Wohnen in München Diese Stadtviertel ziehen immer mehr junge Menschen an

Nach der These der Forscher des Moses Mendelssohn Instituts werden sich auch Quartiere in Randlagen verändern, wenn sich dort junge Leute ansiedeln.

(Foto: Catherina Hess)
  • Eine Studie ermittelt in sieben deutschen Großstädten Wohngegenden, die von jungen Leuten bevorzugt werden.
  • Außer Studenten leben auch junge Berufstätige vor allem in WGs. Sie können die Entwicklung von Vierteln in Randlage vorantreiben.
  • In München werden Laim sowie die Gegenden um den Harras und den Milbertshofener Platz zunehmend attraktiv für unter 30-Jährige.
Von Ulrike Steinbacher

Dass junge Leute gern in Schwabing und der Maxvorstadt wohnen, ist allgemein bekannt. Dort liegen die Universitäten, dort ist abends was los. Dass aber auch der Norden von Laim und die Gegend um den Harras und den Milbertshofener Platz zunehmend attraktiv werden für unter 30-Jährige, das gehört zu den eher überraschenden Ergebnissen der Studie "Junges Wohnen".

Im Auftrag des Immobilienentwicklers GBI AG haben das Moses Mendelssohn Institut (MMI) und das Immobilienportal WG-gesucht.de in sieben deutschen Großstädten Wohngegenden ermittelt, die von Studenten und Berufseinsteigern offenbar bevorzugt werden. Das Internetportal WG-gesucht.de hat nach eigenen Angaben pro Jahr 73 Millionen Besucher, mehr als 80 Prozent davon aus Deutschland.

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Zwei Drittel dieser Nutzer suchen ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft (WG). Das MMI mit Hauptsitz in Berlin ist eine Gesellschaft der Moses Mendelssohn Stiftung; die Stiftung hält 50 Prozent Anteile am Auftraggeber der Studie, der GBI AG. Das Institut erarbeitet Studien speziell zur Stadt- und Regionalentwicklung, zu Baugeschichte, Tourismus, Verkehr und gesellschaftlichem Wandel.

Wo junge Leute wohnen, was sie sich leisten können, was ihnen in ihrem unmittelbaren Umfeld wichtig ist und was nicht, das ist für die Stadtentwicklung interessant, gerade in Großstädten mit angespanntem Wohnungsmarkt. Stadtplaner und Immobilienentwickler können daraus Schlüsse ziehen, welche Wohnungen sie in welcher Gegend bauen sollten.

Ziel der Studie sei es, "eine unabhängige Aussage zum Wohnungsmarkt für junge Menschen zu erhalten", heißt es in der Einleitung. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts, fasst zusammen: Einerseits seien da die Investoren, "die schauen wollen, wo sich Neubau lohnt". Andererseits könnten Stadtplaner die Informationen nutzen, um "gezielte Ansiedlungsversuche" in bestimmten Quartieren zu unternehmen und so "Veränderungsprozesse in Gang zu setzen".

SZ-Grafik

Für ihre Untersuchung haben die Experten Daten aus amtlichen Statistiken für die Großstädte Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart ausgewertet. Ihre Tiefenschärfe erhält die Studie dadurch, dass alle Stadtbezirke in 500 mal 500 Meter große Quadrate aufgeteilt wurden. Dieses Raster ermöglicht Aussagen über kleinteilige Quartiere. Die Attraktivität der Wohnlagen werden nach einem Punktesystem bewertet. Sehr attraktive Gegenden erreichen eine Punktzahl von 75 bis 100, mäßig attraktive liegen zwischen 50 und 75.