Ickinger Reitschule Heilwasser aus dem Isartal

Die Ickinger Reitschule ist längst Geschichte, heute sind in einem Teil Sozialhilfeempfänger untergebracht.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Johann Abfalter stellt seine Ideen für die Umnutzung der Ickinger Reitschule vor. Statt des abgewrackten Gebäudekomplexes sollen vielfältige Nutzungsräume entstehen - und ein besonderes Wasser gewonnen werden.

Von Claudia Koestler

Wohnungen, Büros, Tiefgaragen, ein Kindergarten, ein Hörsaal und später ein Abfüllbetrieb für Wasser, das heilende Kräfte bei kognitiven Beschwerden haben soll: So sieht der Unternehmer Johann Abfalter die Zukunft des Ickinger Grundstücks am Isarweg, auf dem derzeit noch die aufgelassene Reitschule steht. In der Gemeinderatssitzung am Montag stellte Abfalter, der mit der "Leonhardsquelle" als Marktführer für Bio-Mineralwasser bekannt ist, seine Pläne vor.

Das Areal in der Isartalgemeinde hatte Abfalter vor etwa zwölf Jahren erworben, damals noch mit der Absicht, dort Jungpferde abzurichten. "Aber wir haben festgestellt, dass die Pferde dort alt werden. Sie werden so alt, weil die Energie dort positiv ist. Und wo positive Energie ist, ist auch gutes Wasser", schlussfolgerte Abfalter.

Das Ickinger Wasser sei gut gegen Parkinson und Alzheimer, sagt Abfalter

In einem zweiten Schritt will er deshalb nun die Angebotspalette der "Leonhardsquelle" erweitern - um das Ickinger Wasser. Und soll es nicht alleine gegen Durst helfen: "Wir suchen immer neue Wässer, um unsere Wasserapotheke zu erweitern", sagte der Unternehmer am Montag. Den Begriff "Wasserapotheke" erklärte er so: "Wir haben für die meisten Krankheiten bereits Wässer, und das kann man alles noch ausbauen." In der Tat sprach Abfalter beim Ickinger Wasser von medizinischer Wirkung, auch wenn er am Montag dafür keine Nachweise vorlegte. Aus Sicht des Unternehmers ist es "ein Wasser für den Kopfbereich, gut gegen Parkinson und Alzheimer." Als solches gehöre es erschlossen, "das ist ganz klar", war Abfalter überzeugt. Doch die Abfüllung und Vermarktung des Ickinger Quellwassers ist der zweite Schritt in der Vorstellung, die der Unternehmer von der Nutzungsänderung seiner Immobilie hat. Im ersten Schritt gehe es um die Umgestaltung der vorhandenen Gebäude und die Umwidmung des Areals, entweder in ein Mischgebiet oder ein Gewerbegebiet. "Im oberen Bau sind Ställe, eine Longierhalle und ein relativ großer Hof. Das wollen wir zusammenlegen mit einem Baukörper in der Mitte, einer Tiefgarage, Büros, Wohnungen, möglicherweise einem Kindergarten und einem Raum für Konzerte oder unsere Wasserakademie", beschrieb Abfalter. Die Reithalle selbst sei laut Christoph Preuss (CSU) jedoch mit Eternitplatten bedeckt: "Das ist Asbest und gesundheitsschädlich", warnte der Mediziner. Abfalter will das Dach sanieren, versprach er. Der hintere Trakt, in dem derzeit "Pensionsgäste" einquartiert seien, müsse indes abgerissen werden - für den Neubau mit einer Etage mehr. Mit dem Begriff von "Pensionsgästen" meinte Abfalter rund zehn Sozialhilfeempfänger, die derzeit dort untergebracht sind. Was mit ihnen passiere, fragte Claudia Roederstein (UBI) nach. "Das ist die große Frage", gab Abfalter zu. Er hoffe, dass sich "vielleicht eine alte Wirtschaft findet, in die man sie umsiedeln kann." Er gab allerdings auch zu bedenken: "Das ist letztlich nicht unsere Sache, sondern die der Gemeinde." Abfalter fügte aber auch an: "Klar, die gehören aufgeräumt, und da unten war ein guter Platz. Aber unterm Strich ist der Platz vielleicht auch schade, wenn man ganz was anderes draus machen kann."

Johann Abfalter im Ickinger Gemeinderat Johann Abfalter stellt im Ickinger Gemeinderat seine Pläne für die Umnutzung des Reitstalls vor.

(Foto: Claudia Koestler)

Die noch etwas vage Vorstellung von "ganz was anderem" stieß allerdings im Gemeinderat auf geteiltes Echo. Weil aus einem bisherigen "Sondergebiet Reitschule" am Rande eines Naturschutzgebietes eine Gewerbefläche entstehen könnte, hegte Christian Mielich (SPD/Grüne) "größte Bedenken". Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) hingegen fand "nicht, dass der jetzige Zustand ein schöner ist. Deshalb wäre es keine Verschandelung, wenn man es verändert." Und Mathias Ertl (PWG) brachte es folgendermaßen auf den Punkt: "Ich bin froh, wenn der Saustall da unten weg ist."

Zu einem Beschluss kam es am Ende nicht. Denn noch sind viele Fragen offen. So erschloss sich für Otto Güllich (Ickinger Initiative) nicht, wie denn die Zufahrten geregelt werden sollen, etwa wenn später einmal die bis zu fünf Lastzüge das Wasser abtransportieren. Denn auf dem Grundstück selbst könne die Straße nicht aufgeweitet werden. Dazu komme die extreme Hanglage. Ähnlich sah es sein Fraktionskollege Alfred Vogel: "Die Einmündung zur B 11 ist eine Katastrophe. Bevor wir an eine Entwicklung des Areals denken, braucht es ein Verkehrskonzept." Zu einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan gehöre ja ein Erschließungskonzept, warf Menrad ein. Sowohl Vogel als auch Lisa Häberlein (SPD/Grüne) betonten aber abschließend, dass ein nicht zufriedenstellendes Verkehrskonzept auch ein Abbruchkriterium für das Projekt sein müsse.