Demonstration von Landwirten Von Lenggries vors Bundeskanzleramt

"Wir haben es satt": Landwirte organisieren zum dritten Mal eine Demonstration in der Hauptstadt. Heiner Schwab setzt auf "Zivilcourage" und hofft auf einen Stopp von Tierfabriken und Antibiotika-Missbrauch.

Von Ingrid Hügenell

Bei der "Wir haben es satt!"-Demonstration 2012 waren unter anderem Konrad Mangold, Bauer aus Bichl (links), und Heiner Schwab aus Lenggries dabei.

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Vor einem Jahr hat Heiner Schwab schon einmal in Berlin demonstriert - zusammen mit 22 000 anderen Menschen, die die bäuerliche Landwirtschaft erhalten wollen. Nun organisiert der frühere Maschinenbauingenieur aus Lenggries, der als Sprecher der Organisation "Zivilcourage" fungiert, erneut die Reise zur nunmehr dritten "Wir haben es satt!"-Demonstration anlässlich der Grünen Woche in der Bundeshauptstadt. Sie soll noch größer werden.

Vor dem Bundeskanzleramt wollen die Teilnehmer am 19. Januar gegen die Agrarindustrie protestieren. Sie fordern unter anderem, dass Tierfabriken und Antibiotika-Missbrauch gestoppt werden, dass mit Lebensmitteln und Land nicht spekuliert werden darf. Subventionen wollen sie an soziale, ökologische und Tierschutz-Kriterien binden, eine bienen- und klimafreundliche Landwirtschaft fördern. Faire Regeln in der Landwirtschaft sollen weltweit gelten.

Die Bäuerin Elisabeth Friesenegger aus Tutzing war bei der ersten derartigen Demonstration 2011 in Berlin dabei, und heuer fährt sie wieder hin. "Gigantisch" seien die Demos, sagt sie. Fast 40 Organisationen rufen zur Teilnahme auf: Die Naturschutz- ebenso wie die Erzeugerverbände der ökologischen Landwirtschaft, die kirchlichen Hilfswerke "Brot für die Welt" und Misereor, alternative Bauernverbände wie die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft AbL. Mit dabei ist auch der Verein Slow Food, der sich für eine genussvolle und bewusste Lebensweise einsetzt.

Nicht unter den Unterstützern ist der Bayerische Bauernverband (BBV). BBV-Kreisobmann Peter Fichtner findet das auch richtig. Zwar ist auch er gegen Agrarindustrie - "das will keiner von uns" - doch mit den Organisatoren der Demonstration hat er nichts am Hut. Denn diese befürworteten das "Greening"-Programm der Europäischen Union, nach dem mindestens sieben Prozent der landwirtschaftlichen Flächen stillgelegt werden sollen. Deshalb könne er die Demo nicht unterstützen, sagt Fichtner: "Da führt kein Weg hin." Denn müsste er so viel Fläche stilllegen, müsste er seinen Nebenerwerbsbetrieb zusperren, sagt er.

Bäuerin Friesenegger, die einen Milchviehbetrieb mit 25 Kühen hat, ärgert die Behauptung, es müssten Flächen stillgelegt werden. Es gehe nur um eine ökologische Bewirtschaftung. Sie ist schon lange aus dem Bauernverband ausgetreten und jetzt Sprecherin der AbL im Oberland. Mit großer Überzeugung fährt sie nach Berlin: "Wir wollen keine Großbetriebe mit 3000 Stück Vieh", sagt sie, "und wir wollen, dass die Bauern in den Schwellen- und Entwicklungsländern auch überleben können." Auch darum geht es bei der Demo.

In einem sind sich Schwab, Fichtner und Friesenegger einig: Dass nämlich der Verbraucher die Macht habe, etwas zu ändern - über sein Kaufverhalten. Friesenegger glaubt, viele Menschen seien nicht mehr so einverstanden mit schlechten Lebensmitteln, und auch der Lenggrieser Zivilcourage-Sprecher hat ein Umdenken bemerkt: "Sie schauen mehr auf Qualität."

Zivilcourage und Bund Naturschutz haben gemeinsam einen Bus organisiert, der am Freitag, 18. Januar, um 22 Uhr von Bad Tölz aus nach Berlin aufbricht. Zusteigen kann man auch in Holzkirchen. Im Preis von 98 Euro ist eine Übernachtung in der Hauptstadt inbegriffen. Zurück geht es am Sonntag, 20. Januar. Bis 10. Januar kann man sich unter Telefon 08042/94 50 oder per E-Mail an Heiner.Schwab@kabelmail.de anmelden.