Bad Heilbrunn Vom Stillstandsdorf zum Aufbruchsort

Das Kurhotel ist abgerissen, das Zentrum wird neu gebaut: Bad Heilbrunn soll ein Café und eine Gäste-Info rund um einen Dorfplatz bekommen. Dazu kommen Supermarkt, Gewerbegebiet und vielleicht ein Hotel. Ein Rundgang mit dem Bürgermeister.

Von Klaus Schieder, Bad Heilbrunn

Thomas Gründl hat freie Sicht. Wenn er aus seinem Büro im zweiten Stock schaut, prallt sein Blick nicht mehr auf das heruntergekommene Kurhotel der Kurfürstin GmbH & Co. KG, die schwarzen Kreuze vor den Fensterläden, die Graffiti an den Wänden. Seine Augen schweifen nun über einen ziegelsteinübersäten Schutthaufen, auf dem ein Bagger thront, und weiter zu uralten Alleebäumen. Das ist zwar auch nicht gerade ein erhebender Anblick, für Gründl jedoch einer mit glänzenden Perspektiven. Nachdem die Gemeinde das Areal der Kurfürstin GmbH voriges Jahr für zehn Millionen Euro gekauft hat, kann sie endlich ihr Ortszentrum gestalten. Vielleicht, sagt der Rathauschef, werde man sich deshalb in Bad Heilbrunn später einmal daran erinnern, dass es einen Bürgermeister Gründl gab.

Ein Abbruch, der ein Aufbruch ist: Wo jahrzehntelang das Kurhotel verfiel, will Bürgermeister Thomas Gründl ein Ortszentrum schaffen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

An diesem sonnigen Januartag gönnt er sich ein paar Momente zum Träumen. Auf dem 80 000 Quadratmeter großen Gelände, das zur Birkenallee und bis zur Bundesstraße 472 reicht, entwirft er wie in Überblendtechnik ein Bild des Ortszentrums: ein Café und ein Bistro gegenüber vom Rathaus, dazu Geschäfte, ein kleines Gemeindezentrum mit Bürgerbüro, neuem Sitzungssaal, Gäste-Information und Archiv, ein hübsch angelegter Dorfplatz. Ob das so kommt, hängt vom Gemeinderat ab, der schon 2009 einen Bebauungsplan für die Ortsmitte aufgestellt hat. Dagegen war Max Hoefter, Chef der Kurfürstin GmbH, vor Gericht gezogen, weil er Wohnungen anstelle des Hotels und der Wandelhalle bauen wollte. Der juristische Streit wurde mit harten Bandagen geführt, die Gemeinde wechselte zwischendurch ihren Anwalt und obsiegte am Ende vor dem Bundesverwaltungsgericht. Der Bebauungsplan ist für Gründl darüber ein wenig in die Jahre gekommen. Er müsse nun erst einmal modifiziert und "den Gegebenheiten der Jetzt-Zeit angepasst" werden, kündigt er an.

Über die Zukunft der Adelheidquelle muss die Gemeinde noch mit der Kurfürstin GmbH verhandeln.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das ist die Aufgabe des Gemeinderats, der am 13. Februar zu einer Klausur zusammentritt. Das wichtigste Thema wird dann allerdings ein anderes sein: Bad Heilbrunn soll einen Supermarkt bekommen. Gedacht ist an einen Vollsortimenter wie Edeka oder Rewe, der sich auf einem 6500 Quadratmeter großen Grundstück an der Birkenallee ansiedeln soll. Falls der Platz reicht, wäre dort noch ein Drogeriemarkt möglich. Für die Nahversorgung gibt es in dem kleinen Kurort derzeit nur einen Bio-Laden, ebenfalls an der Birkenallee. Beide Geschäfte könnten sich ergänzen, meint Gründl. Und mit der Gärtnerei daneben entstünde auch dort ein Anziehungspunkt. Zum Ortszentrum am Rathaus soll es eine direkte Wegeverbindung geben, wofür allerdings die alten Alleebäume gefällt werden müssen, die dem Bürgermeister zufolge aber ohnehin schon krank sind.

