Bad Tölz Die Stadt der 22 Brauereien

Ein Läutergrand gehört zu den Exponaten im Brau- und Volkskunsthaus. Damit trennte man früher die festen und flüssigen Bestandteile des Biers.

(Foto: Manfred Neubauer)

Im 18. Jahrhundert wurde das vor Ort gebraute Bier im Werdenfels, am Tegernsee und in Tirol getrunken - vor allem aber in München.

Von Klaus Schieder

Bad Tölz - Das Bierbrauen hat in Bad Tölz eine jahrhundertelange Tradition. Nicht weniger als 22 Brauereien hatte die kleine Stadt im ausgehenden 18. Jahrhundert, sie belieferten die Grafschaft Werdenfels, Tegernsee und Tirol, vor allem aber München. 8739 Eimer Bier gingen im Jahr 1782 dorthin, das waren 5600 Hektoliter. Außerdem gab es noch eine kleine Brauerei im Franziskanerkloster, sozusagen die Nummer 23. Andreas Binder besitzt einen alten, handgezeichneten Plan, der zeigt, wo sich die Sudhäuser im Kloster befanden. Das undatierte Dokument soll zu den Exponaten in seinem neuen "Tölzer Brau- und Volkskunsthaus" gehören.

Mit der Brauerei nebst Wirtshaus und Museum an der Ludwigstraße feiert das in Tölz schon gestorbene Brauwesen eine Wiederauferstehung. Seit der Industrialisierung war es damit bergab gegangen, die Tölzer konnten mit den mächtigen Münchner Unternehmen nicht mithalten. Als 2005 auch die Grüner Brauerei zumachte, war es mit der Braukunst ganz vorbei. Aber dann öffnete Eigentümer Achim Bürklin zusammen mit den Pächtern Claus Hühnlein und Tino Kellner vor sechs Jahren das "Tölzer Gasthaus" an der Mühlfeldkirche. Angeschlossen ist eine kleine Brauerei - der "Tölzer Mühlfeldbräu". Im nächsten Frühjahr soll der "Binderbräu" folgen, dem der Chef des Brau- und Volkskunsthauses kurzerhand seinen eigenen Namen gab. Helles, Dunkles und Weißbier, dazu Spezialsorten zum Starkbierfest oder zur Leonhardifahrt sollen zum Sortiment gehören. Die beiden Kupfersudkessel, die im Erdgeschoss des Wirtshauses schon aufgestellt sind, hat Binder im hessischen Eglsbach besorgt. Dort gibt es einen kleinen Airport für Privatflieger, dazu ein Gasthaus, in das der Sternekoch Alfons Schuhbeck die zwei Kessel einbauen ließ. Nach einem Pächterwechsel wollte der neue Wirt dieses Inventar nicht mehr, wovon Monika Weber-Binder im Internet erfuhr. 13 Mal fuhr ihr Mann Andreas nach Eglsbach, baute die Kessel auseinander und setzte sie in Tölz wieder zusammen. Zur neuen Brauerei gehören außerdem acht Lagertanks, fünf Ausschanktanks, eine Malzmühle und eine offene Vergärung. Braumeister ist Andreas Forstner, der sein Handwerk einst bei der Grüner Brauerei gelernt hat.

Einen Einblick in diesen Beruf sollen künftig auch die Besucher bekommen. Binder plant Seminare mit Biergeschichte und Verkostung, überdies sollen die Teilnehmer selbst einen Sud herstellen. Eine Konkurrenz zum Mühlfeldbräu sieht er nicht. Der habe eine andere Ausrichtung, sei eher moderner. "Wir machen das Traditionelle." Und überhaupt, sagt Binder: "Wo einst Platz für 22 Brauereien war, wird doch auch für zwei Platz sein."