Bürgerversammlung in Geretsried Kulturmeile im Stadtzentrum

Bürgermeister Michael Müller will Archiv, Volkshochschule, Museum und Bücherei in der Innenstadt bündeln. Ansonsten geht es in der eher spärlich besuchten Schulaula um Themen wie Hallenbad, Wohnraum und Bodenversiegelung.

Von Felicitas Amler

Die Stadt hat diesmal alles anders gemacht - und dennoch sind die Geretsrieder zu Hause geblieben: Nicht einmal zwei Dutzend nahmen an der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Saal der Karl-Lederer-Grundschule teil. Zu den Themen, die abgefragt wurden, zählten Wohnraumverdichtung, Bodenversiegelung, das Stadtarchiv, das Hallenbad und kulturelle Infrastruktur.

Im vergangenen Jahr hatte es in der Bürgerversammlung nach eindreiviertel Stunden einleitender Ansprachen von Bürgermeister und Landrat nur noch eine einzige Wortmeldung gegeben. Aus dem Vorwurf, die Bürger seien zugequatscht worden, habe die Stadt gelernt, sagte Bürgermeister Michael Müller (CSU), am Donnerstag. Daher war die Atmosphäre bewusst aufgelockert und rund um den Saal Bistrotische aufgestellt zu den einzelnen Aufgaben der Stadt, ihrer Beschäftigten und Repräsentanten: vom Bauen über die Stadtentwicklung bis zum Stadtrat. Bürger waren eingeladen, mit den zuständigen Leuten an den Tischen zu sprechen. "Wir wollen den direkten Dialog suchen", sagte Müller. Das wurde allerdings nur sehr sporadisch genutzt.

Vom Sprecher des Arbeitskreises Historisches Geretsried, Wolfgang Pintgen, wurde der Bürgermeister in der großen Runde auf das Stadtarchiv angesprochen, mit dem es "nicht zum Besten" stehe. Das Archiv ist im Rathaus notdürftig untergebracht und bisher nur mit einer Halbtagsstelle ausgestattet. Starnberg habe dagegen zwei Vollzeitstellen für sein Archiv, sagte Pintgen, und Wolfratshausen habe gerade 1,4 Millionen Euro in ein neues Archiv investiert: "Und wir liegen mit unseren wertvollen Sachen im Keller." Der Bürgermeister stimmte ihm zu und versprach: "Wir werden es verbessern." Er könne allerdings dem Stadtrat nicht vorgreifen, der darüber zu entscheiden habe. Es sei an eine Vollzeitstelle für die fachliche Besetzung gedacht und daran, das Stadtarchiv baulich in die geplante "Kulturmeile" rund um Rathaus und Stadtmuseum zu integrieren. Dort sollen, so Müller, auch andere Kulturadressen wie die Volkshochschule und die Stadtbücherei angesiedelt werden. Da es bis dahin aber noch dauern könne, erwäge die Stadt eine Zwischenlösung: "Wir sind in Verhandlungen wegen verschiedener Objekte." Das Thema werde in der nächsten Kulturausschuss-Sitzung des Stadtrats behandelt. Der AK Historisches Geretsried, dessen Leistungen Müller nachdrücklich lobte, werde dort auch das Wort erhalten.

Rathaus-Sprecher Thomas Loibl erklärt Aspekte der Zentrumsentwicklung, die (im Hintergrund) Architekt Klaus Kehrbaum einem Kritiker verdeutlicht.

(Foto: OH)

Das interkommunale Hallenbad, das in Geretsried an der Adalbert-Stifter-Straße entsteht, werde am 23. Oktober wieder Thema im Stadtrat sein, sagte Müller. Die Kosten, deren Berechnung mit 13 Millionen Euro schon mehrere Jahre alt ist, würden neu dargestellt. Außerdem werde an der Vereinbarung mit den anderen Gemeinden gearbeitet. Der Zeitplan sei unverändert: Baubeginn Mitte 2018, Fertigstellung nach etwa eineinhalb Jahren. Der Bürgermeister sagte, das Hallenbad sei eines der größten Investitionsprojekte in der Geschichte der Stadt. Für das Eisstadion, das überdacht werden muss, werde im Dezember der Entwurf mit Kostenberechnung vorgestellt: "Das Dach soll zur Saison 2019/20 fertig sein."

Das mit rund 600 Wohnungen außergewöhnlich große Bauvorhaben, das die Stadt, die Geretsrieder Baugenossenschaft und das Wolfratshauser Bauunternehmen Krämmel auf dem früheren Lorenz-Areal zwischen Elbe- und Banater Straße planen, soll als "Geretsrieder Modell" konzipiert werden, sagte Müller. Es sollen bevorzugt Geretsrieder dort zum Zug kommen. "Das ist EU-rechtlich nicht so ganz einfach", die Stadt sei gerade damit beschäftigt, das Antragsverfahren zu gestalten. Das Vorhaben ist dreigeteilt: Je 30 Prozent geförderte und frei finanzierte, aber vergünstigte Mietwohnungen, 40 Prozent Eigentumswohnungen.

Respekt vor Geretsried: Landrat Josef Niedermaier

(Foto: oh)

Die Frage von Sara Mutter, ob durch die geplanten Neubaugebiete der Boden nicht zu stark versiegelt werde, verneinte Müller. Die Stadt habe "eine bodenschonende Entwicklung" im Blick. Auch Grundwasserprobleme am Karl-Lederer-Platz schloss er aus. Auf die Anfrage, warum man auf dem Lorenz-Areal nicht lieber Kino, Theater und Bowlingbahn statt Wohnungen schaffe, erwiderte der Bürgermeister, derartige Einrichtungen gehörten ins Zentrum. Dort wünsche er sich eine kulturelle Belebung - und ein Kino würde seiner Ansicht nach dazugehören.