Kochel am See Auf Kaffeefahrt betrogen

Geworben wurde mit Ausflug und Geschenken, die Fahrt zur Heimatbühne Kochel endete als Verkaufsfahrt mit wirkungslosen, überteuerten Produkten.

(Foto: Neubauer)

Ex-Polizist kauft wirkungslose Matte, ein Angeklagter gesteht. Doch der Prozess geht weiter, weil es weitere Opfer geben könnte

Von Benjamin Engel, Kochel am See

Der 76-jährige Mann aus dem Landkreis war selbst Polizeibeamter. Und doch soll er auf einer Kaffeefahrt in Kochel am See betrogen worden sein. Zusammen mit seiner Frau kaufte er 2014 zwei Therapiematten für 4000 Euro. Er bezahlte in bar. Das Geld und noch ein bisschen mehr sollte er zurückbekommen. Im Gegenzug sollte er auf einer Veranstaltung in München für das Produkt werben. Doch soweit kam es nie. Das Geld war er los und ging zur Polizei. Jetzt traf er im Amtsgericht München auf die drei Angeklagten. Die, so sagt er zum zweiten Verhandlungstermin, hätten nie den Eindruck erweckt, dass es eine Kaffeefahrt gewesen sei. Der Verdacht sei ihm nicht gekommen.

Zunächst fing alles ganz harmlos an. Der Mann sagte, dass er eine Einladung zu einer Ausflugsfahrt mit Gewinnversprechen bekommen habe - allerdings ohne Reiseziel. Die schmiss er einfach weg. Ein weiteres Schreiben forderte ihn allerdings auf, teilzunehmen. Also gingen er und seine Frau zu einem vereinbarten Haltepunkt im Münchner Umland. Er sagte, dass sie mit dem Bus über Haltepunkte in Wolfratshausen, Schäftlarn, München und die Garmischer Autobahn bis nach Kochel gefahren seien. Dort hätten sie, fast 50 Leute seien dabei gewesen, im Saal der "Heimatbühne" gefrühstückt.

Der Älteste der drei Angeklagten habe sich als Verkäufer vorgestellt. Er habe betont, nur Produkte vorzustellen, die kurz vor der Marktzulassung stünden.

Der Rentner sagte, dass sie eine Alpenkräuter-Creme für 9,80 Euro gekauft hätten. "Gewirkt hat die nix." Er habe auch einen Elektrostaubsauger gekauft. Dann seien die Therapiematten mit heilenden Mineralsteinen angepriesen worden. Sie sollten gegen Gedächtnisschwäche, Knie- und Hörprobleme helfen - und kostenlos sein. Er selbst höre schlecht, das Knie schmerze, seine Frau könne sich manchmal schlecht erinnern. Deshalb kauften sie eine Matte. Dass sie auf einmal 2100 Euro kosten sollte, hielt sie nicht ab. Andere wollten hingegen vom Kauf zurücktreten und seien beschimpft worden.

Der 43-Jährige aus dem Trio habe ihn und seine Frau zum Parkplatz begleitet. Dort habe dieser ihm eine zweite Matte zum Gesamtpreis von 4000 Euro verkauft. 4500 Euro solle er zurückbekommen, wenn er auf einer Großveranstaltung in München über deren "gute Werke" berichte. Mit einem Kastenwagen hätten der Mann und der Dritte das Ehepaar nach Hause gefahren. Der frühere Polizeibeamte sagte, dass er dort bar bezahlt habe. Doch er sei misstrauisch geworden - so unleserlich habe der 43-Jährige die Quittung unterschrieben und, wie er erfahren habe, auch noch mit falschen Namen. Beide hätten sich mit dem Auto aus dem Staub gemacht. Er habe nur noch dessen Kennzeichen notieren können.

Der 55-Jährige "Verkäufer" gestand. Sein Anwalt erklärte, dass es so gewesen sei. Er habe auch einen Täter-Ausgleich geschlossen und 2000 Euro an den Geschädigten zurückgezahlt. Der ermittelnde Polizeibeamte kontaktierte Kollegen und Behörden. So stieß er auf die Spur der Angeklagten. Der Geschädigte identifizierte sie auf Fotos. Er sagte, dass die Veranstaltung einer im Schwarzwald verblüffend ähnele. Dort sollen die drei Angeklagten aufgetreten sein sowie auf einer Fahrt nach Tschechien. Er habe Hinweise auf ein Planungsbüro in Norddeutschland, das Kaffeefahrten organisiere. Der Prozess wird fortgesetzt.