Diskussion in Wolfratshausen Angst um Geburtshilfe

Politiker und Ärzte sehen Kreisklinik unter enormem Druck

Von Claudia Koestler, Wolfratshausen

Es sei "die Angst um den lokalen Standort in einer Region der Überversorgung": Mit diesen Worten fasste Landrat Josef Niedermaier (FW) die derzeitige Situation der Kreisklinik Wolfratshausen am Montag zusammen. Insbesondere seit der Schließung der Geburtsabteilung in der Stadtklinik Bad Tölz ist auch die Zukunft der Kreisklinik Wolfratshausen verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Wie die dortige Geburtsabteilung, aber auch das gesamte kommunale Krankenhaus erhalten werden kann, diskutierten der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (CSU) zusammen mit Niedermaier, dem Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber (CSU), Klinik-Geschäftsführer Hubertus Hollmann, Chefarzt Stefan Schmidbauer, Notarzt Christoph Preuss und Gästen.

Das Thema des Klinik- und Abteilungserhalts sei "nach wie vor hitzig", erklärte Hollmann, denn im Gesundheitswesen jage ein Gesetz das andere. Die relativ kleine Wolfratshauser Klinik mit 165 Betten und rund 350 Mitarbeitern sei "permanent unterfinanziert, was die Betriebskosten betrifft", sagte der Geschäftsführer. Die Qualität der medizinischen Versorgung gehe zwar stetig nach oben, ziehe aber nicht die Erlöse mit, ergänzte Niedermaier: "Dadurch entsteht enormer Druck". Der Spagat zwischen dem Angebot einer Grundversorgung und der Spezialisierung lasse sich immer schwerer schaffen. Das Belegarztsystem hat nach Angaben des Geschäftsführers seine Grenzen bereits erreicht. "Unser größtes Problem ist der Fachkräftemangel", sagte Hollmann. Niedermaier sprach gar von einem Widerspruch in der Gesundheitspolitik, welcher der Problematik zugrunde liege: Einerseits sei zwar eine flächendeckende Versorgung gewollt, andererseits entbrenne aber unter den Kliniken ein Kampf um jeden Fall und jeden Patienten. "Dadurch kommen Kooperationen nur schwer zustande", sagte er. In Wolfratshausen komme bei der Geburtshilfeabteilung noch eine Besonderheit hinzu: "Die meisten nutzen sie nicht", bedauerte der Landrat. Seit der Schließung der Tölzer Abteilung entscheide sich nur ein Teil der Tölzer Mütter für die Kreisklinik, viele wählten stattdessen Starnberg oder Garmisch. Noch liefen die Gespräche über eine Kooperation mit Starnberg, spruchreif sei noch nichts. Aber "es wird wohl darauf hinauslaufen, dass wir eine Außenstelle von Starnberg werden", sagte Niedermaier. In seinen Augen werde es in Zukunft verstärkt landkreisübergreifende, kommunale Kooperationen geben müssen, um die wohnortnahe Versorgung gewährleisten zu können. Die Zusammenarbeit zwischen kommunalen und privaten Häusern sei hingegen "äußerst problematisch", erklärte er Radwan - "denn dafür fehlen klare Vorgaben".

Eine Forderung Niedermaiers an die Bundespolitik war, dass neue Kooperationskonzepte mit Bestandssicherheit belohnt werden sollten. Eine andere Überlegung gab der Bundespolitiker Radwan seinerseits den anwesenden Lokal- und Landespolitikern mit auf den Weg: "Ob es nicht auch eine Möglichkeit wäre, private Klinikhäuser zurückzukaufen und zu rekommunalisieren".