Demonstration in München Gegen Rotoren vor der Haustür

Hunderte Windkraftgegner demonstrieren vor der Staatskanzlei, darunter die drei Bürgerinitiativen aus dem Landkreis. Matthias Gangkofner überreicht Minister Ludwig Spaenle eine Schatztruhe

Von Isabel Meixner

Mehrere hundert Menschen haben am Samstag in München gegen Windkraft demonstriert, darunter etwa 150 Mitglieder der Bürgerinitiativen in Schäftlarn, Dietramszell und Eurasburg. Mit Plakaten und in Reden forderten sie die Staatsregierung auf, den "Windkraftwahnsinn" zu stoppen, und trugen symbolisch den Landschaftsschutz in einem Sarg zu Grabe.

Nach einer Kundgebung am Sendlinger-Tor-Platz zogen die Demonstranten zur Bayerischen Staatskanzlei, wo Matthias Gangkofner, Sprecher der Bürgerinitiative "Windradfreies Oberland", Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) eine Schatztruhe mit zehn Schätzen des Freistaats überreichte. Darin unter anderem enthalten: eine Feder des vom Aussterben bedrohten Rotmilans, der beispielsweise in den Wadlhauser Gräben lebt. Oder ein Schwamm, der die natürliche Speicherfähigkeit des Waldes symbolisieren sollte, der für Windkraftanlagen abgeholzt werden müsste.

Was er dem CSU-Politiker, der die Demonstranten in Vertretung für den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer vor der Staatskanzlei empfing, bei der Übergabe gesagt hat? "Dass sich die Staatsregierung nicht schuldig machen soll an der Zerstörung unserer Kulturlandschaft. Und dass wir es uns in Bayern leisten könnten, unser gegenreformatorisches Element zu betonen und bei der Energiewende andere Wege zu gehen", berichtet Matthias Gangkofner, der anschließend einen "vorsichtig herumlavierenden" Kultusminister erlebt haben will. Spaenle haben ihm gesagt, dass Windräder nur dort entstehen sollen, wo es sich lohnt, und dass man beim Bau die Sichtachsen zu den Alpen beachten wolle.

Im Landkreis kämpfen drei Bürgerinitiativen gegen Windräder: Bei Schäftlarn will die Gemeinde Berg Anlagen in den Wadlhauser Gräben ermöglichen, in Penzberg sind im Regionalplan zwar keine Flächen für Windräder ausgewiesen, die Stadt möchte das aber geändert haben und zwei Rotoren an der Autobahn ermöglichen. In Dietramszell bildet sich breiter Protest gegen den Regionalplan, der vier Vorranggebiete in der Gemeinde ausweist.

Die Demonstranten forderten auf verteilten Aufklebern, die von Ministerpräsident Seehofer ins Gespräch gebrachte Zehn-H-Regel zu verwirklichen und nicht als "billiges Wahlkampf-Versprechen" dahinzusagen. Sie besagt, dass der Abstand eines Windrads zu den Häusern zehn Mal die Höhe des Windrads betragen muss.

Mit der Demonstration zeigte sich Gangkofner zufrieden: "Ich war mir nicht sicher, ob bei dem Wetter jemand kommt." Wie viele Menschen an dem Zug genau teilnahmen, darüber gehen die Zahlen auseinander. Matthias Gangkofner schätzt 500 Personen im Ganzen ("Man konnte vom Anfang des Zuges das Ende nicht mehr sehen."), Markus Pflitsch, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Windradfreies Dietramszell" sogar 800. So oder so - "wir haben ein sichtbares Zeichen gesetzt", ist Pflitsch überzeugt. Die Demonstranten seien aus ganz Bayern gekommen, aus Ober- und Unterfranken, aus dem Allgäu, aus Oberbayern und der Pfalz. "Das war eine sehr bunte Truppe", berichtet Pflitsch, "viele waren zum ersten Mal auf einer Demonstration."

Ihm habe gefallen, dass sich die Bürgerinitiativen - 70 nahmen Pflitsch zufolge an der Demonstration teil - sich gegenseitig solidarisch zeigten: Für bereits geplante Windparks in Nordbayern forderten die Teilnehmer ein Moratorium, um vor der Wahl im September keine Fakten mehr zu schaffen, und für Landkreise, die wie der hiesige am Anfang der Planungen stehen, die Natur nicht noch weiter zu verschandeln.

Mit der Demonstration in München wollen sich die Windrad-Gegner aber nicht zufrieden geben. Wie Matthias Gangkofner sagt, ist schon die nächste Kundgebung geplant: diesmal in Berlin.