Kommentar Fatale Gleichgültigkeit

Wem in Wolfratshausen am Denkmalschutz geelegen ist, der braucht auf die Stadt und den Bürgermeister nicht zu zählen.

Von Matthias Köpf

Historische Gebäude sind der sichtbarste Ausdruck einer über Jahrhunderte gewachsenen städtischen Identität. Dies gilt auch für die alte und immer noch stolze Flößerstadt. Doch wem in Wolfratshausen an historischen Gebäuden gelegen ist, der braucht dabei auf die Stadt und Bürgermeister Helmut Forster nicht zu zählen. Ganz im Gegenteil: Angesichts der Politik der vergangenen Jahre und Forsters Aussagen vom Sonntag drängt sich die Erkenntnis auf, dass die Wolfratshauser Baudenkmäler im Zweifel nicht mit, sondern gegen die Stadt verteidigt werden müssen.

Die Liste der erst langsam verfallenen und dann geschleiften Gebäude ist schon viel zu lang. Doch wenn es nach Forster und der Mehrheit im Stadtrat geht, dann wird sie irgendwann um das historische Krankenhaus verlängert - ein ausgewiesenes architektonisches und sozialgeschichtliches Denkmal, das der Stadt selbst gehört und für das sie partout eine äußerst fragwürdige Abrissgenehmigung in der Schublade behalten will. Sich und anderen von dem Abriss die Lösung aller Wohnungsprobleme zu versprechen, ist unredlich. Was sich aus Gebäuden wie diesem mit dem nötigen Einsatz machen ließe, zeichnet sich beim Waldramer Badehaus ab. Das haben erst Proteste zweier Vereine vor einem Bebauungsplan bewahrt, in dem es einfach nicht mehr eingezeichnet war.

Dass sich Forster die gelungene Wiederbelebung des alten Vermessungsamts neben dem Rathaus zugute hält, ist zumindest fragwürdig, denn auch hier musste ein privater Investor übernehmen, was die Stadt mit ihrem eigenen Gebäude schon viele Jahre zuvor hätte tun sollen. Dann hätte sie die nötigen Kredite jetzt aus Mieteinnahmen bedienen können, statt selbst für eine Etage mehr Miete zu zahlen, als sie für das ganze Haus an Erbpacht erhält. So würde sich der Erhalt von Baudenkmälern auch aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive lohnen, die in Immobilienfragen Forsters einzige zu sein scheint. Doch die Aufgaben der Stadt erschöpfen sich nicht darin, den immer gleichen Maklern, Bauträgern und Investoren die immer gleichen Renditeobjekte zuzuführen. Denn dabei geht jede Identität verloren.