Familie Bierbichler verkauft Münsing kauft Degerndorfer Weiher

Zuletzt gehörte der 25 000 Quadratmeter große Degerndorfer Weiher der Familie des Schauspielers Sepp Bierbichler.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Gemeinde will das stark verschlammte Gewässer reinigen und wieder bewirtschaften.

Von Benjamin Engel, Münsing

Jahrhundertelang haben die Besitzer den Degerndorfer Weiher zur Fischzucht genutzt. Erst besserten die Augustiner-Chorherren aus dem nahen Kloster Beuerberg bis zur Säkularisation ihren Speiseplan damit auf. 1803 übernahm das Königreich Bayern den Dorfweiher. Später fiel er in Privatbesitz, bis zuletzt gehörte das Gewässer der Familie des bekannten Schauspieler Sepp Bierbichler aus Ambach am Starnberger See. Jetzt hat die Gemeinde ihr den 25 000 Quadratmeter großen Weiher abgekauft - zu einem "symbolischen und äußerst fairen Preis", wie Münsings Bürgermeister Michael Grasl (FW) in einer Pressemitteilung schreibt.

Für die Degerndorfer Bevölkerung war und ist der Weiher mitten im Ort beliebter und idyllischer Anziehungspunkt für Feste und Freizeitaktivitäten, wie etwa Schlittschuhlaufen im Winter. Die Gemeinde hat sich um den Kauf schon jahrelang bemüht.

Grasl schreibt, dass die Familie Bierbichler der Gemeinde ermögliche, die Bewirtschaftung wieder aufzunehmen. Dafür wolle die Verwaltung mit interessierten Bürgern zusammenarbeiten. Die Gemeinde wolle ebenso Fachleute konsultieren. Der Weiher sei stark verschlammt und bewachsen. So lade das Gewässer kaum mehr zum Baden und Schwimmen ein.

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Vor Jahren hatten Gemeinde und Degerndorfer Anwohner mit einem Mähboot Teile des Bewuchses entfernt. Der Weiher war eine Weile ohne Wasser. Laut Grasl hat die Gemeinde damals vergeblich versucht, den meterhohen Schlamm mit schwerem Gerät vom Grund des Weihers zu entfernen.

Zudem verweist Grasl auf den besseren Schutz vor Hochwasser durch den Kauf. Die Gemeinde könne nun den Pegel des Weihers in Verbindung mit dem Damm am nördlichen Ende sinnvoller steuern. Degerndorf ist derzeit nicht vor einem Jahrhunderthochwasser geschützt, was das Wasserwirtschaftsamt Weilheim aber fordert. Ein entsprechendes Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept hat die Behörde bereits erstellt.

Susanne Öttl vom Münsinger Bauamt sagt, dass die Pläne, den Weiher zu bewirtschaften, bisher noch wenig konkret seien. Eine Überlegung sei, den Weiher mit Karpfen zu besetzen. Diese Fischart wühle den Schlamm am Weihergrund auf und verhindere so womöglich intensiven Bewuchs.

Früher existierten mit dem Sonderhamer, dem Degerndorfer Dorfweiher und dem Puechweiher (heute verschwunden) drei stehende Gewässer auf Degerndorfer Flur. Alle waren künstlich aufgestaut und dienten der Fischzucht. Aufzeichnungen belegen schon 1503, dass der damalige Probst von Kloster Beuerberg, Johannes II. Taferner, den Weiher in Degerndorf reinigen und erweitern ließ. 1529 veranlasste der Probst, zwei Weiher in Degerndorf neu einzudämmen.

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Probst Martin Kurz führte 1581 ein sogenanntes Weiherbuch ein. Darin standen detaillierte Anweisungen für die Fischzucht, zum Beispiel zur Vorgehensweise beim Abfischen der jeweiligen Weiher. Das Kloster führte das Buch rund 200 Jahre lang fort. Es enthält auch Lohnlisten für das Ausputzen und die Reparaturen am Weiher. Unter anderem wurden Karpfen eingesetzt.

Der Degerndorfer Weiher ist über den Lüßbach an ein umfangreiches Gewässersystem angebunden. Der Bach entspringt in Haidach südöstlich von Degerndorf, fließt durch den Sonderhamer und Degerndorfer Weiher, Münsing und am östlichen Hochufer des Starnberger Sees bis Percha (Stadt Starnberg). Dort mündet der Lüßbach in den See. Grasl hat vor allem Bedenken wegen des Plastikmülls im Lüßbach bei den Münsinger Ortsteilen Weipertshausen und Schwabbruck. Der werde dort durch den Hochwasserschutzdamm der nördlichen Nachbargemeinde Berg angestaut. Das mache der Gemeinde Münsing Sorgen, sagt Grasl.