Eines der größten Spaßturniere in Deutschland Die Geretsrieder haben den Spin raus

Die Mannschaft trägt den "Isarauencup" im Ultimate Frisbee aus. Organisator Sebastian Dorn sagt, der Traum vieler Spieler sei es, dass ihr Sport olympisch werde

Von Julian Erbersdobler, Geretsried

Ferdinand Kraus bewegt sich, als würde er fechten. Er holt mit seinem Arm dreimal Schwung, bricht ab, macht einen Schritt zur Seite, alles wieder auf Anfang. Er muss seinen Gegenspieler aus der Reserve locken. Als Kraus endlich eine kleine Lücke sieht, jagt er die Scheibe mit ordentlich Spin durch die Halle. Im selben Moment zieht sein Mitspieler von der rechten Außenbahn nach innen, stößt sich vom Boden ab und fängt das Frisbee gerade noch im erlaubten Bereich. Es ist einer von vielen Punkten, den Kraus beim "Isarauencup" in Geretsried vorbereitet. Der 25-Jährige Spielertrainer der Gastgeber "Friss die Frisbee" spielt seit ungefähr acht Jahren Ultimate, das aus den USA stammt.

In der Halle stehen einander jeweils fünf Spieler gegenüber und versuchen, die 175 Gramm leichte Scheibe in der Endzone des Gegners zu fangen. Wer das Spielgerät in der Hand hält, darf sich wie beim Basketball nur im Sternschritt bewegen. "Mir gefällt besonders die Fairness am Sport", sagt Kraus nach einem klaren Sieg seiner Geretsrieder gegen die "Flying Eagles Stuttgart".

Einen Schiedsrichter gibt es beim Ultimate nicht. Wenn es zu einem Foul kommt, regeln das die Spieler untereinander. "Spirit of the Game", nennen sie das. Wenn sich kein Kompromiss findet, wird der Spielzug einfach wiederholt.

Kraus steht kurz nach der Partie Arm in Arm zwischen zwei Stuttgartern in einem Kreis. Auch das sieht man im Sport sonst nicht, ein Feedbackgespräch unter den Teams. Einer der Gegner lobt die Geretsrieder, spricht aber auch die hitzigen Szenen an. Am Ende klatschen sich alle Spieler noch mal ab. Sie werden sich spätestens auf der Party am Samstagabend im Vereinsheim wieder sehen.

Dass an diesem Wochenende gleich 18 Mannschaften mit etwa 200 Spielern nach Geretsried kommen, freut Sebastian Dorn besonders. Er hat das Turnier organisiert. Es hätten sich sogar noch mehr Vereine angemeldet, sagt er. Der "Isarauencup" sei eines der größten Indoor-Spaßturniere Deutschlands. Dorn, Basecap, Brille, Jogginghose, war wie viele andere, die jetzt im Ultimate-Team sind, früher Leichtathlet. Bei einem Trainingslager in Inzell fiel den Sportlern zufällig ein Frisbee in die Hände. "Das hat uns so gut gefallen, dass wir mehr über den Sport erfahren wollten." Zehn Jahre später zählt das Geretsrieder Team ungefähr 40 Spieler zwischen 14 und 35 Jahren. Im vergangenen Jahr wurden hier sogar die Bayerischen Meisterschaften ausgetragen.

Dass Ultimate noch nicht im sportlichen Mainstream angekommen ist, merkt Sebastian Dorn trotzdem immer wieder. "Wir würden auch gerne draußen auf dem Rasen trainieren", sagt er. Die Fußball-Lobby sei aber einfach zu stark. Ändern könnte sich daran vielleicht etwas, wenn der Sport olympisch werden würde. Das sei jedenfalls der Traum vieler Spieler, so Dorn. 2015 hat das Internationale Komitee die Sportart offiziell anerkannt. Ein erster Schritt ist getan.

In den USA wird Ultimate schon seit längerem im Fernsehen übertragen. In Deutschland gibt es etwa 12 000 Spieler, viele Studenten, aber eben auch einige, die davon noch nie etwas gehört haben. Vivian Reck, 27, ist über Facebook auf die Sportart gestoßen. "Ich habe ein Video gesehen, das eine amerikanische Freundin gepostet hat." Er ist mit seinem Team aus Augsburg nach Geretsried angereist. Die Schnelligkeit und Dynamik im Spiel habe ihn sofort fasziniert. Dass seine Mannschaft die ersten beiden Partien des Turniers verloren hat, findet Reck nicht so schlimm. Sein Kollege tröstet sich mit einem Radler und ist in Gedanken schon in der Nachspielzeit: "Die Parties in Geretsried sind immer legendär."

Die Ergebnisse des Isarauencups: die Geretsrieder Mannschaft "Friss die Frisbee" wurde Sechster. Gewonnen hat das Team aus Weßling, "Ultimate am See", im Finale gegen "NextGen" aus Nürnberg. Dritter wurde "Paradisco" Jena.