Seit langem entstehen im Großraum München viel zu wenig neue Wohnungen. Experten erwarten in den kommenden Jahren deutlich steigende Preise.
Eigentlich könnte Stephan Kippes nun von einer Erlösung sprechen. "Erstmals seit Mitte der neunziger Jahre gab es in Bayern 2009 wieder mehr Baugenehmigungen als im Jahr zuvor", sagt der Marktforscher mit Fachgebiet Immobilien. Doch jeglichem Optimismus tritt er schnell entgegen: "Allerdings hatten wir erst 2008 einen historischen Tiefstand."
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Es ist eng in München - zu eng. Und weil seit langem zu wenig neu gebaut wird, wird das Wohnen in München immer teurer. (© region.lks)
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Sagt es und verweist auf eine lange Zeitreihe, die im Grunde nur eines zeigt: Viele Jahre schon gibt es zu wenige Interessenten für Wohnungsbau - was für ganz Bayern gilt und erst recht für den boomenden Großraum München. Trotz steten Zuzugs hinkt die Bautätigkeit nicht nur dem Bedarf hinterher, vielerorts wird sogar stets weniger gebaut.
Es drohen also für die Zukunft noch weit mehr als bisher die Symptome einer Wohnungsnot - eine bezahlbare Wohnung zu finden, dürfte immer schwieriger werden. Zwar verzeichnen die Makler des Immobilienverbands Deutschland im Moment nicht den ganz großen Andrang auf dem Markt - "bei Besichtigungen gibt es derzeit zumindest keine langen Schlangen", sagt Kippes. Die Nachfrage ist aber dennoch hoch genug, um die Mietpreise in München und Umgebung auf Rekordniveau zu halten.
12,10 Euro werden in München derzeit für einen Quadratmeter in einer Bestandswohnung, die nach 1950 gebaut wurde, fällig, in Altbauten sogar 13 Euro. In beiden Fällen entspricht das exakt dem Wert von vor einem halben Jahr - eine ungewöhnliche Konstanz.
Kippes und seine Marktforscherkollegen gehen dabei keineswegs von einer Trendwende aus, im Gegenteil. "Die Frage ist im Grunde nur, wann die Preise weiter steigen", sagt Kippes, der deswegen lediglich von einer "Verschnaufpause" spricht. So sehr der Immobilienmarkt in München, der sich im Prinzip auf den gesamten S-Bahn-Bereich erstreckt, als robust gilt, so sehr bekommt er die Wirtschaftskrise doch zu spüren: "Zurückgestauten Bedarf", nennt Marktforscher Kippes die indirekte Folge.
Aus Sorge um den eigenen Arbeitsplatz verzichteten viele vorläufig darauf, in eine größere Wohnung umzuziehen, obwohl das wegen einer veränderter Lebenssituationen nötig wäre - etwa wenn ein junges Paar Kinder bekommen hat. Das aber ändere sich, sobald sich die Menschen wieder sicher fühlen, sagt Kippes. "Wenn die Wirtschaft wieder anzieht, wird sich die fehlende Neubautätigkeit rächen."
Zumal neu gebaute Wohnungen vielerorts verstärkt von Eigennutzern bezogen werden, die sich also entschieden haben, nicht mehr zur Miete zu wohnen, sondern selbst eine Immobilie zu kaufen. Diese Gruppe auf dem Immobilienmarkt hat aber das Problem, dass ihr derzeit Kapitalanleger Konkurrenz machen - ebenfalls eine indirekte Folge der Wirtschaftskrise: Weil Festgeld derzeit als wenig lukrativ und Anlageformen wie Aktien als unsicher gelten, sind Wohnungen auf dem sicheren Münchner Markt inzwischen begehrt.
Lange war das völlig anders, da schreckten vermögende Investoren eher davor zurück, ihr Geld in Wohnungen zu stecken: Gemessen daran, dass der Anleger sich sehr lange binden muss, werfen Immobilien eher wenig Rendite ab. "In den ersten zehn Jahren lohnt sich eine Immobilie für den Anleger nicht", sagt etwa Rudolf Stürzer, der als Vorsitzender des Münchner Haus- und Grundbesitzervereins die Belange der Eigentümer von 400.000 Wohnungen vertritt.
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Der Bedarf an neuem Wohnraum definiert sich nur zu einem relativ geringen Teil über die Bevölkerungsentwicklung. Selbst bei stagnierenden oder leicht schrumpfenden Einwohnerzahlen, wird es einen Bedarf an zusätzlicher Wohnfläche geben.
