Bad Tölz-Wolfratshausen Endspurt in Richtung Hallenbad

Der Kreistag soll am 6. März über seine Beteiligung an der interkommunalen Einrichtung in Geretsried entscheiden. Trotz einer Benutzungsgebühr von 180 Euro pro Stunde für Schulklassen bleibt ein erhebliches Betriebsdefizit.

Von Wolfgang Schäl

In der anhaltenden Kontroverse um ein interkommunales Hallenbad in Geretsried haben jetzt auch die Kreisräte und Bürgermeister Gelegenheit erhalten, sich ein Bild davon zu machen, was auf den Landkreis zukommt - schließlich soll der Kreistag am 6. März abschließend darüber befinden, in welcher Form und in welcher Höhe er sich an den Kosten beteiligt. Für Geretsried ist dies eine entscheidende Frage.

Bei der Ermittlung der anzunehmenden Betriebskosten wurde ein nicht unwichtiger Faktor herausgerechnet: die Sauna, die nach Hoffnung der Geretsrieder Stadträte die Attraktivität erhöhen und damit das Defizit minimieren soll, für den Schulsport aber keine Rolle spielt. Sie allein kostet 1,15 Millionen Euro. Als reines "Funktionsbad" würde das Geretsrieder Projekt damit 9,9 Millionen Euro kosten, von denen Geretsried brutto knapp 6,4 Millionen tragen müsste, den Rest die Gemeinden des Landkreises. Unter Berücksichtigung verschiedener Komponenten käme für den Landkreis dann pro Schulklasse ein "Mischstundensatz" von 180 Euro für die Benutzung heraus, wie der Geretsrieder Kämmerer Helge Balbiani ausgerechnet hat. Ein Hallenbad sei nun mal "ein teures Unterfangen", stellte Landrat Josef Niedermaier dazu fest.

Das Hauptrisiko für Kosten und Bau liegt damit bei der Stadt Geretsried, die mit dem Landkreis eine Zweckvereinbarung entsprechend dem sogenannten Schulfinanzierungsgesetz trifft, nicht aber, wie zwischenzeitlich angedacht worden war, einen Zweckverband gründet. Der Landkreis zahlt also nicht mehr als genau die Stunden, die er als Aufwandsträger für den Schulsport übernehmen muss. Träger der Einrichtung wird die Stadt Geretsried sein. Als kleiner Ausgleich darf sie allerdings die Einnahmen der sonstigen Badbesucher behalten, ohne dass dies noch einmal in die Waagschale gelegt wird.

Letztere Klausel rief denn spontan CSU-Stadtrat Alfred Fraas auf den Plan, der für den Fall einer Beteiligung an dem Bad einforderte, dass Wolfratshausen dann auch indirekt vom Gewinn profitieren sollte - eine Anregung, die der Geretsrieder Bürgermeisterin Cornelia Irmer nur ein müdes Lächeln entlockte.

Das Hallenbad werde als Einrichtung der Daseinsfürsorge mit allergrößter Sicherheit immer ein Defizitbetrieb bleiben. Falls man aber jemals auch nur einen Euro Gewinn erzielen sollte, werde man ihn gewiss mit den Wolfratshausern teilen, versprach Irmer. Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) bewertete die Idee von Fraas als "Denkfehler".

Mit großem Misstrauen trat auch Kreisrätin Lucia Schmidt (Grüne) den Kostenkalkulationen entgegen, wie überhaupt am Freitagabend nahezu alle Wortmeldungen im großen Sitzungssaal der Kreisbehörde aus Wolfratshausen kamen. Die gesamte Rechnung stehe "auf tönernen Füßen", mutmaßte Schmidt, die der Stadt Geretsried und dem Kreis sogar unterstellte, sie bewegten sich "am Rande der Legalität". Irmer empfahl ihr, das gesamte Modell selbst nachzurechnen, die Zahlen und Unterlagen seien sehr genau, jederzeit auf dem Computer einsehbar und auch von offizieller Stelle so bestätigt worden.

Angesichts "der hitzigen Debatten in der Bürgerschaft" regte der Wolfratshauser SPD-Stadtrat Fritz Schnaller an, die Eintrittspreise zu staffeln, sodass Einheimische günstiger zu ihrem Ticket kämen als Besucher von auswärts. Ihm sekundierte SPD-Stadtrat Renato Wittstadt - Ermäßigungen gebe es für Gemeindebürger beispielsweise auch im Benediktbeurer Freibad. Von dem Vorschlag wollten freilich weder Niedermaier noch Irmer etwas wissen. Der Landrat empfand eine solche Differenzierung "als diskriminierend".

Auf ein ganz anderes Merkmal richtete sich die Kritik von Grünen-Kreisrat Franz Xaver Sailer: Er bemängelte die eintönige farbliche Gestaltung des Bades - es ist laut Planung in einem durchgehenden matten Grün gehalten. "Da sind wir voll beieinander", freute sich Irmer, wir werden mit Sicherheit schönere Farbtöne finden."