Die Grünen wollen Geld Geburtshaus für den Süden

Die Grünen im Kreistag wollen erreichen, dass in Bad Tölz wieder Kinder geboren werden können.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Grünen fordern eine Anschubfinanzierung durch den Landkreis und eine finanzielle Förderung des Familienhauses.

Von Klaus Schieder

Die Grünen-Kreisrätinnen um Barbara Schwendner lassen nicht locker. Sie haben ihren Antrag zur Geburtshilfe im Landkreis noch einmal überarbeitet und konkreter gefasst. Vor zwei Monaten hatte Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) entschieden, die erste Fassung nicht im Sozialausschuss des Kreistags behandeln zu lassen, weil dies laut Geschäftsordnung nicht möglich sei. In ihrem Papier hatten die Grünen-Politikerinnen seinerzeit diverse Ideen zur Unterstützung schwangerer Frauen im Südlandkreis formuliert. Im neuen Antrag fordern sie nun vor allem den Neuaufbau eines Geburtshauses und die finanzielle Förderung des Familienhauses in Bad Tölz.

Die Geburtshilfe an der Asklepios-Klinik in der Kurstadt ist seit nunmehr acht Monaten endgültig Geschichte. Seither müssen Frauen nach Garmisch, Starnberg oder Wolfratshausen fahren, wenn die Niederkunft bevorsteht - ein arg weiter Weg, wenn sie in Kochel oder in der Jachenau wohnen. Auch das Geburtshaus, das Hebamme Claudia Hindelang mit ihren Kolleginnen in Bad Tölz betreibt, bietet seit November 2015 keine außerklinische Geburtshilfe mehr und besteht seither als Familienhaus fort. Schwendner, Annelies Wiedenbauer-Schmidt, Mechthild Felsch und Beate Paulerberg treten nun für ein neues Geburtshaus ein, das den Süden des Landkreises versorgen soll. An einem Konzept dafür arbeite die Hebamme Kathleen Hodbod aus Lenggries. Sie habe "eine langjährige Erfahrung bei Haus- und Klinikgeburten sowie Geburten im Geburtshaus", heißt es im Antrag der Grünen. Nötig für einen Neuaufbau sei allerdings eine Anschubfinanzierung durch den Landkreis. Auch für das Familienhaus in Bad Tölz fordern die vier Grünen-Politikerinnen mehr Geld. Die Einrichtung sei "eine wichtige Anlaufstelle für Schwangere im Südlandkreis", betonen sie. Dabei verweisen sie nicht bloß auf die Kurse im Familienhaus, sondern vor allem auf die "Schwangeren Ambulanz" mit ihrem Beratungsangebot rund um die Geburt sowie der Organisation von Vor- und Nachsorge.

Die Vorschläge der Kreisrätinnen gehen allerdings noch weiter. Ähnlich wie bei den ambulanten Pflegediensten fordern sie, den Hebammen ein Kilometergeld zu zahlen, also den Schwerpunkt der finanziellen Förderung auf die Entschädigung für die Wegstrecken zu legen. Von Tölz in die Jachenau, von Lenggries bis nach Schlehdorf - vor allem im Süden müssen die Hebammen weite Wege in Kauf nehmen, um Mütter und Neugeborene zu betreuen. Von einem Kilometergeld erhoffen sich die Grünen einen positiven Einfluss auf die flächendeckende Versorgung auch in abgelegenen Orten. Und für Hebammen, die zumindest je drei Vorsorge- und Rückbildungskurse im Jahr anbieten, soll es ebenfalls mehr Geld vom Landkreis geben - "damit ein ausreichendes Angebot in diesem Bereich auf Dauer gewährleitstet wird".

Die Höhe solcher Zuschüsse machen die vier Kreisrätinnen von dem Gesamtbudget abhängig, das Kreisausschuss und Kreistag vom Haushalt 2018 an zur Verfügung stellen sollen. "Der Start ins Leben sollte uns auch auf Kreisebene etwas wert sein", heißt es in ihrem Antrag. Zudem fordern sie eine Petition des Kreistags an den Landtag. Das Ziel: Die Geburtshilfe solle als Grundversorgung in den Krankenhausplan für Krankenhäuser der Versorgungsstufe eins aufgenommen werden.

Ein wichtiger Punkt ist für die Grünen-Politikerinnen auch, dass die Hebammen an der Kreisklinik Wolfratshausen in die Verhandlungen mit dem Klinikum Starnberg über eine Kooperation besser eingebunden werden sollen. In Wolfratshausen soll eine Geburtshilfe-Dependance des Starnberger Krankenhauses entstehen. Die Hebammen müssten regelmäßig über den Sachstand informiert werden, fordern Schwendner und ihre Mitstreiterinnen. Außerdem seien ihre fachlichen Hinweise zu berücksichtigen.

Der konkretisierte Antrag werde "in irgendeiner Form in den Kreisgremien beraten", sagt Wolfgang Krause, Geschäftsführer im Landratsamt, auf Anfrage. Näheres könne er beim besten Willen nicht dazu sagen. "Ich habe ihn ja gerade erst vor zehn Minuten bekommen."