Einerseits gibt es immer noch einen relativ großen Abgang von Wohnungen. Das sind hauptsächlich der Abriss von Wohnungen resp. Wohnhäuser, andererseits die Umwandlung von Wohnungen in andere Nutzungen. (Bspw. wird selten Büroraum zu Wohnraum, aber öfter Wohnraum zu Büroraum.)
Andererseits wächst die statistische Pro-Kopf-Fläche immer noch. Nicht, weil die Wohnungen größer werden, sondern weil die Anzahl der Single-Haushalte und die „Fehlnutzung” (Dazu gehören Bspw. Wohnungen/Häuser, die für Familien gebaut wurden und nur noch von einer oder zwei Personen bewohnt werden, weil die Kinder schon lange einen eigenen Haushalt haben.) steigen. Der zweite Faktor ist ziemlich direkt an die demographische Entwicklung gekoppelt weil das überwiegend ältere Menschen sind die länger aktiv ein selbstbestimmtes Leben führen können.
Der Bevölkerungsrückgang wird sich in Städten wie München voraussichtlich niemals zu größeren Leerständen führen. Das lässt sich mit dem „normalen” Abgang an Wohnungen kompensieren. In Ostdeutschland oder us-amerikanischen Städten wie Detroit sieht das anders aus. Aber ich denke, damit lässt sich München nicht vergleichen.
...stimme ich zu. Und das mit der Panikmache stimmt auch, meiner Meinung nach. Denn - es geht ja momentan auch um die Krise und drohende Inflation - Panikmache hilft niemanden. Wer sich die eigenen vier Wände vorher nicht leisten konnte, der kann sie sich in der Krisensituation erst recht nicht leisten (Achtung: drohender Jobverlust). Zudem steht der Preis einer Wohnung noch nicht im Verhältnis zu den hier üblichen Einkommen. Wer hier einkauft, kauft immer noch zu teuer ein, d.h. die Preise müssen in München weiter sinken (relativ, d.h. über die Zeit stagnieren).
Es gibt in Muc viele junge Familien, die möglicherweise bald in Einfamilienhäuser im Umland umsiedeln werden, und dann wird erst mal ein Vakuum entstehen, ein durchaus realistisches Szenariol.
Die Leute werden schon bauen, wenn sie für sich einen langfristigen Bedarf sehen.
Unter der Annahme daß die Bevölkerung mittlerweile auch in Bayern stagniert / abnimmt und der derzeitige Zuzugstrend nicht ewig anhalten wird, bzw. sich sogar in Abwanderung umkehren könnte wenn sich in 10, 20 Jahren die Gewichte zugunsten anderer Regionen verschieben, ist die Zurückhaltung durchaus nachvollziehbar.
Zumal nur ein Teil derer, die heute aus Opportunitätsgründen nach Oberbayern ziehen, hier echte Wurzeln schlagen dürfte. Was zwingende Voraussetzung für einen Eigenheimbau sein sollte.
mit der Eigenheimquote von "nur" 20%. Deswegen gibt's bei uns warscheinlich auch keine Immobilienblase, so wie in vielen anderen Ländern. Ich glaube auch, daß das nur Panikmache derer ist, die daran verdienen.
..so anschaut, dann denke ich sogar, dass bereits seit Jahren die Immobilienpreise gefühlt sinken. Es gab vor 20-30 Jahren eine Phase, in der die Preise extrem nach oben gesprungen sind. Die Zeiten sind vorbei. Es findet jetzt die Phase der Konsolidierung statt.
Aber dennoch wird mehr Wohnraum benötigt (was auch paradox ist). Eigentlich müssten Preise ins unermessliche steigen; das tun sie aber (erstaunlicherweise) nicht. Ich kenne Leute, die über die letzten 15 Jahren Wertverluste erlitten haben mit ihren Wohnungen.
Jedenfalls gibt es zu wenig Wohnraum und Frau Stadtbaurätin beschäftigt sich mit Regulierungskleinkram und mit frei werdenden Kasernen, als ENDLICH mal ECHTE "Stadtplanung" zu betreiben. Nachverdichtung ist doch nur eine Verlegenheitslösung, die aus der Not geboren wurden. Das schadet der Stadt. Unglaublich, wir leisten uns dafür eine Professorin, wofür eigentlich?
Können wir nur Großes schaffen, wenn Olympia oder eine Weltausstellung kommt??
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