängerin strahlt unbändige Vitalität aus. Diese Frauengestalt Maria verkörpere gleichsam die Stadt Lissabon, hat Bauer zuvor erklärt. Es scheint sich um eine sehr impulsive, vor Lebenslust sprühende Person beziehungsweise Stadt zu handeln.

Dass der Fado eben nicht immer überschattet daherkommt, sondern viele Facetten aufzuweisen hat, wird im Laufe des Abends immer wieder deutlich. Vom Mädchen mit den schönen Zöpfen, auf die alle neidisch sind, singt Hölzl ("In Lissabon dürfen auch die Männer Fado singen") mit augenzwinkerndem Vergnügen, "Barco Negro" ("Du steigst auf ein schwarzes Boot - und segelst davon") beginnt nachsinnend und führt zu leidenschaftlichem Gefühlsausbruch, "Os Argonautas" ("Es ist wichtig im Leben, irgendwann einfach loszusegeln") bringt eine zarte Melancholie, die sich über die auch vernehmbare freudige Aufbruchsstimmung legt.

Das Meer, die Schiffe, die unüberbrückbare Entfernungen zwischen Liebenden verursachen, sind ein wichtiges Grundthema. "Im Fado geht es meist um unglückliche Liebe, da die meisten Männer als Matrosen größtenteils auf dem Meer unterwegs sind", hat Hölzl erläutert. Er spielt ein ungewöhnliches Instrument, als eine portugiesische Gitarre ausgewiesen, die allerdings eher an eine Mandoline oder Laute erinnert. Und in der Tat: Auf Nachfrage räumt der Musiker ein, eigentlich sei es gar keine richtige Gitarre. Die Engländer hätten das herzförmige Instrument einst ins Land gebracht. "Es ist anders gestimmt und klingt auch anders als eine Gitarre." Nämlich markant, dominierend. Neben Rebouças siebensaitiger Gitarre, die vor allem in seiner Heimat Brasilien verwendet wird und mit dem gewohnten sanften, schmeichelnden Klang aufwartet, gibt die Portugiesin die Auftrumpfende, Vorwitzige. So ergeben sich faszinierende Klangkombinationen.

Bauer und Hölzl haben einander in Würzburg beim Gitarrenstudium kennengelernt und ihre gemeinsame Liebe zum Fado entdeckt. In einem Meisterkurs trafen sie den Brasilianer und beschlossen, dieser musikalischen Liebe zu dritt zu huldigen. Eine gute Idee, wie das höchst animierte Publikum im "Freiraum" findet. Namensgeberin des Programms ist übrigens Amália Rodrigues, die vielen als die Verkörperung des Fado gilt. Auch das Trio erweist der "Königin des Fado", so Bauer, seine Reverenz mit diesen Liedern, die sie wegweisend interpretiert hat. Begeisterung in Münsing. Und Zugaben trotz tropischer Temperaturen.