Von Florian Zick

Teenage Kicks: In London gibt es das schon länger, nun wird es auch bei uns zum Trend. Im Münchner Atomic Café feiert der Indie-Nachwuchs Deutschlands einzige Underage-Party. Wer schon volljährig ist, kommt nicht rein.

Wenige Stunden zuvor paradierten noch Trachtenzüge auf der Straße vorbei, nun feiern hier Minderjährige eine alternative Party: Im Atomic Café, dem Wohnzimmer der schicken Indie-Szene Münchens, fand am Sonntag zum zweiten Mal eine Underage-Party statt. Anstelle der Mittzwanziger, die sonst hier feiern, treffen sich diesmal 12- bis 17-jährige Indie-Kids zur Teen-Party. Einlass ist um 14.59 Uhr, Schluss fünf Stunden später, pünktlich zum abendlichen Blockbuster.

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In London sind solche Nachmittagssausen schon länger üblich. Der 15-jährige Sam Killcoyne hatte es satt, seine Lieblingsbands immer zu verpassen, nur weil er noch nicht volljährig war. Deshalb organisierte er einen "Underage Club" für all diejenigen, denen der Zugang zu den regulären Clubs bislang verwehrt geblieben war. Das Konzept ist mittlerweile so erfolgreich, dass es Nachahmer im Ausland gefunden hat und es inzwischen in mehreren Städten regelmäßig Underage-Happenings gibt. In London fand kürzlich das erste Underage-Festival der Welt statt, ein Freiluftkonzert für 14- bis 18-Jährige.

Für jede dieser Veranstaltungen gilt das Motto: Kein Alkohol, keine Drogen. Auch für die Underage-Party im Atomic Café. An der Bar gibt es Tonic-Water, Orangina oder Apfelschorle als Standardvariante. Alkohol wird nicht ausgeschenkt und Zigaretten sind verboten. Auch wenn solche Beschränkungen für manches Frühchen unerträglich erscheinen mögen, eine Kindergarten-Veranstaltung ist die Underage-Party nicht. Die jungen Gäste wollen durchaus ernst genommen werden. Daher weicht die Playlist auch nicht von der Musik eines normalen Indie-Abends im Atomic Café ab.

Man wolle junge Menschen an gute Rockmusik heranführen, sagt Atomic-Café-Geschäftsführer Christian Heine - Tokio Hotel oder die Killerpilze spiele man hier nicht. Heine ist mit seinen 41 Jahren selbst schon ganz schön "overage". In den achtziger Jahren hat er in einem Club in England aufgelegt. Dort fand jeden Sonntagnachmittag Disko für Jugendliche statt. Was in der Zwischenzeit aus der Mode gekommen ist, erlebt jetzt seinen zweiten Frühling.

Auch zwei Newcomer-Bands dürfen heute im Atomic Café ihre Kunst beweisen. Die Bandmitglieder sind genauso alt wie ihr Publikum. Musik von Heranwachsenden ist zwar keine ganz neue Erfindung, pubertierende Neulinge an Gitarren und Schlagzeug gab es immer wieder. Erinnert sei an Hanson, eine blutjunge blonde amerikanische Geschwister-Formation, die Mitte der neunziger Jahre kommerzielle Erfolge feiern konnte.

Für die Nachwuchs-Britpopper im Atomic Café würde einem derart geglätteten Pop aber nur der schwer erträgliche Dunst des Mainstream anhaften. Hier misst man sich an den Idolen der alternativen Musikszene. Womöglich schaffen es ein paar dieser Bands auf diesem Weg ins Rampenlicht, wie etwa die Tiny Masters of Today aus New York, bestehend aus dem 13-jährigen Sänger Ivan und seiner Schwester Ada am Bass, die sogar noch ein bisschen jünger ist.