Debatte über das Stadtarchiv Keiner der beiden Entwürfe überzeugt

Der Wolfratshauser Stadtrat lehnt alle Varianten für das neue Archiv am Loisachufer ab. Dennoch muss er sich im Februar wieder mit dem Thema beschäftigen: Die Stadt hat sich verpflichtet, eines der Modelle zu bauen.

Von Matthias Köpf

Die Wolfratshauser Stadträte haben sich auch in ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr nicht auf einen Entwurf für das neuen Stadtarchiv am Loisachufer einigen können. Nach wiederholten Beratungen im Bauausschuss stellte Bürgermeister Helmut Forster (BVW) dem Stadtrat am Dienstagabend noch zwei der vier Siegerentwürfe aus dem Architektenwettbewerb zur Diskussion und dann einzeln zur Abstimmung - mit dem Ergebnis, dass sich für keinen eine Mehrheit fand.

Mit ihrem Entwurf hatten Martin Hirner und Martin Riehl die Jury beim Wettbewerb noch überzeugt.

In der Debatte stellten einzelne Räte den Sinn des Wettbewerbs, den gemeinsam beschlossenen Standort an der Loisach oder überhaupt die Notwendigkeit eines Neubaus in Frage. Der Stadtrat muss sich im Februar wieder mit dem Thema befassen, denn die Stadt hat sich mit dem Wettbewerb verpflichtet, einen Entwurf zu bauen.

Zu Beginn der Beratungen herrschte noch große Einigkeit, als Forster "wegen des großen öffentlichen Interesses" - und unausgesprochen wegen eindeutiger Vorgaben in der Bayerischen Gemeindeordnung - um den Beschluss bat, das Thema in der öffentlichen Sitzung zu behandeln statt hinter verschlossen Türen wie bisher geplant und praktiziert.

Doch schon in Forsters Einleitung offenbarten sich die Differenzen: Der Bauausschuss hatte in der Vorwoche den Siegerentwurf des Wettbewerbs mit drei zu sechs Stimmen abgelehnt und dem Ratsplenum mit sieben zu zwei Stimmen den dritten Preisträger empfohlen. Diesen Entwurf des Münchner Architekten Martin Schmöller hatte bisher auch der Bürgermeister bevorzugt, der sich nun aber vehement für den Siegerentwurf des Büros Hirner und Riehl ins Zeug legte. Dieser erfordere nur eine einfache Befreiung vom städtischen Bebauungsplan statt dessen langwierige und risikoreiche Änderung. Zudem habe der Regierungsvertreter, der auch beratendes Mitglied der Wettbewerbs-Jury war, nur für diesen Entwurf Zuschüsse bis zu 250 000 Euro in Aussicht gestellt, während mit dem Schmöller-Entwurf sogar eine städtebauliche Fehlentwicklung drohe.

Forsters vorsorglicher Dank "für ihre Bereitschaft, gemäß ihrem Amtseid Schaden vorn der Stadt abzuwenden", verfing bei vielen Räten jedoch ebenso wenig wie der Vortrag des Jury-Vorsitzenden Bernhard Landbrecht. Der warb beharrlich für den Siegerentwurf, der die Aufgabe an diesem speziellen Ort viel ruhiger und besser löse und durch die Ausstellungsfläche im Erdgeschoss Menschen anziehe, während der Schmöller-Entwurf zwar alle Räume exzellent auf einer Ebene organisiere, dies jedoch im ersten Stock und in einem viel zu ausladenden und massiven Gebäude.

Jury-Mitglied Fritz Schnaller (SPD) betonte dagegen die Qualitäten des Entwurfs und die Möglichkeit, die offene Fläche unter der aufgeständerten ersten Etage für Veranstaltungen zu nutzen. Während CSU-Juror Richard Kugler das ganze Vorhaben als teuer, unnötig und wegen des Parkplatzverlusts als schädlich für den Einzelhandel verwarf, warnten seine Parteifreunde Günther Eibl und Manfred Fleischer davor, die Entscheidung von einmaligen Zuschüssen abhängig zu machen, statt ein praktikables und auf lange Sicht günstigeres Archiv zu bauen.

Dem Jury-Vorsitzenden warf Fleischer einen "oberlehrerhaften Auftritt" vor und betonte die Entscheidungshoheit der Stadträte. Renato Wittstadt (SPD) fragte, wie es um diese und den ganzen Wettbewerb bestellt sei, wenn von vier Modellen zwei vorher ausgesondert und eines als Fehlentwicklung dargestellt würden.

Im Gegensatz zu den Rednern aus der CSU sprachen sich Christine Noisser, Roswitha Beyer (SPD), Anette Heinloth (Grüne) und Veronika Daffner (BVW) für den Siegerentwurf aus. Am Ende scheiterte der Schmöller-Entwurf mit zehn zu 13 Stimmen, wobei sich drei CSU-Räte offenkundig von der Abstimmungsreihenfolge verwirren ließen, die auf Fleischers Betreiben geändert wurde. So ließen sie zu dessen Ärger Fleischers Favoriten durchfallen. Der Hirner-Riehl-Entwurf fand mit neun zu 14 noch weniger Befürworter, wobei manche Räte für keine Version votierten. "Damit ist das Archiv gestorben, danke schön", bilanzierte der Bürgermeister ebenso bitter wie voreilig. Als Basis für die weitere Gestaltung des Loisachufers nahmen die konsternierten Räte einstimmig und ohne jede Diskussion den Siegerentwurf aus diesem Wettbewerbsteil an.