Kommentar  Unnötig schroffe Absage

Man muss die Vorschläge zum Erhalt der Geburtshilfe in Tölz nicht teilen. Aber die Bitte um eine Diskussion über Lösungsmöglichkeiten sollte man nicht ausschlagen

Von Felicitas Amler

Frauenförderung sieht anders aus: Die Ablehnung des Landrats, einen Geburtshilfe-Antrag im Sozialausschuss des Kreistags zu behandeln, kommt unnötig schroff daher. Die Grünen-Kreisrätinnen Barbara Schwendner, Mechthild Felsch und Annelies Wiedenbauer-Schmidt machen sich Sorgen um die Sicherheit schwangerer Frauen und ihrer Kinder nach der Schließung der Geburtshilfeabteilung in Bad Tölz. Damit sind sie nicht allein; die Frage, was zur Verbesserung getan werden kann, treibt viele um - Betroffene, Hebammen, Ärzte, aber auch Kreisrätinnen und Kreisräte aller Fraktionen.

Wie auch immer der Landrat und die Hausjuristin die Geschäftsordnung des Kreistags auslegen - es bestand sicher keine Notwendigkeit, in der Antwort auf den Grünen-Antrag gleich noch zu schreiben: "Unabhängig davon wird unsererseits geprüft, inwieweit die Landkreisgremien überhaupt zuständig sind." Wie bitte? Ausgerechnet jene Gremien, die monatelang mit der Frage beschäftigt waren, wie es mit der Geburtshilfe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weitergehen soll, die seien nun womöglich gar nicht zuständig? Das klingt völlig absurd.

Man muss die konkreten Vorschläge der Grünen-Frauen nicht teilen, nicht im Detail und noch nicht mal en gros. Aber die Bitte um eine - so heißt es im Antrag explizit: "Diskussion" über Lösungsmöglichkeiten, die brauchte man nun wirklich nicht auszuschlagen.

Nach hausinterner juristischer Prüfung will der Landrat die Causa am Ende dem Kreisausschuss zur Entscheidung darüber vorlegen, ob sich dieses Gremium mit den Fragen zur Geburtshilfe befasst. Mit der Strategie, die FW-Kreisrätin Ursula Fiechtner sich in diesem Zusammenhang wünscht: "Frauen müssen zusammenhalten", täten sie sich übrigens im Sozialausschuss leichter: Dort sind sechs von 13 Mitgliedern Frauen; im Kreisausschuss ist Schwendner neben zwölf Männern die einzige.