Notfahrplan mit Ersatzbussen Streik bei BOB und Meridian am Dienstag

In den Zügen der BOB, die im Landkreis in Lenggries, Obergries, Gaißach, Bad Tölz und Reichersbeuern hält, sitzen viele Schüler und Berufspendler. Am Dienstag müssen viele wohl wegen des Streiks auf andere Verkehrsmittel umsteigen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Lokführer und Zugbegleiter legen am Morgen die Arbeit für sieben Stunden nieder. Einzelne Züge und Schülerbusse sollen dennoch fahren.

Von Konstantin Kaip

Wer an diesem Dienstag mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) oder Meridian-Zügen fahren will, muss sich auf Ausfälle und erhebliche Verzögerungen gefasst machen. Denn die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat ihre Ankündigung wahr gemacht und die Angestellten der BOB zum Warnstreik aufgerufen: Wie die EVG am Montag um 17 Uhr bekannt gab, sollen Lokführer und Zugbegleiter sowie Mitarbeiter in Werkstatt und Reisezentrum am frühen Dienstagmorgen sieben Stunden lang ihre Arbeit niederlegen - von Beginn der ersten Schicht an um 2 Uhr früh bis 9 Uhr.

Die Vorbereitungen, die normalerweise in der Nacht beginnen, verschieben sich so auf einen Zeitpunkt, an dem die meisten Fahrgäste schon in der Arbeit oder in der Schule sein müssen. "Es wird wohl dauern, bis die ersten Züge fahren", sagt EVG-Verhandlungsführer Isidoro Peronace. "So wie wir uns das vorstellen, wird der komplette Fahrplan zum Erliegen kommen."

Vom Streik betroffen sind die Strecken der BOB, die auch im Landkreis zwischen Reichersbeuern und Lenggries verkehrt, sowie die Meridian-Züge auf der Strecke München-Salzburg/Kufstein. Die Auswirkungen des Streiks, schätzt Peronace, werden sich "bis zum späten Abend bemerkbar" machen.

Darum geht es

Gewerkschaft und BOB streiten sich über die so genannten Fahrgastfahrten - interne Dienstfahrten von einem Einsatzort zum anderen. Die EVG will, dass diese voll auf die Arbeitszeit angerechnet werden und nicht wie bislang nur zur Hälfte. Wenn beispielsweise ein Lokführer seinen Dienstsitz eigentlich in Freilassing hat, aber von einem Kollegen einen Zug am Münchner Hauptbahnhof übernehmen muss, bekommt er statt eineinhalb Stunden Anfahrt nur 45 Minuten vergütet. "Das ist nicht akzeptabel", erklärt Peronace. Die Gewerkschaft beruft sich auf die Nordwestbahn, wie die BOB eine Tochtergesellschaft der Trandev. Dort gebe es bereits eine volle Vergütung dieser Dienstfahrten. "Was in Norddeutschland geht, muss auch in Südbayern möglich sein, zumal bei uns die Lebenshaltungskosten deutlich höher sind."

Die BOB hatte sich in den Verhandlungen mit der EVG zuletzt bereit erklärt, die Fahrgastfahrten von Juli 2017 an voll als Arbeitszeit anzurechnen - wenn der Tarifvertrag ausläuft. Das aber ist der Gewerkschaft zu spät. "Wir verhandeln in dieser Tarifrunde und möchten Ergebnisse haben", sagt Peronace. Deshalb habe man sich zu dem Warnstreik entschlossen. Wie Peronace sagt, will die Gewerkschaft auch nicht mehr Geld. "Wir wollen, dass die Zeit, die in Zügen verbracht wird, mit Freizeit vergütet wird." Was Überstunden betreffe, arbeiteten die Angestellten bereits "an der Grenze des Zulässigen". Um die Forderung einzuhalten, müsste die BOB also Personal einstellen. "Das muss der Arbeitgeber lösen", sagt Peronace. "Es kann nicht sein, dass die Mitarbeiter die Zeche zahlen."

BOB arbeitet an Notfahrplan

Bei der BOB hält man den Streik indes für unbegründet und arbeitet an einem Notfahrplan. "Es gibt keinen Grund, Reisende wegen eines Warnstreiks am Bahnsteig stehen lassen zu wollen", erklärt das Unternehmen. Die BOB sei "in allen Punkten auf die EVG zugegangen und hat entsprechende Angebote gemacht". Das gelte auch für die Fahrgastfahrten. Bei der Nordwestbahn sei deren Vergütung schrittweise in einem Zeitraum von zwei Jahren von 50 auf 100 Prozent angehoben worden. Die BOB wolle den Übergang in 17 Monaten umsetzen. Die Gewerkschaft sei aber nicht bereit, über Details zu sprechen.

Dem widerspricht die EVG. "Wir sind verhandlungsbereit", sagt Peronace. "Aber wir wollen ein schriftliches Angebot." Das aber gebe es nur im Gespräch, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung bei der BOB, Bernd Rosenbusch. "Ein finales Angebot wird nicht per Mail ausgetauscht."

Den Fahrgästen dürfte ziemlich egal sein, wie sich die Parteien einigen. Nicht aber, ob es bald ein Ergebnis der Verhandlungen gibt. Falls nicht, kündigt die EVG nämlich "weitere Streikmaßnahmen" an.

Die Bayerische Oberlandbahn will mit 25 Bussen und einzelnen Zügen einen Notfahrplan anbieten. Die Verbindungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Die Zugverbindung mit Abfahrt um 5.47 Uhr in Lenggries nach Holzkirchen soll bedient werden. Zurück geht es um 7.05 Uhr ab Holzkirchen Richtung Lenggries.

Busse sollen um 7 Uhr ab Bad Tölz Bahnhof Richtung Holzkirchen fahren und um 7.15 Uhr ab Lenggries nach Bad Tölz. Informationen über den gesamten Notfahrplan auf der Internetseite der Bayerischen Oberlandbahn und des Meridian.