Ein Start-up startet durch Erfolg, der aus dem Ofen kommt

Mit seinen Pizzen der Marke Gustavo Gusto knackt Christoph Schramm eine Rekordmarke nach der anderen. In seinen zweiten Geretsrieder Standort investiert er mehr als zehn Millionen Euro.

Von Felicitas Amler

Die Lieferengpässe sind noch nicht behoben, da fasst Pizzabäcker Christoph Schramm schon den nächsten Rekord ins Auge: 100 000 Steinofen-Pizzen seiner Marke Gustavo Gusto will der Geschäftsführer des Geretsrieder Unternehmens Franco Fresco künftig pro Tag produzieren. Vor Kurzem verließen nur 15 000 tiefgekühlte Packungen täglich den Betrieb an der Spreestraße, derzeit seien es etwa 20 000, sagt Schramm. Am Ausbau wird gearbeitet: "Auf Hochtouren." Und an zwei Standorten. Betrieb Nummer Zwei wird gerade an der Böhmerwaldstraße eingerichtet, in der früheren Sieber-Fabrik.

Die Pizzen, die das gute Aroma schon im Namen tragen - gusto ist italienisch für Geschmack - kommen bei den Verbrauchern enorm gut an. Seit der Betriebsgründung im Jahr 2014 hat sich der "frische Frank" Franco Fresco vom kleinen Start-up mit fünf Mitarbeiter, die gerade einmal 80 Pizzen in der Stunde backen konnten, zum deutschlandweit gefragten Produzenten mit 70 Beschäftigten entwickelt.

Die Abnehmer im Einzelhandel reichen vom kleinen Geltinger Dorfladen bis zu den großen Lebensmittelfilialisten Rewe und Edeka. Und auch in Österreich hat Schramm schon einen Fuß - beim Rewe-Ableger Merkur. Die Umsatzzahlen sind rasant durch die Decke gegangen: von rund 280 000 Euro im Jahr 2015 auf mehr als sechs Millionen Euro im vergangenen Jahr, so Schramm.

Das neue Reich des Franco-Fresco-Geschäftsführers Christoph Schramm bietet mit 5600 Quadratmeter Fläche Expansionsmöglichkeiten.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Nun sind die Kunden allerdings derartig auf den Gusto gekommen, dass in vielen Supermärkten seit Wochen Schilder an den Tiefkühltruhen hängen, die auf Lieferengpässe der "Gustavo-Pizza" hinweisen. Schramm sagt, er habe bereits die Kapazitäten im Betrieb erhöht, einen größeren Ofen eingebaut und eine neue Verpackungsmaschine angeschafft. Die Stückzahl sei um 30 Prozent gesteigert worden: "In zwei Wochen werden wir 30 000 am Tag produzieren." Die Lieferengpässe hoffe er in vier Wochen beseitigt zu haben.

Wegen des riesigen Erfolgs hat sich Schramm für einen zweiten Standort entschieden - und für eine immense Investition. Mehr als zehn Millionen Euro koste es, den rund 5600 Quadratmeter Fläche umfassenden Betrieb an der Böhmerwaldstraße umzugestalten und neu einzurichten. Franco Fresco bezieht die Produktionsstätte der insolvent gegangenen Großmetzgerei Sieber. Das Gelände ist im Eigentum des Bauunternehmens Krämmel, das nebenan, auf dem "Lorenz-Areal", 600 Wohnungen plant. Der einstige Skandal um Listerien-Funde in Sieber-Produkten beunruhigt Schramm nicht. Bei Proben sei nichts gefunden worden, es bestehe kein Risiko, sagt er.

Die Pizza mit Gusto.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Derzeit wartet er noch auf die endgültige Genehmigung aus dem Landratsamt. Grundsätzlich habe er die Erlaubnis, an der Böhmerwaldstraße Pizzen zu produzieren, sagt Schramm, nur die konkreten Pläne und Maschinenanordnungen lägen noch im Bauamt zur Begutachtung. Am neuen Standort, der mehr als sechsmal so groß ist wie der alte, will er im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten. An der Spreestraße sind seine Beschäftigten in zwei Schichten zwischen 6 und 22 Uhr im Einsatz. Auf eine Rund-um-die-Uhr-Produktion an der Böhmerwaldstraße soll nach und nach umgestellt werden, bis Mitte nächsten Jahres wolle er "die Endstufe" erreichen, sagt der Geschäftsführer. Dafür brauche er 150 neue Mitarbeiter - von Lageristen und Technikern bis zu Führungskräften - und drei Produktionslinien. Jede einzelne Linie reicht vom Herstellen des Teigs bis zur Palettierung. Den alten Standort behalte er noch, sagt Schramm: "Wir brauchen die Mengen." Außerdem könne es sein, dass er einmal Sonderproduktionen schaffen werde. "Eine Bioschiene", überlegt er, sagt aber auf Nachfrage, ob er das tatsächlich vorhabe, nur: "Mal sehen." In sechs bis acht Wochen jedenfalls möchte er an beiden Standorten produzieren.

Eins soll auch bei vervielfachtem Ausstoß aber bleiben: das Ausbreiten des Pizzateigs von Hand. Das sei nötig, um den einzigartigen Charakter zu erhalten. 100 000 Pizzen täglich, alle von Hand in Form gebracht - ist das wirklich vorstellbar? Schramm rechnet schnell nach: Nicht ganz 300 pro Mitarbeiter und Stunde - "das geht schon". Ein guter traditioneller Pizzabäcker, sagt er, könne pro Stunde an die hundert Pizzen herstellen, und das bedeute ja nicht nur ausbreiten, sondern auch belegen. "Unsere müssen nur ausbreiten."

100 000 Pizzen täglich

... will Geschäftsführer Christoph Schramm mit seinem Unternehmen, der Franco Fresco GmbH, bald produzieren. Dazu richtet er an der Böhmerwaldstraße in Geretsried einen zweiten Standort mit drei komplett neuen Produktionslinien ein. Gesucht werden etwa 150 neue Beschäftigte: Techniker, Produktionsmitarbeiter, Bilanzbuchhalter, Einkäufer.

Was einen guten Pizzabäcker auszeichnet, weiß Schramm aus Erfahrung. Er hat in Passau Betriebswirtschaft studiert und an der Uni mit einem Kommilitonen eine Studenten-Pizzeria betrieben. Mit einem Holzofen, in dem sie pro Tag bis zu 250 Pizzen backten, fing alles an. Am Ende hatten sie drei Lokale. Da Schramm aber als Münchner wieder zurück und in die Nähe der Berge wollte, landete er schließlich in Geretsried. Von Anfang an habe er daran geglaubt, dass sein Produkt Anklang findet würde, sagt er. Sein Werbeslogan zeugt von diesem Selbstbewusstsein: "Die erste Tiefkühlpizza, die schmeckt wie frisch beim Italiener!" Aber auf die Frage, ob er mit einem derartig gigantischen Erfolg gerechnet habe, sagt er lakonisch lächelnd: "Ich hatte gar keine Zeit zum Nachdenken."