Interview: Rebecca Brielbeck

Markus Giletti, Betreiber des Schall & Rauch, über das Positive am Rauchverbot, Ärger mit den Anwohnern und das Eigentor der CSU.

sueddeutsche.de: CSU und FDP haben in ihren Koaltionsvereinbahrungen beschlossen, Rauchen in Einraumgaststätten wieder zu erlauben. Stellen Sie um?

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Markus Giletti: Ehrlich gesagt, weiß ich es noch nicht. Vielleicht bleibe ich beim Rauchverbot. Anfangs stand ich dem Rauchverbot sehr skeptisch gegenüber. Mittlerweile muss ich aber sagen, dass ich doch sehr viel Positives daran finde. Zum Beispiel ist die Luft im Lokal nun viel besser. Gerade für meine Angestellten ist das eine große Erleichterung. Andererseits haben wir seit der Einführung des Rauchverbots verstärkt Ärger mit den Nachbarn. Besonders am Wochenende fühlen sie sich vom Lärm, aber auch vom Zigarettengeruch vor dem Café belästigt. Ich musste sogar Türsteher einstellen, die für Ruhe unter den Rauchern sorgen.

sueddeutsche.de: Wie ist es Ihnen seit der Einführung des Rauchverbots finanziell ergangen?

Giletti: Anfangs hatte ich überlegt, einen Raucherclub zu gründen. Aber gerade hier in der Schellingstraße gibt es sehr viel Laufkundschaft. Die Wenigsten werden für einen einzigen Besuch in einem Café gleich einem Club beitreten wollen. Meine Entscheidung gegen einen solchen Raucherclub war im Nachhinein auch völlig richtig. Ich hatte und habe keine Umsatzeinbußen. Das Publikum hat sich etwas verändert, denn nun kommen auch mal Leute, denen es hier vorher einfach zu verraucht war und ich verkaufe nun mehr Essen und weniger Getränke.

sueddeutsche.de: Werden die anderen Wirte das Rauchen in ihren Lokalen wieder erlauben?

Giletti: Für die Wirte von kleinen Gaststätten hat sich ja die Raucherclublösung schnell großflächig durchgesetzt, um Umsatzeinbußen zu vermeiden. Ob jetzt wieder viele Wirte umstellen, kann ich im Moment nicht beurteilen. Die werden, so wie ich, erst einmal abwarten, was passiert. Die Mühlen der Bürokratie mahlen ja bekanntlich langsam. Auch, wenn ich ziemlich überrascht bin, wie schnell das alles jetzt beschlossen wurde.

sueddeutsche.de: Was bevorzugen die Gäste?

Giletti: Das Rauchverbot wird im Großen und Ganzen sehr positiv aufgenommen. Sogar die meisten Raucher sind dafür. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass viele auch in Zukunft Nichtraucherlokale bevorzugen. Zumal sie es jetzt freiwillig tun können und sich nicht mehr total bevormundet fühlen müssen.

sueddeutsche.de: Ihr Lokal heißt "Schall & Rauch". War das Nichtrauchergesetz auch nicht mehr als Schall und Rauch?

Giletti: Für mich war und ist das alles Schildbürgertum. Eine Lachnummer. Die CSU hat sich damit selbst ins Bein geschossen und nun mit der Lockerung einen großen Teil ihrer Glaubwürdigkeit verloren. Andererseits bin schon froh, dass die gravierende Bevormundung ein Ende hat. Dass das viele geärgert hat, hat die CSU ja bei der Wahl feststellen müssen.

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(sueddeutsche.de/sonn)