Geretsried Breites Bündnis gegen AfD-Demo

Von Freien Wählern bis zur Grünen Jugend: Viele Gruppierungen wollen gegen die Partei auf die Straße gehen - nur die CSU tut sich schwer.

Von Felicitas Amler, Geretsried

Es ist die erste Demonstration, die Robert Lug organisiert. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler (FW) im Geretsrieder Stadtrat sagt, "der Formalkram" sei ihm noch neu. Aber inhaltlich ist er fest entschlossen: Gegen die für Samstag, 12. März, 14 bis 16 Uhr am Neuen Platz angekündigte Kundgebung der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) müsse man seine Stimme erheben.

Lug sammelt Verbündete - und das tun auch andere wie der Geretsrieder Sprecher der Linken, Andreas Wagner, die evangelische Jugend in Geretsried, der SPD-Ortssprecher Martin Bruckner und die Grüne Jugend im Landkreis. Sie hat, ausgelöst durch den bevorstehenden AfD-Auftritt, sogar einen Flyer erstellt: "Rechtspopulismus stoppen - Fluchtursachen bekämpfen". Welche Form der Demonstration die AfD-Gegner wählen, ist noch nicht entschieden. Edith Peter, SPD-Stadträtin und Mitarbeiterin der evangelischen Kirche, sagt: "Man sollte was Originelles machen."

Momentan schwirrten die verschiedensten Ideen herum, sagt Lug. Er warnt aber vor vordergründig witzigen Aktionen. So habe jemand vorgeschlagen, lauter braune Mülltonnen aufzustellen und mit den Deckeln Rabatz zu machen, so dass man die AfD nicht verstehen könnte. Lug lehnt das ab: "Ich will nicht, das wir uns selbst ins Unrecht setzen."

Was er an der AfD auszusetzen hat, macht der FW-Sprecher am Satz des stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der die Grenzen vor den Flüchtlingen dichtmachen möchte und sagte, man könne sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen. "Das müssen die sich schon gefallen lassen, dass dessen Aussagen als weitgehend verbindlich angesehen werden", meint Lug. Edith Peter macht ihre Kritik ebenfalls an der Haltung zu Flüchtlingen fest. Sie sagt, in Geretsried habe das Zusammenleben verschiedener Menschen schon immer funktioniert - "und so soll's auch bleiben".

Signal für liberale Asylpolitik

Man muss ja nicht gleich Torten werfen - aber artikulieren sollte sich die Ablehnung der Geretsrieder gegen die AfD schon Von Felicitas Amler mehr ...

Die Grüne Jugend kritisiert in ihrem Flugblatt nicht nur AfD-Positionen. Ein Absatz trägt die Überschrift "Geistige Brandstiftung beenden!" und erwähnt "Konservative und Rechtspopulisten mit menschenfeindlichen Aussagen zur Asylpolitik". Sprecher Simon Walter erklärt, die 25 organisierten jungen Grünen wollten grundsätzlich Widerstand zeigen gegen einfache Lösungen, dazu zählten Obergrenzen ebenso wie die Aussetzung des Familiennachzugs. Die Grüne Jugend werde auf jeden Fall bei der AfD-Kundgebung an Ort und Stelle Präsenz zeigen und dort auch Musik machen.

Auch Bürgermeister Michael Müller (CSU) hat eine klare Haltung - gegen die AfD. Er respektiert ihr Demonstrationsrecht, lehnt aber die Inhalte ab, die eine Bandbreite bis zum Schießen hätten. Müller sagt: "Ich möchte Geretsried auch weiterhin als weltoffene Stadt haben." Wer hier als Schutzsuchender komme, werde aufgenommen. Als Amtsträger könne er nicht zu einer Gegendemonstration aufrufen, aber Lugs Bestrebungen könne er voll unterstützen.

Die Geretsrieder CSU ist weniger entschlossen. Ihr Vorsitzender Ewald Kailberth sagt, er wolle vermeiden, dass die AfD "aufgewertet" werde. Einen "Hype" wie um den Auftritt der AfD-Chefin Frauke Petry in Augsburg müsse man verhindern. Die Freien Wähler lehnen genau diese Haltung ab. Mit einem Vergleich zum Erstarken der Nazis sagt FW-Stadtrat Lorenz Weidinger, das Ignorieren sei vor achtzig Jahren "schon mal schiefgegangen". Und Lug findet: "Entweder mache ich Politik oder nicht."