Geretsried Namen statt Nummern

Die Ausstellung im Foyer des Geretsrieder Stadtmuseums zeigt 22 Biografien ehemaliger KZ-Häftlinge.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

"Das Dachauer Gedächtnisbuch" im Geretsrieder Stadtmuseum

Von Felicitas Amler, Geretsried

Ein junges Mädchen erfährt erst 13 Jahre nach dem Tod ihres Urgroßvaters, dass er Häftling im Konzentrationslager Dachau gewesen war. Sie macht sich auf Spurensuche. Die ist langwierig, aber erfolgreich. Am Ende steht ein eigener Abschnitt im "Dachauer Gedächtnisbuch" - einer der ersten in jenem Projekt, das vor 18 Jahren unter dem programmatischen Titel "Namen statt Nummern" begonnen wurde. Projektleiterin Sabine Gerhardus sagte seinerzeit: "Das Gedächtnisbuch soll uns helfen, die Menschen hinter den Zahlen nicht zu vergessen." Ein kleiner Ausschnitt dessen, was über die Jahre an Erinnerungen zusammengetragen wurde, ist jetzt im Foyer des Geretsrieder Stadtmuseums zu sehen.

Die internationale Wanderausstellung zeigt eine Auswahl von 22 Biografien. Die Banner beschreiben die Schicksale einzelner Häftlinge und vermitteln Hintergrundinformationen über das Projekt Gedächtnisbuch und die Geschichte des KZ Dachau. Museumsleiterin Anita Zwicknagl ist vor sieben Jahren auf das Projekt aufmerksam geworden: Damals erhielt der Förderverein Geretsrieder Heimatmuseum - also jene Menschen, deren Arbeit das heutige Museum mit zu verdanken ist - im bayerischen Landtag den dritten Preis des Bürgerkulturpreises; den ersten Preis bekam das Dachauer Gedächtnisbuch.

Schüler, Studenten, Erwachsene und Verwandte der ehemaligen KZ-Häftlinge tragen das Material für die stetig wachsende Sammlung von Biografien zusammen. Eine von ihnen sagte dazu: "Die Geschichte der Welt ist die Geschichte einzelner Menschen. Lasst sie uns einsammeln."

Caroline - so hieß das junge Mädchen, das vor 18 Jahren nach ihrem Urgroßvater forschte - hatte in einem alten Rucksack im Keller neben Briefen, Musiknoten, Tauf- und Heiratsurkunden "ziemlich weit unten" auch "ein paar Briefe aus dem KZ Dachau" gefunden. Aber niemand aus der nahen Verwandtschaft konnte ihr erklären, warum der Urgroßvater im KZ gewesen war. Er hatte, wie so viele ehemalige Häftlinge, nie darüber gesprochen. Sie fand heraus, dass er als Sozialdemokrat inhaftiert worden war, ermittelte durch Kontakt zu entfernteren Verwandten Details. Und am Ende kannte sie ihren Urgroßvater wirklich.

Sonderausstellung bis 28. Mai zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums; Führung am Donnerstag, 16. März, 18 Uhr. www.geretsried.de/781/