Der Druck, da sind sich Marktforscher und Lobbyisten einig, wird in München steigen. "Die weitere Öffnung der Einkommensschere könnte zu einer verstärkten Polarisierung und zu einer Verschärfung des sozialen Gefälles führen." Was sich liest wie eine Expertise des Departments für Geographie an der TU, stand so vor wenigen Monaten in einer Sitzungsvorlage des Planungsreferats.

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Man kann den Akteuren also nicht vorwerfen, sie seien sich des spezifisch münchnerischen Problems nicht bewusst. Tatsächlich investiert die Stadt über das Programm Wohnen in München IV jährlich 125 Millionen Euro in den öffentlich geförderten Wohnungsbau. 1800 Wohnungen entstehen auf diesem Wege im Jahr.

Ein dickes Lob hierfür kommt vom Verband der Wohnungswirtschaft VdW, in dem bayernweit 470 sozial orientierte Wohnungsunternehmer organisiert sind. "Ich kenne keine Stadt in Deutschland, die mit eigenen Wohnbaugesellschaften so viel macht wie München", lobt Xaver Kroner, geschäftsführender Vorstand des VdW. Zwar fallen viele Sozialwohnungen derzeit aus ihrer befristeten Preisbindung.

Die Versorgung reiche aber aus. "Besorgniserregend ist die Gruppe derer, die knapp über den Einkommensgrenzen für Sozialwohnungen liegen." Im Bereich zwischen fünf und zehn Euro sei auf dem Münchner Mietmarkt so gut wie nichts zu haben. Und diese klaffende Lücke berge auf Dauer sozialen Sprengstoff, prophezeit Kroner.

Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte der genossenschaftliche Wohnungsbau sein. Immerhin 40 000 der rund 750 000 Münchner Wohnungen gehören insgesamt vierzig Genossenschaften. Seit Beginn der neunziger Jahre lebt der alte Genossenschaftsgedanke wieder neu auf. "Es ist die ideale Form für soziale und gemeinschaftsorientierte Projekte", sagt Christian Stupka, Vorstand der Wogeno. Genossenschaftliches Wohnen ist eine Zwischenform zwischen Miete und Eigentum.

Ein Mitglied zahlt eine Einlage, die Wohnung bleibt aber Eigentum der Genossenschaft. "Der Mieter hat ein lebenslanges Nutzungsrecht", erklärt Stupka. Entscheidender Vorteil: Die Miete ist vom Markt entkoppelt, bleibt also stabil. Spekulieren ist tabu. Rund neun Euro netto kostet der Quadratmeter in einer Wohnung. Kein Wunder, dass der Zulauf groß ist. 1300 Mitglieder zählt die Wogeno zurzeit, 400 sind mit Wohnraum versorgt.

Die Wartelisten sind also lang. "Unser Dilemma ist, dass die Stadt in den letzten beiden Jahren kaum Baurecht geschaffen hat", klagt Stupka. Dabei müsste München eigentlich ein großes Interesse am genossenschaftlichen Wohnen haben. Wer preiswert und in einer Gemeinschaft wohnt, braucht weder Wohngeld noch sonstige staatliche Hilfen. Stupka nennt das "soziale Rendite".

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  1. Die Stadt, die uns lieb und teuer ist
  2. Die Schaltzentrale
  3. Die Marktforschung
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(SZ vom 13.03.2010/lim)