Blick nach vorne Erlebnispfad und Burgschenke

Über zwei neue Holzbrücken und an einem Palisadenwall vorbei soll der geplante Burgerlebnispfad des Burgvereins führen.

(Foto: Burgverein Wolfratshausen / oh)

Der Burgverein Wolfratshausen hat große Pläne - auch für ein historisches Gewölbe.

Von Leonard Scharfenberg

Der Ziegelstein, den Torsten Sjöberg in den Händen hält, ist ein besonderes Fundstück. Man sieht darauf nicht nur die Fingerabdrücke des mittelalterlichen Maurers: Es prangt auch ein in den noch weichen Lehm gezeichnetes Herz darauf. "Da war wohl jemand verliebt", vermutet der erste Vorsitzende des Wolfratshauser Burgvereins. Immer wieder finden Mitglieder des Vereins historische Überbleibsel der ehemaligen Burg oder ihrer Bewohner. Bei der Mitgliederversammlung, die kürzlich in der Gaststätte Flößerei stattfand, ging es den Anwesenden aber vorrangig darum, den Burghügel auch für Nicht-Mitglieder interessanter zu gestalten.

Dazu plant der Verein schon seit einiger Zeit die Errichtung eines Burg-Erlebnispfades. Dieser würde an den nördlichen Teil des Walderlebnispfades anschließen und über zwei kleine Brücken den Burghügel umrunden, bis er wieder in den Eichheimweg mündet. Auch ein Palisadenbauwerk soll errichtet werden, um an die ehemalige Burgmauer zu erinnern.

Zur Finanzierung werde eine Unterstützung des europäischen Leader-Programms beantragt, berichtete Ernst Gröbmair, der zweite Vorsitzende des Vereins. Doch vor der Bewerbung müsse noch einiges passieren, erzählte er. Momentan rede man mit den betroffenen Grundstücksbesitzern, unter anderem der Stadt. Gröbmair ist jedoch optimistisch: "Es geht voran", berichtete er. Die Verhandlungen mit den Behörden und Grundstückseignern seien allerdings "nicht so ganz einfach".

Der Erlebnispfad wäre ein großer Erfolg für den Verein, der sich bisher fast ausschließlich auf Themenvorträge und Begehungen konzentriert hat. Allein 16 Themenhefte sind seit der Gründung des Burgvereins 2012 herausgegeben worden. Auf der Versammlung wurde darüber nachgedacht, sie als Buch herauszugeben. Auch der Mitgliederzuwachs ist beachtlich: Von sieben Gründungsmitgliedern ist der Wolfratshauser Burgverein mittlerweile auf mehr als 60 Mitglieder angewachsen.

Die 18 anwesenden Mitglieder haben am vergangenen Dienstag ihren Vorstand im Amt bestätigt: Sjöberg und Gröbmair werden an der Spitze des Vereins bleiben. Sie blicken auf ein ereignisreiches Jahr: Nicht nur will der Burgverein mehrere Vorträge organisieren, auch die Ferienpassaktion, die 2017 das erste Mal in Kooperation mit der Wolfratshauser Klecksschule stattfand, soll wiederholt werden.

Zudem könnte im kommenden Jahr noch ein anderer Traum des Vereins wahr werden: das eigene Vereinslokal. Eine geeignete Räumlichkeit gebe es schon, heißt es aus der zuständigen Arbeitsgruppe. Ein Caterer solle die "Burgschenke" an festgelegten Tagen beliefern. Der Raum biete Platz für ungefähr 80 Gäste und befinde sich in einem historischen Gewölbe. Vor Abschluss des Mietvertrags will sich der Verein zum genauen Standort der Lokalität aber bedeckt halten. Auch über eine Vermietung des Lokals an andere Vereine denke die Arbeitsgruppe nach. Es gebe in Wolfratshausen schließlich kaum Räume für die Feierlichkeiten kleinerer Vereine.

Außerdem hätte man in einem Vereinslokal Platz für das historische Burgmodell des Vereins, gibt Sjöberg zu bedenken. Und nicht nur das: Selbst die vielen Ziegel- und Mauersteine, die Mitglieder immer wieder sammelten, könnten dort einen Platz finden.