Bei Gelting Geothermie-Bohrung soll beginnen

Die Firma Enex Power Germany kündigt den Start auf Gut Breitenbach für Januar nächsten Jahres an. Die Energie Geretsried GmbH will dann auch ein Preismodell für Privatanschlüsse vorstellen.

Von Matthias Köpf

Direkt nach den Weihnachtsferien soll sich bei Gut Breitenbach die lange erwartete Geothermie-Bohrung beginnen. Dies hat der Geschäftsführer der Enex Power Germany, Robert Straubinger, bei einer Informationsveranstaltung der Stadt Geretsried am Donnerstag im Geltinger Kindergartensaal angekündigt. Zugleich erläuterte Stadtwerke-Vorstand Jan Dühring, wie die neue gegründete Energie Geretsried GmbH in den kommenden zehn Jahren ein Fernwärme-Netz durch die Stadt legen will. Fredy Brunner, der im schweizerischen St. Gallen für die Technischen Betriebe der Stadtverwaltung verantwortlich ist und dort ein ähnliches Geothermie-Projekt vorantreibt, sprach über Chancen und Risiken der Technologie und über deren Akzeptanz bei den Bürgern.

Diese Bürger haben sich in der Kantonshauptstadt St. Gallen mit ihren rund 75 000 Einwohnern bei einer Volksabstimmung mit 82 Prozent der Stimmen dafür ausgesprochen, umgerechnet 130 Millionen Euro in ein städtisches Geothermieprojekt nebst Fernwärmenetz zu investieren. Die Bohrungen dafür sollen im kommenden Februar beginnen mit 4500 Metern in einer ähnliche Tiefe führen wie in Geretsried.

Ob sie tatsächlich das erhoffte heiße Wasser zu Tage fördern, ist ungewiss und das Risiko einer gewaltigen Fehlinvestition wird nur zur Hälfte von der Schweizer Bundesregierung übernommen. Dass sich die St. Galler Bürger trotzdem mit Mut, Begeisterung und einem gewissen Stolz an das Vorhaben gemacht haben, führt Brunner auf eine absolut offene und ehrliche Kommunikation der Stadt zurück, die die Chance auf Autarkie betont, aber zugleich die Gefahren für die Umwelt und den Stadtsäckel nicht verschwiegen habe.

Während die Umweltgefahren aus seiner Sicht eher aus technischen Pannen mit Hydrauliköl und dergleichen erwachsen, hätten sich einige Bürger eher gesorgt, dass die Rütteltests die Igel zu früh aus dem Winterschlaf wecken oder gar Elfen vertreiben. Doch auch solche Sorgen müsse man absolut ernst nehmen und außerdem am besten alle Juristen in die Ferien schicken, riet Brunner, der nach eigenen Worten in Geretsried einen ähnlichen Geist des selbständigen Anpackens wie in seiner Heimat erkennt.

In Geretsried liegen zumindest die finanziellen Risiken nicht bei der Stadt und den Bürgern, sondern bei der Firma Enex sowie bei der Hörmann-Gruppe und bei Daniel Hopp als deren Geldgebern. Denn allein 25 der kalkulierten 60 Millionen Euro an Investitionskosten entfielen auf die beiden rund 5,5 Kilometer langen Bohrungen, die in viereinhalb Kilometer Tiefe vordringen und dort möglichst quer durch die wasserführende Kalkschicht führen sollen. Erbringen sie nicht die erhofften 100 Liter pro Sekunde mit einer Temperatur von mindestens 145 Grad, so verschiebt sich die Kalkulation schnell ins Negative, sagte Enex-Geschäftsführer Straubinger, der an dem Abend seinen in Geretsried bereits mehrere Male bewährten Vortrag über das Vorhaben hielt. Die Strom-Erzeugung lohne sich ohnehin nur durch staatliche Einspeise-Subventionen für erneuerbare Energien, so dass seiner Firma die Fernwärme-Pläne der Stadt sehr willkommen seien, obwohl sie die Stromproduktion je nach Jahreszeit weniger effizient machen.

Wenn die Enex-Bohrung erfolgreich ist, will die Energie Geretsried GmbH als Gemeinschaftsunternehmen der Geretsrieder und der Tölzer Stadtwerke von 2013 an innerhalb von zehn Jahren für 36 Millionen Euro mehr als 42 Kilometer Fernwärme-Leitungen verlegen und daran 1500 Kunden anschließen. Die Trasse soll sich im Laufe der Jahre vom Gewerbegebiet Gelting, über das Gewerbegebiet Nord, das Stadtzentrum, das Schulzentrum und das Gewerbegebiet Süd nach Stein ziehen. An diesen Orten rechnet die Energie Geretsried mit den meisten, größten und am dichtesten beieinander liegenden Abnehmern. Für Privatanschlüsse möchte Vorstand Jan Dühring Anfang des kommenden Jahres ein Preismodell vorstellen. Der Anschluss an die Fernwärme solle nicht mehr kosten als die Erneuerung einer herkömmlichen Heizanlage, also 8000 bis 10 000 Euro.

Bürgermeisterin Cornelia Irmer appellierte an die rund 70 Zuhörer, das Angebot der Energie Geretsried zu nutzen und eine sichere, klimafreundliche, preisstabile und von geopolitischen Umwälzungen unabhängige Energieversorgung zu unterstützen. Mit dem Gast aus St. Gallen war sich Irmer nicht zuletzt darin einig, dass es das größte Risiko wäre, nichts zu tun.