Kinder gut beaufsichtigt Garten, Sofaecke oder Turnhalle

Sie sind für die Mittagsbetreuung der Grundschüler verantwortlich (von links): Eva Bruschek, Carmen Rieth und Fritz Meixner.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

An der Münsinger Grundschule gibt es seit diesem Schuljahr ein neues Konzept für die Mittagsbetreuung der Kinder

Von Benjamin Engel, Münsing

An der großen Magnettafel bei der Tür haften lauter runde Buttons mit Namen. Damit markieren die Kinder, wo sie gerade sind - im Garten, den drei Gruppenräumen oder der Turnhalle. Das Hilfsmittel ist nötig, weil es ein neues Konzept für die Mittagsbetreuung an der Münsinger Grundschule gibt. Das hat der Wolfratshauser Kinder- und Jugendförderverein zu diesem Schuljahr eingeführt. Statt geschlossener existieren nun offene Gruppen.

Den Unterschied erklärt der Vereinsvorsitzender Fritz Meixner. "Früher hatte jede Klasse ihren eigenen Gruppenraum. Die Kinder blieben im Klassenverband." Die Erstklässler spielten und aßen in Gruppenraum Eins, die Zweitklässler in Raum Nummer Zwei und so weiter. Jetzt sei diese starre Einteilung aufgelöst, berichtet er. Feste Gruppen für nur eine Jahrgangsstufe gebe es nicht mehr. Stattdessen bewegten sich die Grundschüler aller Jahrgangsstufen frei zwischen den nach Funktionen aufgeteilten Räumen, dem Garten oder der Turnhalle. Mit der Magnettafel behalten die sechs Betreuer den Überblick. Der Umbau der Räume hat laut Meixner rund 18 000 Euro gekostet. Die Gemeinde habe die Malerarbeiten und die Küche bezahlt, die neuen Möbel der Kinder- und Jugendförderverein finanziert. "Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde war hervorragend", lobt Meixner. "Ich war erstaunt, wie reibungslos und schnell das alles ging."

In Münsing hat der Kinder- und Jugendförderverein die Mittagsbetreuung zum Schuljahr 2016/2017 als Träger übernommen. Das offene Gruppenkonzept ist in den Wolfratshauser Kinderbetreuungseinrichtungen, für die Meixner und sein Team ebenfalls verantwortlich sind, bewährt. Für die Leiterin der Münsinger Mittagsbetreuung, Carmen Rieth, hat die neue Regelung viele Vorteile. "Über die Jahrgangsstufen hinaus können sich Freundschaften entwickeln", sagt sie. Einige Erstklässler seien froh, wenn sie ältere Geschwister in der Mittagsbetreuung treffen könnten.

Die Kinder haben mehr Entscheidungsspielraum. "Nach Schulende melden sie sich bei uns an", sagt Rieth. Die Erst- bis Viertklässler könnten sich aussuchen, in welchen Raum sie gehen. In einem Raum gibt es einen ruhigeren Bereich mit Sofaecke zum Lesen oder zum Sitzen. Alle Bastelmaterialien seien in einem Bereich konzentriert. In einem anderen Zimmer könnten die Kinder aus Matratzen, Decken und Kissen Höhlen bauen. Es gebe eine Ecke für Puppen, zum Bauen, für den Kaufladen und mehr. "Am Anfang waren die Kinder noch aufgeregt. Doch die Neuerungen kommen sehr gut an", erklärt Rieth.

Derzeit gehen 87 von 162 Schülern nach Unterrichtsende in die Mittagsbetreuung. Die Zahl der betreuten Kinder hat sich im Vergleich nicht verändert. Allerdings besuchen jetzt sechs Kinder mehr die Münsinger Grundschule. Ein warmes Essen gibt es wegen des großen Andrangs gleich zweimal - um 12.15 Uhr und um 13 Uhr. "80 Prozent der Kinder essen etwas, die anderen haben ihre Brotzeit dabei", berichtet Rieth. Seit 2015 liefere der örtliche Caterer Kaiserapfel aus dem Münsinger Gewerbegebiet die Gerichte. Nach Beschwerden hatte der frühere Träger, das Bayerische Rote Kreuz (BRK), die Essenslieferung damals abgegeben. Kurz darauf zog sich das BRK ganz von der Mittagsbetreuung zurück.

Im Schnitt sind täglich etwa 70 Kinder in der Mittagsbetreuung. Die Eltern können die Betreuungszeiten individuell buchen, auch tageweise. Von Montag bis Donnerstag jeweils bis 14 Uhr oder 15.30 Uhr, freitags nur bis 14 Uhr. Für die weitestgehende Betreuung an fünf Tagen zahlen die Eltern pro Kind 107 Euro. Fünf Mal Essen pro Woche kostet 66 Euro (zum Vergleich 24,50 Euro für einen Tag bis 15.30 Uhr; ein Tag Essen in der Woche: 13,50 Euro). Platz, um noch mehr Kinder über Mittag zu betreuen, gibt es noch. "Aber nicht viel mehr", sagt Rieth.