Am Starnberger See Luxus im englischen Stil

Die Suiten können bis zu 400 Euro pro Nacht kosten: Das "The Starnbergsee Hideaway" in Seeshaupt soll das edelste Hotel am See werden. Der Manager gewährt erste Einblicke

Von Astrid Becker

Schon von weitem betrachtet wird eines offensichtlich: Der Eigentümer dieses Hauses, der Kölner Bauunternehmer Lars Kaiser, muss ein Faible für englische und französische Landhäuser haben. Denn genau so sieht es aus, das neue Luxushotel "The Starnbergsee Hideaway" auf dem Lido-Gelände in Seeshaupt. Zwei Säulen markieren den Eingang, das zweistöckige Gebäude wird links und rechts von flacheren Anbauten flankiert. Nur eines, und das dürfte für die künftigen Hotelgäste entscheidend sein, ist anders als es in Großbritannien oder Frankreich zu erwarten wäre: Das Hotel steht nicht im Hinterland, sondern direkt am Ufer des Starnberger Sees. Noch beherbergt es keine Gäste, nur Handwerker und ein paar Mitarbeiter rund um Hotelmanager Michael Steinwitz. Wer dem 41-Jährigen hier begegnet, spürt schnell, wie stolz er ist, in diesem Hotel arbeiten zu können. Vor allem auf die Suiten, die teilweise bereits fertiggestellt sind.

Deshalb führt Steinwitz auch als erstes in eine dieser großzügigen Räumlichkeiten im ersten Stock. "Das ist die Sissinghurst Suite", sagt er - und allein diese Namensgebung verstärkt den ersten Eindruck von draußen und nimmt ihn mit ins Innere des Gebäudes. Denn hier setzt er sich fort, der englisch-französische Landhausstil. Der Wohnbereich der Suite wird von einem himbeerfarbenen Chesterfield-Sofa dominiert. Einem Hingucker, der nur durch den Ausblick durch wandhohe Fenster auf den See getoppt werden kann. Am Boden ist gekalktes Echtholzparkett verlegt, ansonsten ist farblich alles in warmen Nude-Tönen gehalten. Im Schlafzimmer ziert eine darauf farblich abgestimmte Blumentapete den Kopf des Doppelbettes. Ein Durchbruch gibt den Blick frei auf das luxuriöse Badezimmer - und ein wenig lässt das an die "Lichtung in den Wäldern" denken, wie das altenglische Wort Sissinghurst zu deuten ist. Steinwitz erzählt auch sofort von der englischen Schriftstellerin Vita Sackville-West, die "Sissinghurst Castle" in der englischen Grafschaft Kent 1930 zusammen mit ihrem Mann Harold Nicolson erwarb. Berühmt wurde sie nicht nur der Literatur wegen, sondern vor allem wegen des Gartens ihres Anwesens, der mittlerweile im Jahr mehr als 150 000 Besucher anlockt.

Ganz so viele werden es im "The Starnbergsee" nicht werden. Aber auf die Gartengestaltung direkt am Seeufer wird hier besonderer Wert gelegt. Natürlich gibt die Sissinghurst Suite auch den Blick darauf frei. Noch ist zwar nicht viel davon zu erkennen, außer braunen Erdmassen, doch schon vom Frühjahr an wird sich alles verwandeln - in eine parkähnliche Landschaft mit Kräuter-und Blumenbeeten, eingeteilt in verschiedene Gartenräume, ganz so wie beim Vorbild Sissinghurst. Ein sechs mal 15 Meter großer Pool soll gebaut werden, der Whirlpool im Freien ist bereits geliefert. Natürlich wird dann auch der 450 Quadratmeter große Spa-Bereich fertiggestellt sein. In manchen der Suiten, die allesamt individuell eingerichtet sein werden - und alle über eine andere Tapete hinter dem Bett verfügen - gibt es auch Wellness direkt vor Ort: In Form einer Infrarot- und Dampfdusche, die abgetrennt von Bad und WC untergebracht ist.

"Wir wollen, dass sich unsere Gäste hier wie zuhause fühlen." Um dies noch zu verstärken, werden nicht nur in der bis jetzt noch nicht fertigen Bibliothek, sondern auch im großen Salon im Erdgeschoss Kaminfeuer lodern. Als Butler geschulte Mitarbeiter sollen den Gästen unaufdringlich jeden Wunsch erfüllen. Ein eigenes Gourmetrestaurant im Haus gehört ebenso dazu wie die gehobene bayerische Gastronomie, die der einstige Sternekoch Thilo Bischoff im früheren "Lido" seit Mai gleich gegenüber betreibt.

Manager Michael Steinwitz gewährt erste Einblicke.

(Foto: Arlet Ulfers)

Doch noch ist das Hotel nicht fertiggestellt. Überall wird derzeit noch gehämmert, werden die Stuckleisten in den mindestens drei Meter hohen Räumen für Malerarbeiten abgeklebt. Mitte Januar sollen die ersten zehn bis 15 Zimmer für Buchungen offenstehen. Zu welchen Preis - das ist noch unklar. Steinwitz schätzt, dass Suiten in der Hochsaison bis zu 400 Euro kosten könnten. Doch genau festlegen will er sich nicht. Fest steht jedenfalls, dass das neue Hotel das wahrscheinlich spektakulärste direkt am Starnberger See werden wird. Denn wer hier eine Reihe von Luxusherbergen vermutete, wurde bislang eher enttäuscht. Auch beim "The Starnbergsee" mussten Neugierige Geduld aufwenden. Die Eröffnung des Hauses war ursprünglich bereits für den Sommer geplant. Doch vieles trug zur Verzögerung bei. Da waren die Genehmigungen für den Bau, die laut Steinwitz sechs Jahre dauerten oder auch Firmen, die insolvent gingen. Doch das ist nun vorbei: Im Frühjahr will Lars Kaiser sein Hotel ganz offiziell einweihen - seine "Hommage an das Fünfseenland", wie er es nennt.