Kommentar Knausrige Skeptiker

Die Wolfratshauser stellen bei der Hallenbad-Diskussion einmal mehr unter Beweis, dass sie nicht über ihren Tellerrand schauen können.

Von Wolfgang Schäl

Soll man sich drüber freuen oder doch eher wundern, dass ausgerechnet jene Wolfratshauser Stadträte, die bisher als die großen Hallenbad-Bedenkenträger auf den Plan getreten sind, sich beim Infotreffen des Landkreises so ausgesprochen wissbegierig präsentiert haben? Freuen lieber doch nicht, denn abgesehen davon, dass sich die Grüne Lucia Schmidt mal wieder grob im Ton vergriffen hat, demonstrieren die Wolfratshauser Wortmeldungen doch eher eines: Dass man an der Loisach den Blick nach wie vor nicht über den Tellerrand erhebt. Schon klar, dass Stadträten die Wahrung der eigenen Interessen obliegt und sie ihren Stadtsäckel sorgsam zuhalten müssen. Aber muss man darüber zum Pfennigfuchser werden? Die Wolfratshauser Diskussionsbeiträge waren eigentlich nur peinlich angesichts der Tatsache, dass Geretsried jährlich sechsstellige Beträge zuschießt, um eine attraktive, dabei aber hochdefizitäre Einrichtung zu betreiben, die auch Wolfratshausern zugute kommt. Umso kurioser erscheint es, wenn ausgerechnet die ewigen Neinsager vom vermeintlichen Gewinn profitieren wollen und obendrein noch verbilligten Eintritt für Einheimische verlangen. Interessant: Da wären Wolfratshauser in Geretsried also plötzlich einheimisch.

Das Hallenbad sei eine Einrichtung der Daseinsfürsorge, sagt Geretsrieds Bürgermeisterin Cornelia Irmer zu Recht, und als solches komme sie allen Altersstufen gleichermaßen zugute, vom Baby-Schwimmkurs bis zum Senioren-Wassertreten. Dafür müsse man eben Defizite in Kauf nehmen. Dem ist nichts hinzuzufügen, man muss nur froh sein, dass die Nachbarn im Mittelzentrum soviel Langmut zeigen. Falls Wolfratshausen weiterhin halsstarrig bleibt, darf man getrost auf die Initiatoren des Bürgerbegehrens setzen, die schon jede Menge Unterschriften gesammelt haben und guter Dinge sind, sich durchzusetzen. Für die Wolfratshauser Dauerskeptiker wäre deren Erfolg eine ziemlich kalte Dusche.