Bücherverbrennung Gedenken an Kästner und Kandinsky

Künstler und Schüler erinnern am 10. Mai in der Loisachhalle an die Bücherverbrennung vor 84 Jahren. Erstmals werden heuer auch verfemte bildende Künstler gewürdigt.

Von Felicitas Amler

An Lion Feuchtwanger lässt sich viel lernen. Vor allem über die deutsche Geschichte nationalsozialistischer Verfolgung und Verbrechen. Aber auch über die amerikanische Hexenjagd in der McCarthy-Ära. Der Wolfratshauser Kabarettist Claus Steigenberger wird am Mittwoch, 10. Mai, aus einem Werk des jüdischen Schriftstellers lesen. Es ist der 84. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nazis. Der Historische Verein Wolfratshausen, der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) und die "Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald" veranstalten dazu wieder einen Abend des Gedenkens.

Wie vor zwei Jahren sind daran prominente Gäste beteiligt - darunter die Schauspieler Peter Weiß und Udo Wachtveitl, die Kabarettisten Christian Springer und Helmut Schleich. Und es nehmen wieder Schülerinnen und Schüler aus der Region teil. Die Erwachsenen lesen aus Werken NS-verfolgter, verfemter Autoren; die Kinder und Jugendlichen bereiten Beiträge vor, die von der Pantomime bis zum selbst gedrehten Film reichen, wie Sybille Krafft, Vorsitzende sowohl des Badehaus- als auch des Historischen Vereins, am Montag bei der Pressekonferenz sagte.

Sie bereiten die Gedenkveranstaltung vor: Assunta Tammelleo, Gerd Schielein, Carla von Meding, Claus Steigenberger und Sybille Krafft (v.l.).

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Gedenken an die Bücherverbrennung wird im Raum Geretsried-Wolfratshausen schon seit 2008 gepflegt. Assunta Tammelleo, Betreiberin der Geltinger Kulturbühne "Hinterhalt", hat damit an eben diesem Ort begonnen. Fünf Jahre später stieß der Historische Verein dazu, und vor zwei Jahren fand das Ereignis erstmals in der Loisachhalle statt. Mit enormer Resonanz. Aber auch mit so großem Aufwand, dass die Veranstalterinnen beschlossen, in einen Zwei-Jahres-Turnus zu wechseln.

Finanziell kommt das Gedenken dem Badehaus zugute, in dem die Geschichte des Lagers Föhrenwald beleuchtet wird. Diesem Projekt wiederum sei Franz Herzog von Bayern sehr verbunden: "Er ist ein großer Förderer und Gönner", sagte Krafft. Sie freue sich, dass er die Schirmherrschaft für die Lesung übernommen habe. Er habe nicht zuletzt deswegen eine besondere Sensibilität für dieses Thema, da auch Wittelsbacher unter den Nazis "in Sippenhaft genommen wurden".

Der Münchner Kabarettist Helmut Schleich liest in der Loisachhalle.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Neu ist in diesem Jahr, dass die Schüler, die wie die Großen im Fünf-Minuten-Takt auftreten, auch an bildende Künstler erinnern, die von den Nazis verfemt wurden. Die Veranstalter nennen Namen wie Franz Marc, Wassily Kandinsky, Edvard Munch, Käthe Kollwitz. Wie sie sich mit dem Künstler auseinandersetzen, sei den Schulen überlassen: "Der Fantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt", sagte Krafft. "Einzige Bedingung: Fünf Minuten."

Die freilich könnten sich auf der Bühne schnell mal zu sieben Minuten ausweiten, ist die Erfahrung von Claus Steigenberger. Da helfe nichts, selbst wenn man daheim die Zeit genommen habe: "Vor Publikum ist es völlig anders." Tammelleo und Krafft betonen, wie wertvoll es sei, dass die meisten prominenten Lesenden für einen so kurzen Auftritt eigens aus München nach Wolfratshausen kommen und dabei allesamt auf Gage verzichten. Sie danken außerdem den Buchhandlungen Ulbrich in Geretsried, Rupprecht in Wolfratshausen und Isartal in Ebenhausen, die gebührenfrei den Kartenvorverkauf übernehmen. Die Stadt Wolfratshausen fördert den Abend mit 5000 Euro, Geretsried mit 1000 Euro.

Claus Steigenberger sagte, er finde es "ganz toll", dass mit einer so hochkarätigen Veranstaltung das Geschichtsprojekt Badehaus unterstützt werde. Die Erinnerung an die Bücherverbrennung sei gerade jetzt so wichtig, da vielerorts wieder Zensur ausgeübt werde und "Journalisten in Gefängnissen schmoren". Was er genau von Feuchtwanger lesen wird, sagte Steigenberger noch nicht. Nur dass er ihn "liebe und schätze, auch weil er viel über das bayerische Wesen verrät".

Auch die Ickinger Schauspielerin Belle Schupp liest im Gedenken an die Bürcherverbrennung.

(Foto: Nila Thiel)

Gedenken an die Bücherverbrennung, Mittwoch, 10. Mai, 19 Uhr, Loisachhalle. Es lesen und spielen: Gerd Holzheimer, Anatol Regnier, Leibl Rosenberg, Helmut Schleich, Belle Schupp, Traudi Siferlinger, Christian Springer, Claus Steigenberger, Udo Wachtveitl, Peter Weiß, die Wellküren, Schüler aus der Region. Karten zu 25 Euro bei den Buchhandlungen Isartal, Rupprecht und Ulbrich