Herbert W. Franke Wie der "Großmeister der Science Fiction" die Zukunft sieht

Der bald 90-jährige Herbert W. Franke gilt als einer der bedeutendsten Autoren des Genres. Doch seine wahre Leidenschaft ist die Computer-Kunst.

Von Ingrid Hügenell

Reisen auf fremde Planeten - mit Nanotechnologie und in virtuellen Welten könnte das möglich werden, glaubt Herbert W. Franke. "Jemand könnte auf den Mars reisen und alle anderen könnten das nachempfinden", stellt er sich vor. Der vor allem als Science-Fiction-Autor bekannt gewordene promovierte Physiker, der in Egling lebt, wird im Mai 90 Jahre alt. Der gebürtige Österreicher hat außer Physik auch Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie studiert. In den 1950er Jahren nutzte er als einer der Ersten Computer, um Kunst zu machen.

Das Unbekannte fasziniert ihn, das Unerforschte - immer war und ist er auf der Suche nach dem "Sense of Wonder". Nur folgerichtig, dass eine virtuelle Reise auf den Mars oder einen anderen Himmelskörper eine große Faszination auf ihn ausübt. Weil er das Unbekannte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nur in Österreich finden konnte, stieg er hinab in die Höhlen, dorthin, wo nie ein Mensch zuvor gewesen war. So wurde er auch zum weithin anerkannten Höhlenforscher - und sagte schon früh die Existenz von Höhlen auf dem Mars voraus.

In unbekannte Welten stieß Franke auch in seinen Science-Fiction-Romanen und Geschichten vor, die ihn zum bekanntesten deutschsprachigen Science-Fiction-Autor machten. An diesem Samstag wird der in Egling lebende Autor und Künstler als "Europäischer Großmeister der Science Fiction" ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet im Tölzer Marionettentheater statt. Dabei wird auch das multimediale Stück "Der Kristallplanet" erneut aufgeführt, das Franke vor zehn Jahren für die Tölzer Bühne verfasst hat.

Wenn Frankes Vision von der Nutzung der Nanotechnologie eintrifft, werden Bücher und Theaterstücke aber womöglich irgendwann nicht mehr gebraucht. "Anstatt einen Roman zu schreiben, kann man Erlebnisse anbieten. Es wird Künstler geben, die sich darauf spezialisiert haben", sagt er. Ein Prophet will er aber nicht sein. "Die Zukunft ist nicht vorhersehbar", betont er. Deshalb gibt es in seinen Romanen und Geschichten unterschiedliche Szenarien - mal hat die Menschheit beispielsweise die Raumfahrt gemeistert, mal nicht. Dass die Menschen in Zukunft weit mehr als heute virtuelle Welten nutzen werden, davon ist Franke überzeugt. Eine davon hat er selbst entworfen, die Z-Galaxy, die bei ActiveWorlds.com zu finden ist. Die nach dem Computer-Pionier Konrad Zuse benannte Welt ist eine virtuelle Kunstausstellung, die man betreten, durch die man spazieren kann. Über Tore gelangt man in andere Welten, die befreundeter Künstler beispielsweise. Man kann selbst aktiv werden, etwa mit Architektur experimentieren. Auch einen lebendigeren Schulunterricht könne man so gestalten. Die Frage nach der Nützlichkeit stellt Franke immer: "Was kann ich damit tun?". So diente das Schreiben dem Lebensunterhalt, denn Frankes Leidenschaft gehört eher der Kunst, die aber nicht Kunst um der Kunst willen ist. Heute ist es selbstverständlich geworden, dass Computergrafiken vieles anschaulich machen.

Werke

20 Romane, fünf Anthologien und zwölf Hörspiele hat Herbert W. Franke verfasst. "Der grüne Komet", erschienen 1960, ist eine Sammlung von teils extrem kurzen Geschichten. Es folgten Roman wie "Das Gedankennetz" (1961), "Zone Null" (1972) oder "Schule für Übermenschen" (1980). Zuletzt erschien 2007 "Flucht zum Mars". Frankes Fachbücher befassen sich beispielsweise mit den kybernetischen Grundlagen der Ästhetik. In Sachbüchern hat er sich mit Höhlenkunde ebenso befasst wie mit der Abstammung des Menschen vom Affen. Seine erste Ausstellung konkreter Kunst fand 1959 in Wien statt. 1979 begründete er die Ars Electronica in Linz mit. Er lehrte an Universitäten Wahrnehmungspsychologie sowie Computergrafik und Computerkunst. Momentan arbeitet er an einem Roman über Nanotechnologie. ihr

Franke war einer der ersten, der die frühen Computer so nutzte, als Grenzgänger und Vermittler zwischen Kunst und Wissenschaft. 1954 konzipierte er einen Analogcomputer für die Grundrechenarten, den er für Kunstexperimente einsetzte. Ein Oszillograf diente als Drucker. In den 1960er Jahren konnte er einen Großrechner für seine Werke nutzen, in den 1980er Jahren arbeitete er mit der Deutschen Luft- und Raumfahrtbehörde zusammen, um an starke Computer zu kommen. So gelang ihm die Visualisierung von Fraktalen wie auch von algebraischen Formeln. Er gehörte zu den ersten, der Bilder digitalisierte, veränderte und so verfremdete. Der Nutzen? Die Wahrnehmung zu schulen, einen anderen Blickwinkel aufzuzeigen.

Wie die reale Zukunft der Menschheit aussehen wird? "Ob die Umweltkrise die Menschheit in eine böse Situation bringt oder ob friedlicher Fortschritt erreicht werden wird, das kann niemand voraussehen", sagt Franke. "Aber wir haben die Möglichkeit, das in eine Richtung zu lenken, die wünschenswert ist."

Tölzer Marionettentheater, "Der Kristallplanet", Samstag, 18.März, 19.30 Uhr, mit Auszeichnung "Europäischer Großmeister der Science Fiction"