Wlan auf dem Oktoberfest Grüße im Dirndl an die Freunde daheim

Ein Foto vom Spatzl im Dirndl und ein Video vom Spezl beim Autoscooter: Auf der Wiesn wird die digitale Kommunikation über soziale Netzwerke für die Gäste immer wichtiger. Weil das Mobilfunknetz dort aber längst an seine Grenzen kommt, fordert ein CSU-Stadtrat nun ein kostenloses Wlan-Netz. Doch das dürfte schwierig werden.

Von Beate Wild

Einen Schnappschuss der Liebsten im Dirndl posten, ein Video vom Kumpel beim Hau-den-Lukas hochladen und sich selbst im Käferzelt geotaggen, damit alle Freunde wissen, wo man seinen Abend verbringt: Die Zeiten sind längst digital geworden, auch auf dem größten Bierfest der Welt. München steht nun vor der anspruchsvollen Aufgabe, mit der Entwicklung Schritt zu halten.

Seit einigen Jahren schon wachsen auf dem Oktoberfest die Zugriffszahlen auf die Netze der Mobilfunkbetreiber rapide an, was vor allem an der stetig steigenden Zahl der Smartphones liegt. In Bierlaune wollen die Wiesn-Besucher ihre Erlebnisse gerne auf Facebook, Twitter oder anderen sozialen Netzwerken mit dem Rest der Welt teilen. Dass das Netz wieder einmal überlastet ist, merkt man spätestens dann, wenn man sich mit seinem Handy nicht mehr ins Internet einwählen kann - was an gut besuchten Wiesn-Tagen gang und gäbe ist. Im vergangenen Jahr waren elf zusätzliche Mobilfunkmasten der üblichen Anbieter auf der Theresienwiese aufgestellt, doch zeitweise reichten auch die für den Massenansturm nicht aus.

Die Problematik mit der Netzüberlastung brachte nun wiederum Georg Kronawitter, CSU-Stadtrat im Rathaus, auf die Idee, während des Oktoberfests ein temporäres öffentliches Wlan-Netz auf der Theresienwiese zu installieren. Einen entsprechenden Antrag hat er im Stadtrat eingebracht.

Was sich zunächst nach einer guten Idee anhört, ist für Dirk Wendel, Pressesprecher der Telekom, fast ein Ding der Unmöglichkeit. "Einen so großen Bereich flächendeckend mit Wlan zu versorgen, ist vorsichtig gesagt eine ziemliche Herausforderung", sagt er. Ein derartiges Projekt sei extrem aufwendig und teuer, schätzt Wendel. Um genaue Zahlen und Kapazitätsgrößen für die Wiesn nennen zu können, müsste man erst einmal exakte Berechnungen anstellen. Doch als Vergleichsprojekt führt Wendel die BayArena des Bundesligavereins Bayer Leverkusen an. Dort stattet die Telekom das Stadion derzeit mit 350 Access-Points für ein flächendeckendes WLAN-Netz aus. 20.000 Fußballfans sollen damit gleichzeitig im Internet surfen können. Auf der Theresienwiese tummeln sich an guten Tagen schon mal eine Million Menschen. Welche Ausstattung man dann für das Oktoberfest bräuchte, kann man ungefähr hochrechnen.

Ebenfalls anspruchsvoll wäre laut Telekom die Frage des Einbaus der Wlan-Router auf der Theresienwiese. Man müsste die Geräte etwa auch innen in den Zelten installieren, was wiederum das Hausrecht der Wiesnwirte tangieren würde. Um den Gästen einen einigermaßen schnellen Zugang zu gewährleisten, wäre eine Vielzahl von Routern notwendig. "Denn gerade wenn die Leute dann Fotos oder gar ein Video hochladen wollen, braucht man eine gewisse Bandbreite, damit die Ladezeiten nicht zu lange sind", sagt Wendel. Zudem sei eine flächendeckende Wlan-Ausstattung auf dem Oktoberfest "mit Sicherheit kein preiswertes Unterfangen". Der Telekomsprecher schätzt den finanziellen Aufwand "mindestens sechsstellig, wenn nicht siebenstellig".

Auf dem Oktoberfest kostenloses Wlan anzubieten, wäre also ein Mammutprojekt. Und das, wo man sich in München mit kostenfreien Wlan-Hotspots im öffentlichen Bereich bisher eher schwer tut. Erst seit Ende April gibt es freien Internetzugang am Marienplatz - der bislang einzige vom Stadtrat beauftragte Hotspot der Stadt. Dort kann man bis zu 60 Minuten kostenlos im Internet surfen, ohne dass man sich vorher registrieren muss.

Wild, wilder, Wiesn

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