Bad Tölz Auf der Flinthöhe fehlt das i-Tüpfelchen

Nach der Kasernenkonversion wird fürs alte Kino seit Jahren vergeblich ein neuer Investor gesucht. Landrat Niedermaier wünscht sich eine "behördennahe Nutzung".

Von Klaus Schieder

Bad Tölz - Das alte Kino auf der Tölzer Flinthöhe wird noch eine geraume Weile entkernt und leer dastehen. Das Landkreis sucht weiter nach einem Investor, ein ernsthafter Kandidat ist nicht in Sicht. "Da muss man Geduld haben", sagt Johannes Schneider, Seniorchef der Immobilien-AG Schneider und Prell. Seit drei Jahren versucht er, die Restflächen auf dem ehemaligen Kasernerngelände nach der missglückten Konversion zu vermarkten, die den Landkreis nahezu an den Rand der Pleite gebracht hat. Das Kino sei die "letzte Lücke, die irgendwann geschlossen wird", so Schneider.

Leerstand und Schandfleck: Das alte Kino auf dem Tölzer Vorzeigeareal - der Flinthöhe.

(Foto: Manfred Neubauer)

Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte das Lichtspielhaus als Sitz für das Grüne Zentrum gedient. Doch im Tauziehen zwischen Holzkirchen und Bad Tölz um diese Einrichtung zog der Landkreis im Vorjahr den Kürzeren. Schneider hatte bereits ein Münchner Immobilienunternehmen als Investor an der Hand. Das Grüne Zentrum wäre für diese Firma "ein bombiger Mieter gewesen, da hätte sie keine Angst wegen Mietausfällen haben müssen", sagt Schneider. Das Unternehmen sei noch nicht abgesprungen und würde auch einsteigen - "wenn es eine alternative Nutzung gäbe".

Die kann für Landrat Josef Niedermaier (FW) in einer "behördennahen Nutzung" bestehen. Auch die Ansiedlung einer Firma vermag er sich vorzustellen. Ein Kaufhaus hingegen nicht. "Das würde die Grundzüge des ganzen Areals zerstören." Der Landkreis werde intensiv nach einer Lösung suchen, sagt der Landrat. Das Kino sei das "letzte i-Tüpfelchen" auf der Flinthöhe.

Herbert Kommnick, Hauptamtsleiter in der Kreisbehörde, kann zum alten Kino noch nicht viel sagen. Seit 1.Januar gehören das Lichtspielhaus, das Landratsamtsgebäude, die Kirche und freie Grundstücke dem Landkreis - zusammen mit etwa 25 Millionen Euro Schulden der kreiseigenen Entwicklungsgesellschaft DTK, die seit Jahresbeginn unter Flintcenter Verwaltungs-GmbH firmiert. "Wir sind noch in der Findung, was man da alles machen kann", sagt Kommnick. Zunächst möchte er den Umgang mit der sogenannten DTK-Anwachsung im eigenen Haus organisieren. Er habe derzeit nicht mal "einen Einblick, was der Bebauungsplan hergibt", so Kommnick.

Das weiß der Bauamtsleiter der Stadt Bad Tölz. Auf die Frage, welche Nutzungen für das Kino erlaubt seien, antwortet Christian Fürstberger mit einer süffisanten Gegenfrage: "Warum? Wollen Sie es kaufen?" Das Kasernenareal ist als Gewerbegebiet ausgewiesen. Demzufolge dürfen sich dort Gewerbebetriebe, Ämter, Geschäfte und Büros ansiedeln, auch Sportanlagen und Lagerhäuser wären möglich. Tankstellen und Vergnügungsstätten dagegen nicht. Verbrauchermärkte wären bis zu einer Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern zulässig.

Anfragen für das Kino, dessen Wert auf etwa eine Million Euro taxiert ist, hatte Makler Schneider durchaus. Die Bandbreite reicht nach seiner Auskunft vom Fitnesscenter bis zum Spielcasino. Aber solche Betriebe würden nicht passen, sagt Schneider. "Sie würden auch nicht die nötige Bonität mitbringen." Der Status quo befriedigt den stellvertretenden Landrat Werner Weindl (CSU) nicht: "Ich weiß nur, dass an dem Gebäude langsam was gemacht werden müsste."