Kommentar Phantasielose Kalkulation

Wirtschaftlich mag es gerechtfertigt sein, Künstler zur Kasse zu bitten. Das Renommee der Kleinkunstbühne Hinterhalt wird davon nicht profitieren.

Von Stephanie Schwaderer

Die "Hinterhalt"-Betreiber bereichern sich nicht, sie buttern, im Gegenteil, noch immer Privatvermögen in den defizitären Kulturbetrieb, der sie zudem viele Stunden ehrenamtliche Arbeit kostet. Und dennoch: Die Tatsache, dass sie von Künstlern eine Pauschale in Höhe von 200 Euro einfordern, irritiert und dimmt die Leuchtkraft der renommierten Kleinkunstbühne.

Rein wirtschaftlich gesehen ist die Rechnung korrekt: Der Künstler wird am Gewinn beteiligt, also soll er auch das Risiko mittragen. Die Konsequenzen einer solchen Veranstaltungspolitik sind jedoch fatal. Wer (noch) keinen großen Namen hat, wird sich schwer tun, 200 Euro Kaution plus 120 Euro für den Techniker auf den Tisch zu legen - dafür, dass er spielen darf (!). Umgekehrt gilt die Regel: Wer mehr als 50 Leute mitbringt, dem gehört die Bühne. Für Qualität bürgt ein solches System ebenso wenig, wie es dem Anspruch Rechnung tragen kann, neuen Talenten ein Podium zu bieten. Für beides war der Hinterhalt lange Zeit Inbegriff.

Nun kann man Assunta Tammelleo nicht vorwerfen, dass sie ein schlechtes Programm biete. Im Gegenteil. Die Mischung ist ansprechend und vielfältig. Auch an Werbung mangelt es nicht. Und dennoch spielt mittlerweile selbst ein Sigi Zimmerschied in Gelting bisweilen vor halb leeren Reihen. Dies ist zum Teil gewiss dem Zeitgeist geschuldet, aber nicht nur. Wer ins Kabarett oder Konzert geht - ein Großteil des Publikums ist jenseits der 40 - mag in der Regel auch etwas Gutes essen und trinken und nicht mit einem aufgebackenen Brot abgespeist werden. Auch freut man sich über eine freundliche Bedienung, die einem nicht über den Mund fährt. Und so gebe es sicherlich noch ein paar andere Ansatzpunkte, wie man wieder mehr Gäste in den "Hinterhalt" locken könnte. Die Künstler zur Kasse zu bitten ist vor allem eines: fürchterlich phantasielos.