Geretsried Geothermie-Unternehmen will 2012 bohren

Enex-Geschäftsführer Gudmundsson stellt neuen Zeitplan für 60 Millionen Euro teures Kraftwerksprojekt vor.

Von Bernhard Lohr

Die letzten Hürden vor einem Bau des Geothermie-Kraftwerks in Gelting sind nach wie vor nicht genommen. Die Enex Power Germany GmbH versucht gerade, die Finanzierung des auf eine Investitionssumme von 60 Millionen Euro geschätzten Vorhabens unter Dach und Fach zu bekommen.

Der Abschluss einer sogenannten Fündigkeitsversicherung steht weiterhin aus. Diese soll das Risiko abdecken, dass zu wenig oder gar kein Thermalwasser gefunden wird. Trotzdem gibt sich Enex zuversichtlich. Geschäftsführer Gunnar Gudmundsson: Das Kraftwerk kommt.

Gudmundsson stellte am Dienstagabend auf Einladung der Europa-Union im Wolfratshauser Landhaus-Hotel das ehrgeizige Kraftwerksprojekt vor, das seit 2007 die Phantasie vieler Menschen in Geretsried und Wolfratshausen beschäftigt. Das Interesse an einer sicheren, praktisch unerschöpflichen und nahezu CO2-freien Energieversorgung aus der Region, wie sie die Tiefengeothermie verspricht, ist seit dem Unglück im japanischen Atomkraftwerk Fukushima noch einmal gestiegen.

Das Enex-Projekt könnte da für Geretsried und Wolfratshausen der große Wurf werden. Es soll eine elektrische Leistung von 5,3 Megawatt erreichen, wobei unabhängig vom Wetter und anderen äußeren Einflüssen sogenannter Grundlaststrom produziert werden könnte. Bei einer jährlichen Laufzeit von 8000 Stunden wären so rund 10000 Drei-Personen-Haushalte zu versorgen.

Dazu käme eine thermische Leistung von 40 Megawatt, was laut Gudmundsson für ebenso viele Menschen eine warme Stube bedeuten würde. Gudmundsson sagte, Geretsried habe Interesse daran, 30 Megawatt thermische Energie abzunehmen und selbst als Energieversorger aufzutreten. Bis zu 70 Kilometer Leitungen könnten dafür in den nächsten zehn Jahren verlegt werden.

Die letzte Gewissheit, ob dieses Potential ausgeschöpft werden kann, fehlt freilich. "Typisch für ein Geothermie-Kraftwerk ist: Man weiß nicht, was man am Ende bekommt", sagte Gudmundsson. Enex rechnet damit, dass aus 4000 bis 5000 Metern Tiefe dereinst pro Sekunde 100 Liter Wasser mit einer Temperatur von 145 Grad gefördert werden. Aber erst die Bohrung selbst wird erweisen, ob es auch so kommt.

Dennoch versuchte der Enex-Geschäftsführer, keine Zweifel aufkommen zu lassen. Jüngste geologische Untersuchungen hätten sehr gute Ergebnisse gebracht, sagte er. Ihm sei nur ein Tiefengeothermieprojekt bekannt, bei dem eine Bohrung trocken geblieben sei. Dennoch sagte Gudmundsson, es würden höchstwahrscheinlich weitere Untersuchungen der wasserführenden Schicht in Auftrag gegeben.

Für 15 bis 20 Prozent der Finanzierung steht der Enex-Hauptanteilseigner, die Hörmann Energie und Umwelt GmbH, gerade. Mit weiteren Investoren würden Gespräche geführt, was ein ganz üblicher Vorgang bei solchen Vorhaben sei, sagte Gudmundsson. Beim Abschluss der Fündigkeitsversicherung sei die Frage "nicht ob, sondern wann".

Nach dem aktuellen Zeitplan soll im November 2011 der Bohrplatz eingerichtet und bis April 2012 das erste Bohrloch am Gut Breitenbach in die Tiefe gebracht werden. Die zweite, ebenfalls notwendige Bohrung am Tierheim folgt bis September. Fernwärme stünde dann Ende 2012 zur Verfügung, 2014 flösse dann Strom zum Umspannwerk Waldram.