Von Berthold Neff

Stadtwerke GmbH und Siemens - Wohnungsbau für die Mitarbeiter muss die Wirtschaftlichkeit nicht gefährden.

(SZ vom 13.6.2001) - München ist Deutschlands Großstadt mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit, der höchsten Pro-Kopf-Investitionsrate, der höchsten Kaufkraft pro Bürger - und der größten Wohnungsnot.

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Zwar wurden seit Beginn der 90er Jahre mehr als 65.000 Wohnungen gebaut, doch reicht dieser Kraftakt nicht aus, um diejenigen ausreichend mit Wohnraum zu versorgen, die zum Arbeiten nach München gezogen sind.

Schon klagen große Firmen, dass sie kaum noch Bewerber für die angebotenen Jobs bekommen, weil sie diesen Mitarbeitern keine Wohnung bieten können.

Als Beleg dafür, wie man als großes Unternehmen mit gutem Beispiel voran gehen kann, präsentierte OB Christian Ude (SPD) gestern die Stadtwerke München GmbH. Während andere Firmen ihren Wohnungsbestand drastisch abbauten oder komplett versilberten, weil sich andernorts höhere Renditen als auf dem Wohnungsmarkt erzielen ließen, hätten die Stadtwerke ihr Wohnungsangebot für die Beschäftigten sogar noch erweitert.

Hohe Investitionen in Wohnungen

Zurzeit verfügen die Stadtwerke über 551 preisgünstige Wohnungen, haben sich für weitere 830 Wohnungen Belegrechte gesichert und 110 Wohnungen angemietet, um sie den Mitarbeitern preisgünstig zur Verfügung zu stellen.

In die Sanierung des Bestands wurden, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Kurt Mühlhäuser vorrechnete, in den vergangenen zwei Jahren 3,5 Millionen Mark investiert. In den nächsten Jahren wollen die Stadtwerke ihr Angebot an Werkswohnungen erhöhen.

Noch in diesem Jahr könnte der Spatenstich für das Bauvorhaben an der Dülferstraße erfolgen (50 Wohnungen). Abgeschlossen sind auch die Vorplanungen für 14 Wohnungen in der Schwarzenbergstraße und 33 Wohnungen in der Ötztaler/Zillertaler Straße. Und wenn die Stadtwerke Anfang 2002 ihre neue Zentrale an der Dachauer Straße beziehen, werden an bis zu 30 Standorten attraktive Grundstücke frei, "auf denen sich der Wohnungsbau geradezu anbietet" (Mühlhäuser).

Dazu gehören große Areale an der Isoldenstraße und an der Franzstraße, so dass in den nächsten Jahren mehr als 620 neue und preisgünstige Wohnungen (Mieten von 13 bis 14 Mark pro Quadratmeter) entstehen werden - zusätzlich zum Bau der 181 geplanten Werkswohnungen.

Gegen den Willen der CSU

Der Oberbürgermeister lobte diese Initiative der Stadtwerke und wies darauf hin, dass eines dieser Projekte - nämlich die 57 Werkswohnungen am Wasserturm in Aubing - gegen den Willen prominenter CSU-Lokalmatadore erst in einem Bürgerentscheid durchgesetzt werden konnten.

In der 19 Millionen Mark teuren Anlage sind bereits im August 2000 die SWM-Mitarbeiter eingezogen.

Ude kritisierte, dass sich immer mehr Firmen - darunter auch große Versicherungen - aus dem Wohnungsbau verabschiedeten, aber zugleich lamentierten, dass der Wohnungsmangel mittlerweile das Hauptproblem bei der Personalgewinnung sei.

Siemens als erfreuliche Ausnahme

Als erfreuliche Ausnahme lobte Ude ausdrücklich den Siemens-Konzern. Bei der Umstrukturierung der Siemensstadt werde es erfreulich viel Wohnungsbau geben, und zwar auch für Münchner mit geringem Einkommen.

Der Weltkonzern Siemens habe damit gezeigt, dass sich die Akteure des Arbeitsmarkts auch selber um die Wohnungsprobleme kümmern könnten und "diese Folge ihrer Erfolgsstory nicht einfach auf die Kommune abwälzen" müssten. Schließlich zeige das Beispiel der Stadtwerke, "dass ein Unternehmen seiner wohnungspolitischen Verantwortung durchaus gerecht werden könne, ohne seine Wirtschaftlichkeit zu gefährden".

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