Wirtshaus in der Au Knödeldiplom und Spaghetti-Oper

Vor 16 Jahren schrieb ein SZ-Autor eine vernichtende Kritik über das Wirtshaus in der Au. Zeit, zu prüfen, ob sich etwas geändert hat.

Von Rosa Marín

Der Chef des Wirtshauses in der Au erinnert sich mit Grauen an das Jahr 1994, wie er unlängst in einem vermeintlich unbeobachteten Moment zwei Gästen anvertraute. Damals hatte Florian Oberndorfer mit Kompagnon und großer Begeisterung das Lokal in der Lilienstraße eröffnet und eine Kritik in der "Kostprobe" kassiert, die man nur mit äußerstem Wohlwollen als mäkelnd bezeichnen kann; vernichtend wäre das passendere Wort.

Ein Lob für die Bedienungen: Die Hauptspeisen kamen immer zur rechten Zeit.

(Foto: Claus Schunk)

Da schrieb der Kollege von "Soßen, im Geschmack wie ein bundesweit bekanntes Tütenprodukt", von "dunkel verbrannten, nicht servierfähigen" Krautwickerl.

Die Jahre sind vergangen, und wenn man nun in der Au vorbeischaut, fällt erstens auf, dass sich das Wirtshaus im Gegensatz zu allen Vorgängern (Lilian's Affair oder Noodles, Münchens 1.Spaghetti-Oper) in den Räumen behaupten konnte. Zweitens hat man sich augenscheinlich von der "Kostprobe" erholt. Denn kommt man unter der Woche an die sorgsam mit Rosmarin-Töpfchen gedeckten Tische an der Straße, sind fast alle reserviert. Drinnen ist der schöne Säulensaal mit den dunkelroten Wänden immer gut gefüllt. Und auch die Qualität der Speisen ist nun durchaus zu loben.

Beginnen wir gleich beim Härtetest, "Münchner Obatzda und cremiger Birnen-Obatzda mit Radieserl und Brez'n": Während der Tester vor 16 Jahren den Käse als "stinkig" schmähte, fanden wir ihn jetzt wunderbar mild auf dem Teller vor, schön ausgestochen in Nockerln, lediglich die Birne schmeckten wir nicht heraus.

Einen guten Eindruck hinterließen auch die "Auer Schmierereien", worunter sich der unbedarfte Tourist ofenfrische, knusprige Brezn vorzustellen hat, mit hausgemachtem Entenbrät, feiner Kalbsleberwurst und Schnittlauchfrischkäse - eine solide Vorspeise, appetitlich präsentiert für 7,80 Euro.

Die Bedienungen sind besonders zu loben, was Aufmerksamkeit und Timing betrifft. So kamen die Hauptspeisen immer zur rechten Zeit. Etwa das gegrillte Bullensteak vom oberbayerischen Weiderind, der Speisekarte nach ein "Wirtshaus-Klassiker für echte Mannsbilder". Muskelbepackte Trümmer von Gästen, die eine Herausforderung in Form von Eiweißschocks suchen, finden saftiges, auf den Punkt gegrilltes Fleisch vor - einzutunken in eine gelungen sämige Sauce Bernaise, die neben der roten Barbecuesoße im schmalen Glas gereicht wird, eine dekorativ-praktische Idee.

Das fein abgestimmte Gemüse samt Rosmarinkartoffeln und einer großen Schüssel Salat versöhnten mit dem Preis (21,50 Euro). Damit der Wirtshauschef nicht meint, in der "Kostprobe" würde gar nicht mehr gemäkelt, reiben wir ihm die Altöttinger Hofente (Portion 13,80 Euro, die größere halbe Ente für 17,90 Euro) hin: Das Tier schmeckte ziemlich entig, das Fleisch war trocken, die Haut weich.

Aber der Kartoffelknödel dazu - ein Traum! Schließlich betreiben Oberndorfer & Co in der Au eine so genannte Knödelei, ein Kochstudio, in dem man den Umgang mit dem Kloß erlernen und ein Knödeldiplom erwerben kann. So müssen Knödel sein: haftend, trotzdem locker, schön rund und nicht massiv im Magen liegend.

Mit dem Knödelessen mochte man gar nicht aufhören - dabei sind die Portionen eh so mächtig. Wir sparten uns die Nachspeise, die die Kellner jedesmal mit Wunderkerzen durch das Lokal manövrierten: verheißungsvolle Mengen an Eismarillenknödeln, Apfelkücherln, Strudel (pro Person 9,80 Euro). Bevor wir das Getüm auf der Karte fanden, meinte die begleitende Test-Esserin im Scherz: "Das heißt bestimmt Dessertpfandl!"

Und so war es auch - die Sprache auf der Speisekarte dürfte durchaus überarbeitet werden. Ein paar Apostrophe, Brett'l, Brez'n und Pfand'l weniger, und es würde noch besser schmecken.

Liebe Leit' - bis zum nächsten Mal in 16 Jahren!