Kloster Reutberg Schwestern wollen auf dem Reutberg bleiben

Das Erzbistum sähe die Franziskanerinnen des Klosters, die fast alle älter als 80 Jahre sind, lieber in einem Altenheim. Doch die wollen nicht weg.

Von Suse Bucher-Pinell

Bei den Franziskanerinnen im Kloster Reutberg klingelt in diesen Tagen häufig das Telefon. "So viele Anrufe", stöhnt die Ordensschwester, die am Montag den Hörer abnimmt. Alle wollen dasselbe wissen: Stimmt es, dass das 1618 gegründete Kloster bei Sachsenkam zum Jahresende geschlossen wird und die Schwestern das altehrwürdige Gebäude verlassen müssen? "So ungefähr", sagt die alte Dame im tiefsten Bairisch und seufzt: "Wenn wir es nur selbst wüssten." Was sie dagegen sehr genau wissen, schiebt sie schnell hinterher: "Wir wollen nicht weg."

Nur noch fünf Ordensschwestern leben im Kloster Reutberg.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das haben die betagten Schwestern auch dem Delegaten gesagt, der sie kürzlich im Auftrag von Reinhard Kardinal Marx besucht hat. Er sollte mit ihnen darüber sprechen, wie es weitergeht mit ihnen und ihrem Alltag in Reutberg. Vier der fünf dort lebenden Franziskanerinnen sind um die 80 Jahre alt, eine von ihnen sogar 90. Ihnen habe der Gesandte angeboten, ins Altenheim der Barmherzigen Schwestern in Adelholzen überzusiedeln. "Damit sie gut versorgt sind und es ihnen gut geht", erklärt der Sprecher des Erzbistums, Bernhard Kellner, auf SZ-Anfrage.

Zwei weitere Schwestern lebten bereits seit längerem in Adelholzen. Für ihn ist der Besuch des Delegaten nur nachvollziehbar. Auch deshalb, weil Kardinal Marx eine Fürsorgepflicht für die die Schwestern habe. Gerüchte, dass das Kloster verkauft werden soll, weist er strikt zurück: "Das sind Spekulationen, die an den Haaren herbeigezogen sind." Ein Verkauf stehe überhaupt nicht zur Debatte. "Für uns ist klar, dass das Kloster erhalten und Reutberg ein geistlicher Ort bleiben wird."

Wie dessen Zukunft aussehen könnte, dazu sagt er nichts. Das Allerwichtigste sei das Wohlergehen der Schwestern. "Wir hoffen, dass sich im Einvernehmen eine gute Lösung finden lässt." Was das Ordinariat tun werde, wenn die Schwestern nicht in einen Umzug einwilligten, lässt Kellner offen.

Gerüchte um die Zukunft von Kloster Reutberg kursieren seit Jahren. Während der Biergarten mit Blick ins Karwendel ein äußerst beliebtes Ausflugsziel ist und die Klosterbrauerei als Genossenschaft floriert, führen die Ordensschwestern ein zurückgezogenes Leben. Schon vor Jahren war die Rede von einem "überalterten Konvent". 2007 übernahm eine Karmeliterin den Posten der Oberin, weil keine der Schwestern dazu bereit war. Heute gebe es in Reutberg gar keine Oberin mehr, sagt Kellner.

Auch die anderen Frauenklöster im Landkreis blicken mit Sorge in die Zukunft. Immerhin noch 45 Missions-Dominikanerinnen leben im Kloster Schlehdorf. Schon 2004 haben sie aber die Trägerschaft der Realschule an die Erzdiözese München und Freising übergeben, und auch die Landwirtschaft haben die Schwestern aufgegeben, Flächen und Hofgebäude verpachtet. Auch den Salesianerinnen in Beuerberg fehlt der Nachwuchs.

Nur noch 17 Ordensschwestern in ebenfalls fortgeschrittenem Alter leben im dortigen Kloster, in dessen Westflügel bis 2007 Spätaussiedler untergebracht waren. Seitdem steht er leer und zerfällt zusehends. Die Suche nach einem Investor verlief bislang erfolglos und die Föderationsoberin des Ordens, Lioba Zezulka, dachte auch schon laut über einen Verkauf des Gebäudes nach. "Das Thema ist unsere Sorge", sagte sie vor einiger Zeit der SZ.

Auch in Dietramszell ist es seit langem ruhig hinter den Klostermauern der Salesianerinnen. 1952 lebten noch Schwestern in dem die Ortsmitte prägenden Anwesen. Heute sind es nicht einmal mehr zehn, auch sie bis auf eine Ausnahme hoch betagt. Einen Teil des Gebäudes haben die Ordensfrauen seit langem an die Montessori-Schule vermietet, auch der Gemeindekindergarten ist dort untergebracht.