Wohnen für alle Zu Besuch im Haus auf Stelzen

Nur ein Jahr hat es gedauert, bis das Stelzenhaus in Moosach fertig war.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Stadt projiziert viele Hoffnungen auf das Projekt am Dantebad. Jetzt sind die ersten Mieter der günstigen Wohnungen da: ein Berufsanfänger, eine Mutter, ein Flüchtling aus Syrien. Was sagen sie?

Von Anna Hoben

Erster Stock, Wohnung 28: Es sieht nach Umzug aus. Im Eingangsbereich stehen Kisten mit Geschirr, eine verpackte Mikrowelle und ein Kühlschrank. Ende April soll die Küche geliefert werden, Dominik Metzler hat sie zusammen mit seiner Mutter ausgesucht: cremefarbene, marmorierte Arbeitsplatte. Bei der Küche unterstützt die Mutter ihn finanziell, alles andere will der 24-jährige Tourismuskaufmann selber stemmen. Wenn die Küche da ist, zieht er endlich ein: in seine erste eigene Wohnung.

Sie liegt in einem Haus, auf das die Stadt München viele Hoffnungen projiziert. Der Stelzenbau im Stadtteil Moosach, von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag auf dem ehemaligen Parkplatz des Dantebads innerhalb eines Jahres errichtet, ist das Pilotprojekt im Programm "Wohnen für alle", bei der Gewofag intern auch bekannt als Turboprojekt. Schnell hochgezogene, günstige Wohnungen mit abgespecktem Standard sollen die Wohnungsnot lindern.

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Eine Hälfte der Wohnungen wird durch das Sozialreferat über die Online-Plattform Sowon an Haushalte vergeben, die berechtigt sind, eine geförderte Wohnung zu bekommen. Die andere Hälfte setzt sich aus anerkannten Flüchtlingen und Wohnungslosen zusammen. Diese Mieter hat eine Belegungskommission aus Sozialreferat und Gewofag ausgewählt.

Ein Frühlingsabend unter der Woche, es ist ruhig an der Postillonstraße. Auf dem Grundstück steht noch ein Baukran, unter dem Stelzenbau stapeln sich Steinbodenplatten. "Bitte keinen Müll neben die Tonnen stellen! Müll in die Tonnen sonst Geldstrafe!", droht ein Aushang im Eingangsbereich, darunter die arabische Übersetzung.

Hoch in den ersten Stock und hinaus auf den sogenannten Laubengang, von dem die Türen zu den Wohnungen abgehen: 86 Einzimmerwohnungen gibt es im Haus, 24 bis 31 Quadratmeter groß, Kaltmiete 9,40 Euro, dazu 14 Wohnungen mit zweieinhalb Zimmern und 50 Quadratmetern, für Familien wie Sharon Meka mit ihren beiden Töchtern. Ihr Umzug Anfang Februar war einer der ersten. Viele Fenster sind gekippt, von drinnen dringen Gerüche und Geräusche nach draußen, und schaut man nicht starr geradeaus, kommt man gar nicht umhin, den einen oder anderen Blick auf den Feierabend zu erhaschen. Ein junger Mann schält Kartoffeln, ein anderer brutzelt etwas in der Pfanne, ein dritter fegt den Boden, im Hintergrund dudelt Musik. Der Alltag ist eingezogen.

Sharon Meka und ihre Tochter Michelle haben eine der Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen bezogen.

(Foto: Catherina Hess)

Eine Tür geht auf. Hallo, guten Abend. Die Tür nebenan öffnet sich ebenfalls. Schön, dass man sich mal kennenlernt. Alsalin Bader aus München, ursprünglich aus Syrien, 25 Jahre alt, und Dieter Wäldin, 53 Jahre alt, aus München, ursprünglich aus dem Schwarzwald, sind jetzt Nachbarn. Der Jüngere, der gerade noch gefegt hatte, geht rein und kommt ein paar Minuten später mit Tassen wieder raus. Er entschuldigt sich, dass er nur Instant-Kaffee da habe und keinen arabischen. Es ist ein Klischee, dass die gastfreundlichen Syrer Besuchern immer sofort etwas anbieten; aber es ist tatsächlich so.

Und, wie lebt es sich so, hier am Dantebad? Er sei glücklich, dass er diese Wohnung bekommen habe, sagt Bader. Ein Jahr und drei Monate ist er jetzt in Deutschland, bisher hat er in einem Wohnheim in Laim gelebt, nun ist er richtig angekommen. Er führt nach drinnen: Küche, schmaler Flur, rechts das Bad und eine kleine Kammer, geradeaus das Wohn- und Schlafzimmer. Bader hat neben einem Bett zwei Sofas hineingestellt, dazwischen kann man sich gerade noch umdrehen.