Wirtschaft Die Gründerszene braucht mehr Frauen

Gründerinnen sind noch immer selten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die junge Szene gibt sich fortschrittlich. Doch es sind vor allem Männer, die ihre Start-ups vorstellen.

Kommentar von Pia Ratzesberger

Der jungen Generation unterstellt man gerne, dass sie es besser machen wird als ihre Vorgänger. Und ist umso enttäuschter, wenn man merkt, dass sich manches doch nicht ändert. Auf den Konferenzen für Gründerinnen und Gründer zum Beispiel, die alle paar Wochen in München stattfinden, geht es oft um die Ideen der Zukunft. Viele Regeln, die einmal obligatorisch waren, gelten an diesen Abenden nicht mehr, am deutlichsten zu sehen am Dresscode. Eines aber hat sich nicht verändert, auch wenn die Menschen 20 bis 30 Jahre jünger sind als ein normaler deutscher Mittelständler: Es sind vor allem Männer, die ihre Start-ups vorstellen. Und nur wenige Frauen.

Gerade einmal knapp 15 Prozent der jungen, innovativen Firmen in Deutschland gründen Frauen, in München liegt der Anteil sogar noch einmal niedriger, bei um die zehn Prozent. Und dieser Anteil wird nicht alleine dadurch ansteigen, dass es eigene Beratungen für Gründerinnen gibt. Vor allem zwei Dinge müssen sich ändern.

Erstens hat Innovation heute oft mit IT zu tun, und wer sich nur einmal in einer Vorlesung der Informatik umsieht, der versteht, dass es mehr junge Frauen in diesen Fächern braucht. Es gibt zwar schon seit vielen Jahren Aktionen wie den "Girls Day", um Schülerinnen die Naturwissenschaften näherzubringen, aber der "Girls Day" ist meistens nicht verpflichtend und stammt zudem aus einer Zeit, als es noch keine Youtube-Tutorials gab.

Heute nämlich gibt es wirksamere und einfachere Wege, um jemanden fürs Programmieren zu begeistern, als die, mit ihm einmal im Jahr für ein paar Stunden eine Software-Firma zu besuchen. Es gibt Dutzende Computerprogramme dazu, auch für junge Leute. Schon im Klassenzimmer müssen Schülerinnen und Schüler davon erfahren.

Zweitens sollten die Veranstalter von Start-up-Konferenzen auf ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männer achten, nicht nur auf den Podien, sondern auch bei den Wettbewerben. Sie sollten gezielt mit Netzwerken zusammenarbeiten, die mehr Frauen in die IT bringen wollen. Machen sie das nicht, werden an diesen Abenden weiterhin vor allem Männer ihre Ideen für die Zukunft vorstellen. Und wen ermutigen sie damit? Genau.

Mach dein Ding

Sie sind Ende 20 oder Anfang 30 und haben ihre eigenen Unternehmen gegründet. Über fünf Frauen, die ihren eigenen Weg gehen - und kein Problem damit haben, Verantwortung zu übernehmen. Von Pia Ratzesberger mehr...