Egling Wider die Verödung im Dorf

In der Bürgerversammlung empören sich Deininger über ein Großbauprojekt

Von Benjamin Engel, Egling

Im Eglinger Ortsteil Deining herrscht Angst, das Dorf könnte sich zu einer Schlafstadt für vermögende Zuzügler im nahen Umkreis von München entwickeln und damit seinen ländlichen Charakter verlieren. Nicht nur schüren steigende

Grundstücks- und Immobilienpreise diese Sorgen, sondern nun auch ein mögliches Großbauprojekt.

In der Eglinger Bürgerversammlung am Montag entzündete sich die Debatte an dem potenziellen Neubaugebiet an der Hochstraße mit bis zu 25 Häusern. Am südöstlichen Ortsrand hat ein Investor ein rund 25 000 Quadratmeter großes Areal mit Baurecht für wenige Häuser gekauft. Die Kommune überlegt, ihm mehr zu erlauben, um im Gegenzug Flächen im Einheimischenmodell zu bekommen. Die Anwohner fürchten die Zerstörung der Kulturlandschaft und eine größere Verkehrsbelastung.

Mit dem neuen Eigentümer, der Pullacher Firma Bonn, hat die Kommune bereits Gespräche geführt. Wie Bürgermeister Hubert Oberhauser (FW) erklärte, existiere auf dem Areal bereits Baurecht für sechs bis acht Häuser. Die Idee: Die Kommune könnte dem Investor mehr Baurecht einräumen und im Gegenzug Flächen für ein Einheimischenmodell bekommen.

Auf Nachfrage in der Bürgerversammlung bestätigte der Bürgermeister, dass über die Zahl von 20 bis 25 Häusern auf dem Areal gesprochen worden sei. Konkrete Pläne existierten aber noch nicht. Die Erschließung des Grundstücks mit aufgestautem Weiher im Norden und der bisher nur privaten Hochstraße sei schwierig. Die Kommune werde die Bürger im Zuge der Bauleitplanung beteiligen und eine Informationsveranstaltung in Deining organisieren, sobald das Vorhaben konkreter werde. "Das Wachstum soll aber maßvoll sein."

Die Sorgen der Anwohner konnte der Bürgermeister damit kaum zerstreuen: Dass der Weiher zugeschüttet werden könnte, wie Oberhauser ins Spiel gebracht hatte, sorgte für Unmut. "Wo bleibt da das ländliche Bauen", empörte sich Hugo Spitz. "Es ist ein sehr große Idyll da oben", ergänzte ein weiterer Nachbar. Ein Neubaugebiet mit 70 bis 80 Bewohnern würde einen großen Bevölkerungszuwachs im 900 Einwohner zählenden Deining bedeuten.

Mit dem Gebiet, das eine wertvolle Kulturlandschaft sei, müsse die Gemeinde vorsichtig umgehen. Es dürfe nicht so dicht an dicht gebaut werden, dass sich die Nachbarn gegenseitig mit der Kaffeetasse grüßen könnten. Zudem erschließe nur die private Hochstraße - sie war bisher mit Pfosten für den Durchgangsverkehr gesperrt - das Areal. Eine Öffnung bedeute mehr Verkehr durch die Wohngebiete an der Hoch- und Bergstraße.

Auf Nachfrage der SZ stellt Bürgermeister Oberhauser am Dienstag klar, dass bis zu 25 Häuser Platz hätten, die Kommune das Areal aber nicht zupflastern wolle. Doch im Dorf schwingt die Angst vor dem Siedlungsdruck aus dem nahen München mit, die Angst vor dem Verlust dörflicher Strukturen. Die Gastwirtschaft und die örtliche Bankfiliale sind bereits geschlossen - trotz Zuzug. CSU-Gemeinderat Michael Neubauer aus Deining jedenfalls sorgt sich um die Ortsentwicklung. Prinzipiell findet er zwar gut, dass etwas für Einheimische entsteht. "Solche Geschichten können aber ein Beitrag zur weiteren Verödung sein", fürchtet er.