Gemeinsamer Plan Die Bürgermeister wollen das große Hallenbad in Geretsried bauen

Die Bürgermeister sagen Ja, jetzt fehlen das Bekenntnis der Ratsmitglieder und die konkreten Kosten.

(Foto: dpa)

Jetzt müssen die Räte der acht beteiligten Kommunen entscheiden. Alles kommt auf Wolfratshausen an.

Von Claudia Koestler und Konstantin Kaip, Geretsried

Ein neues, großes Hallenbad in Geretsried, getragen von acht Städten und Gemeinden: Seit Jahren diskutiert der Landkreis über einen Ersatz für die marode Schwimmhalle, zuletzt schien das Projekt baden zu gehen, jetzt hat es wieder Oberwasser. Denn unter den Bürgermeistern der acht Kommunen herrscht Konsens. Sie sprechen sich gemeinsam für den Bau mit dem Namen "Interkommunales Hallenbad" aus. Das erklärten Landrat Josef Niedermaier (FW) und Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) am Freitag, nachdem sie am Abend zuvor ein Gespräch mit Bürgermeistern und Gemeindevertretern des Nordlandkreises hatten.

Jetzt entscheiden die Stadträte

Entscheidend wird jedoch nicht nur der Wille der Bürgermeister sein, sondern auch die Frage, ob und in welcher Höhe die Kommunen die Betriebskosten und das zu erwartende Defizit tragen. Niedermaier und Müller wollen deshalb noch einmal ganz grundsätzlich in allen Ratsgremien der Kommunen geklärt wissen: Ist ein gemeinsames, verlustbringendes Schwimmbad gewollt oder nicht. Auch wenn die Bürgermeister "überzeugt sind, dass es in der Gesamtheit am billigsten wird", wie Niedermaier bestätigte: Es brauche eben auch das klare Bekenntnis der Räte.

Der Plan für die Schwimmhalle

Der Neubau soll die Bedürfnisse von Vereinen und Schulen im ganzen Nordlandkreis abdecken. mehr ...

Insbesondere Wolfratshausen wird dabei eine Schlüsselrolle zukommen, denn die Loisachstadt muss in den kommenden Jahren einen harten Sparkurs fahren bei gleichzeitig steigenden Aufgaben und Ausgaben. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) ist sich der Rolle seiner Stadt als Zünglein an der Waage bewusst. Deshalb will er möglichst bald noch einmal intensive Kooperationsgespräche mit der Nachbarstadt führen, um mit seinem Bürgermeisterkollegen Müller und Vertretern der jeweiligen Fraktionen mögliche Finanzierungsszenarien auszuloten.

Konkrete Zahlen, was auf die Kommunen zukommen würde, wollten Müller und Niedermaier am Freitag noch nicht vorlegen. Alles sei derzeit noch "im Diskussionsfluss". Fest steht aber: Mit dem derzeitigen Hallenbad erwirtschafte die Stadt Geretsried jährlich ein Defizit zwischen 480 000 und 520 000 Euro. Die letzte verfügbare Kostenschätzung für ein interkommunales Schwimmbad bezifferte die jährlichen Betriebskosten hingegen mit mehr als einer Million Euro. Nachdem Geretsried eine Wirtschaftlichkeitsanalyse in Auftrag gegeben hatte, kam Müller zu dem Ergebnis, "dass wir das Defizit eines interkommunalen Hallenbads nicht alleine stemmen können." Zwar sei die Bereitschaft da, eine Unterdeckung zu tragen, "aber eben nicht alles", betonte Müller.

Jedes zweite Bad muss saniert werden

Sechs Schwimmhallen gibt es im Landkreis: Neben Geretsried bangen die Sportler auch in Ascholding und Weidach um den Betrieb. mehr ...

Wolfratshausen müsste bis zu 270 000 Euro zuschießen

Heilinglechner wiederum erklärt, dass es für ein gemeinsames Bad grundsätzlich zwei Lösungen mit deutlichen Unterschieden gäbe, was die finanziellen Auswirkungen auf Wolfratshausen betreffe: Im bislang zugrunde gelegten Szenario übernähme Geretsried 500 000 Euro des jährlichen Unterhalts, bliebe also bei seinen derzeitigen Kosten. In diesem Fall entfielen auf Wolfratshausen zwischen 105 000 Euro und 210 000 Euro - je nach Höhe des künftigen Defizits.

Oder aber alle Kommunen würden nach dem Königsteiner Schlüssel an den jährlichen Betriebskosten beteiligt. Dann müsste Wolfratshausen zwischen 208 000 Euro und 270 000 Euro im Jahr zuschießen. Heilinglechner will die Kosten für alle Varianten genau ermitteln lassen - inklusive einer Lösung mit kleinen Bädern in Weidach, Geretsried und Ascholding. Nach einer gemeinsamen Sitzung mit Geretsried werde der Wolfratshauser Stadtrat eine Entscheidung fällen, erklärte der Bürgermeister - aber "frühestens im April".

Der Eintritt soll bei 4,50 Euro liegen

Ein kommunales Hallenbad ist praktisch immer ein Zuschussbetrieb. Um kostendeckend arbeiten zu können, müsste der Eintrittspreis zwischen 12 und 18 Euro betragen, erklärt Niedermaier. Das aber sei nicht zumutbar: "Der Durchschnittspreis ist 3,58 Euro in Deutschland, in Geretsried wird mit 4,50 Euro kalkuliert."

Für die Diskussionen in allen Ratsgremien erarbeitet die Stadt Geretsried gerade eine "Argumentationskette", wie es Niedermaier nannte. Mit der sollen die Bürgermeister in die jeweiligen Sitzungen gehen und darlegen können, warum das gemeinschaftliche Projekt trotz der Kosten "wirtschaftlich die sinnvollste Lösung für alle ist", wie Niedermaier sagte. Noch im zweiten Quartal 2016 soll dann die Entscheidung für oder gegen ein gemeinsames Bad endgültig fallen.

Tiefe Wasser

Das Geretsrieder Hallenbad und muss dringend ersetzt werden. Doch die geplante Schwimmarena für den ganzen Nordlandkreis wird immer teurer. Von Felicitas Amler mehr ...