Wohnungsbau München muss Platz für Wohnungen schaffen - nicht für Autos

Die Bagger warten: Auf dieser Brachfläche in der Nähe der neuen Deutschlandzentrale von Microsoft soll ein Parkplatz mit 450 Stellplätzen entstehen.

(Foto: Robert Haas)

Der gängige Reflex auf neue Bau-Ideen ist es, direkt nach den zugehörigen Parkplätzen zu fragen. Doch bei den neuen Stelzen-Häusern gibt es wichtigeres.

Kommentar von Kassian Stroh

Wenn es ein Plan war, war er gut. Wenn es Zufall war, hat er es gut gemeint. Am Dienstag haben die Stadtrats-Grünen ein paar Vorschläge vorgelegt, wie der Wohnungsbau in München angekurbelt werden könnte. Ein Kernpunkt dabei: Weniger Platz und Geld für Parkplätze ausgeben bedeutet mehr Platz und Geld für Wohnungen.

Tags darauf kamen die Sozialdemokraten ums Eck mit der Idee, Wohnungen auf Stelzen über bestehende Parkplätze zu bauen. Binnen zweier Tage also zwei ganz unterschiedliche Konzepte, die nicht in Konkurrenz zueinander stehen, die aber den Blick lenken auf ein Problem, das die Stadtentwicklung hemmt respektive die Lösung des Problems der explodierenden Wohnkosten: Zu viele Parkplätze verlangt die Stadt.

Pilotprojekt am Dantebad: Oben wohnen, unten parken

Die SPD will Häuser auf Parkplatzanlagen bauen. Die Idee soll für günstige Mieten sorgen und könnte nun ganz schnell Wirklichkeit werden. Von Heiner Effern mehr ...

Vereinfacht gesprochen muss ein Bauherr für jede neue Wohnung einen Parkplatz herbringen. Das ist prinzipiell vernünftig, wird aber absurd, wenn in Anlagen der städtischen Wohnungsbaugesellschaften etwa bis zu 40 Prozent der Stellplätze leer bleiben - einfach weil viele Bewohner sich kein Auto leisten (können). Diese Parkplätze müssen in der Regel in die Erde hinein betoniert werden, sind also sündteuer. Das ist der Hintergrund der Grünen-Initiative.

Braucht wirklich jede Wohnung einen Stellplatz?

Und bei der Idee der SPD, den Parkplatz vor dem Dantebad zu überbauen, zeigt sich das Problem noch deutlicher: Weil schon Stellplätze da sind, ist naturgemäß für Dutzende weitere, die laut Vorschrift gebaut werden müssten, kein Platz. Und schon taucht als Gegenargument auf, man dürfe doch nicht den Besuchern des Bades und der Sportstätten nebenan die ohnehin zu wenigen Parkplätze wegnehmen.

Das ist zwar der gängige Münchner Betroffenen-Reflex, er offenbart aber altes Denken. Zum einen weil sich die Frage stellt, wie viele Stellplätze gebraucht werden bei Appartements für Studenten, Azubis oder Flüchtlinge. Zum anderen, weil es um die Grundsatzfrage geht: Wollen wir wirklich den Raum für Menschen verknappen, nur weil wir weiter viel Raum für Autos wollen? Es geht ja nicht darum, das Auto abzuschaffen oder aus der Stadt zu drängen.

Aber mehr Platz für Autos zieht mehr Autos nach sich und lähmt die Kreativität, andere Formen von Mobilität auszuprobieren, und sei es nur die Variante, sich das Auto zu teilen. Die Stellplatzsatzung drückt nicht nur überkommenes Denken aus, sondern auch überholtes.