Einsatz für biologische Vielfalt Anwälte der Umwelt

Der erste Gebietsbetreuer Bayerns hat 1997seine Arbeit aufgenommen. Heute gibt es in Bayern 42. Sie wurden von den Vereinten Nationen ausgezeichnet

Von Melanie Kraus und Armin Greune, Bad Tölz-Wolfratshausen

Ein Zertifikat und eine Trophäe - damit wurde die bayerische Gebietsbetreuung als Dekade-Projekt zur biologischen Vielfalt von den Vereinten Nationen (UN) ausgezeichnet. Die Idee entstand im Fünfseenland, dort wurde sie auch erstmals umgesetzt. Christian Niederbichler, der sich von Stegen aus für Ammersee und Ampermoos einsetzt, ist heute mit 20 Jahren dienstältester Gebietsbetreuer im Freistaat.

Das Konzept, die Stellen aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds zu fördern, hat sich als erfolgreich erwiesen. Sechs Jahre nach dem Beginn am Ammersee wurde aus dem Pilotprojekt ein Regelfall, inzwischen sind bayernweit 42 Fachleute für 37 Schutzgebiete eingesetzt. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind es Elisabeth Pleyl und Birgit Weis. Die beiden Frauen arbeiten seit 2003, also seit das Projekt bayernweit eingerichtet wurde, als Gebietsbetreuerinnen - jeweils zweieinhalb Tage pro Woche. Pleyl kümmert sich unter der Trägerschaft des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) schwerpunktmäßig um die Isar-Loisach-Moore. Weis vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) um Moore und die Isar im Tölzer Land.

Die Aufgabe der Gebietsbetreuer besteht weniger darin, als "Öko-Sheriffs" empfindliche Biotope vor Störungen zu schützen. Sondern sie sollen vor allem in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Schätze der Natur schaffen. "Als wichtige Ansprechpartner vor Ort erfüllen sie durch ihr Engagement und ihren Sachverstand den Naturschutzgedanken mit Leben", sagte Christian Barth, Amtschef im Landesumweltministerium, bei der UN-Preisverleihung in Kottgeisering - auch das dortige Ampermoos hat seinen Anteil an der Entstehungsgeschichte der Gebietsbetreuung. Los ging es im Jahr 1996, als Bundes- und Staatsregierung ihre Hausaufgaben nicht erledigt hatten. Zwar hatte Deutschland 20 Jahre zuvor die internationale Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten aus dem Jahr 1971 unterzeichnet - "aber passiert war hierzulande nichts. Es lagen keine Zustandsberichte vor und es gab keine Schutzmaßnahmen - nur drei ehrenamtliche Wasservogelzähler für Starnberger, Ammer- und Chiemsee", erinnert sich Horst Guckelsberger.

Ausgezeichnet von den Vereinten Nationen: Darüber freuen sich Elisabeth Pleyl (2.v.r.) und Birgit Weis (5.v.r.). Christian Barth (3.v.l) übergab die Urkunden.

(Foto: oh)

Der heutige Kreisvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) war seinerzeit Schriftführer der Schutzgemeinschaft Ampermoos, die aus Privatleuten, LBV, Bund Naturschutz (BN) und der Schutzgemeinschaft Ammersee-Süd bestand. Der Vorsitzende Robert Volkmann und Guckelsberger reichten am 1. April 1996 einen Antrag ein, für den 70 Quadratkilometer großen Naturraum Ammerseeeinschließlich des Unterlaufs der Ammer und des Oberlaufs der Amper einen hauptamtlichen Ramsar-Gebietsbeauftragten einzustellen - daraus entstand die Gebietsbetreuung.

Heute bieten die Gebietsbetreuer regelmäßig Führungen an und dokumentieren ausgewählte Tier- und Pflanzenarten. Dazu zählt beispielsweise die Deutsche Tamariske, ein vom Aussterben bedrohter Strauch, der an der Isar noch vorkommt, wie Weis erklärt.

Die Finanzierung der Stellen ist schwierig und abhängig von der bayerischen Haushaltsplanung. Die Verträge der Betreuer werden nur für je drei Jahre geschlossen. Deswegen hätten sie im Jahr 2015 fast ihre Förderung verloren, sagt Weis. Damals wurden neue Kriterien für den Bezug der Fördermittel beschlossen. "Da haben die Projekte im Landkreis gar nicht mehr reingepasst", sagt Weis. Die Rettung kam durch den Entschluss des Bayerischen Naturschutzfonds, mit 75 Prozent den größten finanziellen Anteil der Summe zu übernehmen. "Landkreis und Bezirk Oberbayern übernehmen jeweils fünf Prozent, die lokalen Träger haben einen Eigenanteil von 15 Prozent", erklärt sie.

An der Isar ist die Deutsche Tamariske noch zu finden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Doch die finanziellen Angelegenheiten seien nicht die einzigen Hürden, die die Gebietsbetreuer nehmen müssen, denn für ihre Projekte brauchen die Betreuer entsprechende Flächen.

Landkreis und LBV kaufen oder pachten beispielsweise Hochmoorflächen, um sie für den Naturschutz zu sichern. "Aber es wird immer schwieriger an solche Flächen zu kommen", sagt Weis. Denn die Grundbesitzer hofften natürlich darauf, höhere Summen für das Land zu bekommen, als Landkreis und LBV bieten könnten. Gerade die Hochmoorflächen, aus denen die Landwirte kaum Nutzen zögen, seien es, die für die Umwelt großen Nutzen brächten, sagt Weis. "Erhält man die Moore, so ist das eine einfache Weise, um CO2 dauerhaft zu speichern." Wenn man die Trockenlegung entsprechender Gebiete rückgängig mache, könnten 15 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Hektar und Jahr dauerhaft gebunden werden.