Interkommunales Hallenbad Notfalls ohne Wolfratshausen

Geretsried will die "Large"-Version des Hallenbads für elf Millionen Euro bauen - auch dann, wenn sich nicht alle Nachbarkommunen finanziell beteiligen. Eine Bedingung gibt es dennoch.

Von Wolfgang Schäl

Die Diskussion um das Geretsrieder Hallenbad schwenkt allmählich auf die Zielgerade ein. Der Geretsrieder Stadtrat hat sich am Mittwoch unter Vorbehalten dafür ausgesprochen, die elf Millionen Euro teure Einrichtung in der etwas großzügigeren Variante "L" - stellvertretend für "Large" - auch dann zu bauen, wenn sich nicht alle Gemeinden im Nordlandkreis daran beteiligen.

Als eine mögliche Richtschnur hatte der Landkreis ein Kostenverteilungsmodell vorgelegt, demzufolge auf die Stadt Geretsried ein Netto-Investitionsbetrag von rund sechs Millionen Euro entfällt. Die Kommunen im Nordlandkreis würden mit vergleichsweise niedrigen Beträgen zur Kasse gebeten, sie schwanken zwischen 40 000 Euro (Icking) und 277 000 Euro (Wolfratshausen).

Der Anteil des Landkreises mit seinen acht Sportklassen hängt von der Kooperationsbereitschaft von Icking und Wolfratshausen ab. Falls beide mitmachen, müsste der Kreis 911 000 Euro beitragen, ansonsten würde sich der Zuschuss des Landkreises auf 1,147 Millionen Euro erhöhen. Der Geretsrieder Stadtrat hält diesen Modus für akzeptabel, endgültig ist sein Beschluss indessen noch nicht. Er steht unter zwei Vorbehalten: Dass der Landkreis im Verhältnis seiner Schulsportklassen auch tatsächlich mitbezahlt, und dass sich keine erheblichen Kostensteigerungen gegenüber den aktuellen Schätzungen mehr ergeben. Die Deckelung bedeutet, dass die Kosten in der Detailplanung maximal 15 Prozent höher ausfallen dürfen.

Ein Beteiligungsmodell gibt es auch mit Blick auf die Betriebskosten: 1,262 Millionen Euro im Jahr wird der Unterhalt des Bades voraussichtlich verschlingen, die sich durch die zu erwartenden Einnahmen aus Eintrittsgeldern um 337 000 Euro auf 925 000 Euro reduzieren. Davon soll dem Kostenmodell zufolge die Stadt Geretsried 64,53 Prozent tragen, der Landkreis und die Gemeinden 35,47 Prozent. Wie Stadtbaumeister Christian Müller erläuterte, sind in der Vorentwurfsplanung für die "L"-Version vier Becken vorgesehen: ein großes Wettkampfbecken mit fünf Bahnen, ein Lehrschwimmbecken, ein Sprungbecken mit einem Ein- und einem Drei-Meter-Brett und ein Kinderbecken.

Geplant sind in dem Gebäude auf dem Gelände an der Adalbert-Stifter-Straße darüber hinaus ein Foyer mit Tresen, Sanitär- und Betriebsräume und eine großzügige Sauna im Obergeschoss - womit man die Attraktivität und damit die Wirtschaftlichkeit der Einrichtung verbessern will.

Dass man mit dem großzügigen Hallenbad "der Sportstadt Geretsried das i-Tüpfelchen verleihen" würde, wie es Lorenz Weidinger (FW) formulierte, und obendrein "ein Zeichen interkommunaler Zusammenarbeit", darüber herrschte im Ratsgremium Einigkeit. Schließlich hätten die Gemeinden im Nordlandkreis zusammen nur 13 Prozent der Investitionskosten aufzubringen, und dies sei "äußerst fair". Jetzt könne es eigentlich nur noch ein Ja und kein Wenn und Aber von den anderen Gemeinden mehr geben. Ein "klares Signal, dass wir mit den anderen Gemeinden zusammenarbeiten wollen", sah auch Bürgermeisterin Cornelia Irmer.

Beim Landkreis scheint allerdings noch gewaltiger Informationsbedarf zu bestehen. Martin Bachhuber, der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Kreistag, der am Mittwoch tagte, wandte sich mit einem langen, 13 Punkte umfassenden Fragenkatalog an Landrat Josef Niedermaier. Unter anderem wollte Bachhuber wissen, ob der Landkreis denn jetzt eine Sauna mitfinanziere, eine Beteiligung an der Erwachsenenbildung, etwa des Kreisbildungswerks und der VHS, aber ablehne. Bachhuber war nicht der einzige, der sich über die späte Information beklagte. Grundsätzlich in Frage gestellt wurde das Finanzierungskonzept allerdings nicht. Der allgemeine Tenor: pro Bad.