80 Flüchtlinge will die Gemeinde Bad Heilbrunn in der Leonardis-Klinik unterbringen, die seit 2010 leer steht. 35 Flüchtlinge leben derzeit in dem knapp 4000 Einwohner kleinen Kurort, heuer sollen es nach der freiwilligen Aufnahmequote des Landkreises insgesamt 155 sein. Als Unterkunft hat die Gemeinde die frühere Leonardis-Klinik am Abt-Walther-Weg ins Auge gefasst, die seit 2010 leer steht. Laufen die Gespräche mit dem Eigentümer erfolgreich, könnten darin gut 80 Plätze geschaffen werden. Dies teilt Bürgermeister Thomas Gründl (CSU) mit, der den Gemeinderat in der Sitzung am Dienstagabend über den Sachstand informierte. Mit dem Landratsamt habe man über mehrere Objekte diskutiert, so Gründl. Die Leonardis-Klinik eignet sich für Bürgermeister Thomas Gründl (CSU) vor allem deshalb, weil sie "ein Stück weg vom Ortskern" liege. Das zentral gelegene Sanatorium Strauss, das der Landkreis ebenfalls im Blick hat, kommt für Gründl nicht in Frage.

13 Investoren hat die Gemeinde für den Supermarkt angeschrieben. Sie sollen bis Ende Januar ihr Konzept vorlegen. In der Klausur nehmen die Gemeinderäte einige Bewerber in die engere Auswahl, eine Woche später sollen sie in einer nicht-öffentlichen Sondersitzung die endgültige Entscheidung treffen. Gründl wünscht sich, dass der für die Ansiedlung nötige Bebauungsplan noch heuer aufgestellt wird. "Ich hoffe, dass 2017 eingekauft werden kann", sagt er. Und noch etwas hat die Gemeinde an der Birkenallee vor: An der Zufahrt bei der Gärtnerei ist ein Kreisverkehr geplant, nicht alleine wegen des Supermarkts, sondern um die Verkehrssituation überhaupt zu entschärfen. Eine Umgehungsstraße, sagt Gründl, werde er selbst nicht mehr erleben, "und wenn ich 100 Jahre alt werde".

Zum Zentrum von Bad Heilbrunn gehört auch der gemeindeeigene, knapp 13 000 Quadratmeter große Parkplatz an der Badstraße, östlich des Rathauses und neben dem Sanatorium Strauss. Für den Bürgermeister wäre dies "ein renommierter Platz", um ein Hotel der gehobenen Kategorie anzusiedeln. Ein solches Haus würde der Gemeinde guttun, um sich touristisch weiterzuentwickeln, sagt er. Mit dem Bildungsprojekt Kunst und Natur der BMW-Erbin Susanne Klatten auf Gut Nantesbuch, das mit der Renovierung der Hofstelle Karpfsee begonnen hat, sähe er damit "Synergieen zusammenfließen". Allerdings ist ein neues Hotel bislang nur ein Wunschgebilde. "Das steht absolut in den Sternen", sagt Gründl. Unklar ist auch, was mit dem kleinen Rundbau der Adelheidquelle geschehen soll, schräg gegenüber von der Kurhotel-Baustelle. Darüber müsse man noch mit der Kurfürstin GmbH verhandeln, sagt der Rathauschef.

Auch an anderer Stelle wird Bad Heilbrunn sein Gesicht verändern. Der Gewerbepark soll um 28 000 Quadratmeter vergrößert werden, wofür sich Gründl zufolge schon 13 Bewerber gemeldet haben. Außerdem hat er vor, bezahlbaren Wohnungen vor allem für junge Leute zu schaffen. Er denkt dabei an Mehrfamilienhäuser, die es in dem kleinen Kurort kaum gebe, nicht an Häuschen im Grünen. Bad Heilbrunn ist nicht mehr ein Synonym für jahrzehntelangen Stillstand, sondern steht jetzt für Aufbruch. "Darauf bin ich stolz", sagt der Bürgermeister. Ob es deshalb mal einen Thomas-Gründl-Gedächtnisweg geben wird? Da lacht er laut auf. Ihm wäre es schon recht, wenn sein Name nicht in ganz Vergessenheit geriete.