Geretsrieder Ratsstuben als schauriger Keller Bis(s) zum Schlussapplaus

Komödie mit Biss: Im Keller des Landguts Zwicklbach will der schüchterne Martl, alias Felix Unterberger, seiner Geliebten imponieren.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Loisachtaler Bauernbühne inszeniert den "Vampir von Zwicklbach" als amüsanten und mitunter derben, aber auch hintersinnigen Klamauk

Von Wolfgang Schäl

Vampire sind nicht zu beneiden, im fernen, nebelverhangenen Transsilvanien ebenso wenig wie im freundlicheren Oberbayern. Diese ewige Schlaflosigkeit um Mitternacht, der unstillbare Blutdurst, der ständige Beißzwang und dann noch die irdische Unsterblichkeit, das alles macht keinen Spaß. Umso weniger, wenn einer wie der Vampir Vladi, der einzige seiner Art in Bayern, tief unten in seinem Kellergewölbe nach 150 Jahren unerwartet auf Menschen trifft. Schnell geht da die Übersicht verloren, wer im folgenden Getümmel nun wen gebissen und damit neu vampirisiert hat. So kommt es denn zu allerlei Verwicklungen in Ralph Wallners Dreiakter "Der Vampir von Zwicklbach", mit dem die Loisachtaler Bauernbühne am Freitag Premiere gefeiert hat.

Unter der Regie von Monika Schwenger ist in nur sechs Monaten Probearbeit ein höchst amüsanter, derber, auch hintersinniger Schwank entstanden, der mit Situationskomik nicht geizt, in seiner verflochtenen Handlung kein Missverständnis und keine denkbare Komplikation auslässt und beim bemerkenswert jungen Publikum im Geretsrieder Ratsstubensaal entsprechend begeisterte Aufnahme fand. Abgerundet wurde das Bühnengeschehen mit kleinen versteckten Frivolitäten, Anspielungen (Vladi: "I bin der Dragomir, und do bin i dahoam") und sogar einer Prise Erotik - das Stück beginnt mit einem nicht enden wollenden, wilden Bussl, das Betty (Melissa Demmel) ihrem Geliebten Martl (Felix Unterberger) liegenderweise verabreicht.

Vladi (Franz Foitzik) treibt sein Unwesen auf dem Landgut Zwicklbach, viel Ansprache hat er bei seiner Arbeit leider nicht, denn das Gebäude, das der Baronin Theres von Zwicklbach (Melanie Tobian) gehört, steht seit mehr als einem Jahrhundert leer und soll an den halbseidenen Hannes Petrus (Andi Wastian) und dessen Gattin Kreszentiana von der Mühl (Christine Brauner) verkauft werden, eine aufgetakelte, neureiche Schnepfe, die dem Spuk mit Hilfe zweier Vampirjäger (Lisa Richter und Wiggerl Gollwitzer) schnell ein Ende bereiten will. Da treten die beiden jungen Leute auf den Plan - der schüchterne Martl will seiner Betty beweisen, was für ein Kerl er ist, und überredet sie, mit ihm in den Weinkeller des verwunschenen Landgutes einzusteigen. So nimmt das Durcheinander denn seinen Lauf, der übermütige Martl mimt im Keller den Vampir, um seine Angebetete zu erschrecken, und wird prompt vom "Vamperl" gebissen; ein Geschehen mit Folgen, denn die Besonderheit dieses einzigen bayerischen Vampirs ist es, dass er in die Person seines Opfers schlüpfen kann. Das macht die Aufgabe der beiden Vampirjäger natürlich nicht einfacher, aber schließlich löst sich alles in Wohlgefallen auf, so wie es in einem Volksstück eben sein muss. Am Ende entdeckt die Gräfin Theresia obendrein noch ihren Hang zum Vladi, der für seine neu entdeckte Liebe sogar sterblich werden darf.

Es ist ein amüsanter Klamauk, hinter dem sich allerdings eine literarische Kunstgestalt verbirgt: der Vampir, der Untote, der nicht lieben und nicht sterben, aber auch nicht richtig leben darf und darüber zum Monster wird. Schwenger sagt es so: "Man sieht daran, was aus Menschen wird, denen die Liebe fehlt." Die Freude am Slapstick steht in dem Stück, das der 37-jährige Münchner Autor und Regisseur Ralph Wallner im Jahr 2009 geschrieben hat, freilich ganz deutlich im Vordergrund. Da sind die Regisseurin und ihre achtköpfige Truppe von der Bauernbühne mit viel Liebe zum Detail zu Werke gegangen, ebenso wie die Bühnenbildner Max Prestel, Jakob Huber und Thomas Schmidt, denen es gelang, eine herrlich verstaubte Kelleratmosphäre auf die Bühne im Ratsstubensaal zu zaubern. Stolz sind die Loisachtaler auf ihre Nachwuchsdarsteller Melissa Demmel und Felix Unterberger. Die wird man gewiss nicht das letzte Mal gesehen haben.

Weitere Aufführungen sind am 23., 24., 30. und 31. Oktober, am 1., 13., 14. und 15. November in den Ratsstuben Geretsried, zudem am 21. Oktober in der Wolfratshauser Loisachhalle. Beginn ist freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Kartenvorverkauf: Telefon 08171/92 60 31, E-Mail: info@loisachtaler-bb.de